Dottikon

Dieser Aargauer Bauer fährt mit seinem Traktor nach Slowenien – für die Liebe

Kein Weg war ihm zu weit für eine grosse Liebe: Der Bauer Reto Furter aus Dottikon reist bis nach Slowenien, um einen Fiat 850 DT abzuholen. Die 1600 Kilometer lange Fahrt legte er mit einem Traktor zurück.

Reto Furter ist nicht verrückt. Er ist Bauer. Bauer mit Leidenschaft. Leidenschaft für Landmaschinen. Ganz besonders hängt er an einem Fiat-Traktor mit Baujahr 1975. Es ist der Fiat 850 DT, der schon seit 1978 auf dem Hof von Furters seinen Dienst tut. «Den hatten wir schon, als wir noch auf unserem Hof im Dorf vorne waren», erinnert sich der Jungbauer. 1992 zog der Familienbetrieb an die Hofmattenstrasse, etwas ausserhalb von Dottikon. 2011 übernahm Reto Furter den Hof von seinem Vater und widmet sich seither als Teilzeitbauer der Mutterkuhhaltung.

Daneben arbeitet der diplomierte Landwirt und Landmaschinenmechaniker noch bei einem grossen Staplerhändler und Logistikplaner in Dintikon als Mechaniker. «Meine Arbeit lässt sich zum Glück sehr flexibel planen», erklärt Furter mit breitem Grinsen, «sonst hätte das nicht so spontan geklappt.» Mit «das» meint er seine viertägige Traktorreise nach Slowenien, die er vom 29. April bis 2. Mai unternommen hat, um in der Kleinstadt Konjice einen Fiat 850 DT abzuholen, den er zuvor im Internet entdeckt hatte.

«Zum Glück sprach der Händler ziemlich gut Deutsch, so konnte ich alles erfahren, was ich über den Traktor wissen wollte», erinnert sich Furter. Dann hat er sich überlegt, wie er den Fiat schnell und sicher nach Dottikon holen könnte. «Aber ganz egal, was wir ihm empfohlen haben», sagt jetzt Evelyn, seine Frau, und schüttelt den Kopf, «seine Idee war die beste.» Und die hiess: Ladeanhänger an den Hoftraktor und ab nach Slowenien.

Belegte Brote und Handy

«Es war mir schon klar, dass das hin und zurück 1600 Kilometer sind», sinniert Furter, «aber es hat mich einfach gereizt.» Seine Frau wusste, dass es nun kein Halten mehr gab. Also machte sie ihrem Mann belegte Brote als Reiseproviant und verabschiedete ihn am Sonntagmorgen nach dem Frühstück, zusammen mit den Kindern, Lea (31/2) und Nick (1), auf seine abenteuerliche Fahrt.

Als Zugfahrzeug machte der Case IH Maxxum 110 seine Sache prima. Mit 40 km/h tuckerte Furter über Haupt- und Nebenstrassen seinem Ziel entgegen. «Ich musste zehn Stunden pro Tag fahren, damit ich zum vereinbarten Termin am Montag um 16 Uhr da war.» Unterwegs genoss er die schöne Landschaft mit den vielen Bergen. «Als Navi diente mein Handy, auf dem ich mich von Ortschaft zu Ortschaft dirigierte. Das klappte sehr gut. Nur auf einem der fünf Pässe, über die ich fuhr, da hatte ich keinen Empfang mehr.»

Das war auch der Moment, in dem seine Frau zu Hause erschrak, weil sie ihn mit ihrem Handy nicht mehr orten konnte. «Als er dann anrief und sagte, er hätte jetzt wieder Empfang, da fiel mir ein Stein vom Herzen», erzählt Evelyn Furter.

Am Ziel angekommen, wurde Furters Vorfreude ziemlich gedämpft. Der Fiat sah nicht halb so gut aus wie auf den Internetbildern, und im Kühlsystem war kein Wasser. Aber nach eingehender Prüfung war klar, dass der Traktor als Ersatzteillieferant für den «Bruder» zu Hause einwandfrei taugen würde. Das Vehikel wurde aufgeladen und Furter machte sich mit seinen beiden Traktoren auf den Heimweg.

750 Liter Diesel und mehr

«Ich war spät dran und wollte unbedingt noch über die Grenze kommen, weil in Slowenien der 1. und 2. Mai Feiertage sind. In Österreich übernachtete ich auf einem Parkplatz, im Schlafsack auf dem Anhänger, weil alle Hotels schon zu waren.» Nach einer kurzen Nacht gings weiter bis nach Deutschland, wo er sich dann ein anständiges Bett und auch ein Bier leistete, bevor er am Mittwoch, um 17.30 Uhr endlich wieder zu Hause war.

750 Liter Diesel hat sein Case auf dieser Reise verbrannt: «Ich musste jeden Tag tanken. Ich selber habe von Wasser, Red Bull und Coci gelebt. Dazu kamen die zwei Übernachtungen und die Mahlzeiten.» – «Ja, die Eingeklemmten haben nicht für die Hin- und die Rückreise gereicht», lacht seine Frau.

Alles in allem hat er durch seine Traktorreise keine Kosten gespart: «Was ich ausgegeben habe, das hätte mich ein Transport auch gekostet», sagt Furter. «Aber das Erlebnis war einmalig. So etwas macht man nicht alle Tage.» Vor allem unternimmt man eine solche Reise auch nicht ohne guten Grund.

Aber den hat der 36-jährige Traktorenfan: «Unser Fiat ist mir schon ans Herz gewachsen. Als er 2012 einen Motorschaden hatte, haben wir den Case gekauft. Aber ich wollte den Fiat schon immer restaurieren. Es war nicht leicht, an Ersatzteile zu kommen. Als ich dann den Traktor in Slowenien sah, musste ich zugreifen. Bei dem sind Motor und Getriebe noch voll in Ordnung. Auch andere Teile kann ich für unseren verwenden.»

In ein bis zwei Monaten soll der Fiat seine Arbeit wieder aufnehmen können, bis er dann einmal als gepflegter Oldtimer an Traktorenschauen auftreten darf.

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