Im Januar 2016 haben sie zum ersten Mal einen Fuss auf marokkanischen Boden gesetzt – heute wohnen sie dort. Die in Wohlen aufgewachsene Cornelia Breitschmid und Jean-Marie Suter, Aargauer mit welschen Wurzeln, haben sich in das nordafrikanische Land, das so überhaupt nicht afrikanisch sein mag, verliebt. Und nachdem sie auch die mühseligen Seiten der dortigen Bürokratie erlebt haben, in der Villa Tabouka bei Essaouira an der marokkanischen Westküste ein kleines Paradies für sich gefunden.

Doch wie kommt ein Paar dazu, so kurzfristig auszuwandern? Von vorne: Kennen gelernt haben sich die beiden beim kantonalen Sozialdienst. Die 50-jährige Breitschmid war während zwölf Jahren dort angestellt, zuletzt als Abteilungsleiterin. Der 61-jährige Suter arbeitete seit 1996 für die Abteilung, zuletzt als Verantwortlicher für das Operative im Asylwesen. Breitschmid kündigte Anfang 2016 aufgrund der sogenannten «Vetterliwirtschafts-Affäre», an der sie jedoch nicht beteiligt war, wie der Kanton unmissverständlich erklärte. Suter verliess die Abteilung aus Solidarität, «aber nicht aus Wut», sagt er.

So mussten sie sich neu umschauen. «Wir wollten zuerst ein paar Wochen Urlaub machen, in denen wir uns überlegen konnten, wie es weitergehen soll», erzählt Breitschmid. Nach Marokko zog es das Paar, weil beide im Asylwesen immer wieder mit schwierigen jungen Männern von dort zu tun hatten. «Wir wollten sehen, wie das Leben dort funktioniert.»
In Marokko liessen sie ihre Fantasie schweifen. «Irgendwann sagte ich: ‹Warum wandern wir nicht hierher aus?›», erinnert sich Breitschmid lächelnd. «Es hätte ein Witz sein sollen, aber der hat schon bald Wurzeln geschlagen.»

Marokkanische Bürokratie

Ihre Idee war es, irgendwo in der Region, wo sie heute wohnen, in der Nähe von Arganwäldern, wo das äusserst rare Argan-Öl gewonnen wird, «einen Gästebetrieb mit Landwirtschaft und Tieren aufzubauen, ganz im Sinne eines Agriturismo, wie man es aus Italien kennt», beschreibt Breitschmid. Sie wollten damit auch die Region und die einheimische Bevölkerung unterstützen.

«Nachdem wir jedoch Monate nach Einreichung des Projekts noch immer keine Bewilligung in den Händen hielten und uns neben der zeitlichen Dimension auch immer mehr die Baukosten nicht konkret einschätzbar erschienen, beschlossen wir, von diesem Projekt Abstand zu nehmen.» Stattdessen mieteten sie eine bereits bestehende Villa, die zwar etwas kleiner ist als ihr ursprüngliches Projekt, die aber immer noch auf dem Land liegt, «in der Nähe von Arganwäldern, mit einem grosszügigen Grundstück und Platz für Angehörige, Freunde und Gäste».

Pfeifen, Tiere, Konfitüren

Dort lebt das Paar nun und widmet sich den Dingen, die sie neben ihren Jobs daheim im Aargau viel zu oft vernachlässigen mussten: Jean-Marie Suter baut in seiner Werkstatt Pfeifen aus marokkanischem Bruyèreholz, die er in Aarau ausstellen kann und meist in die Schweiz verkauft, «denn in Marokko raucht kaum jemand Pfeife». Er selbst habe als 12-Jähriger mit dem Pfeifenrauchen begonnen, ganz nach seinem Vorbild, Kommissar Maigret, erinnert er sich schmunzelnd. Breitschmid schüttelt lächelnd den Kopf. Sie widmet sich vor allem den Tieren: Sie haben fünf Hühner, einen Hahn, rund ein Dutzend Schildkröten, einen Esel und Katzen.

Daneben macht sie selber Joghurt, Konfitüren und Säfte. Beide kümmern sich um ihre Pension, die aus zwei Zimmern im Haupthaus sowie zwei Bungalows besteht. «Aber wir haben auch beide gelernt, dass im Leben nicht nur die Produktivität wichtig ist. Man darf sich auch einmal eine Pause gönnen, sich mitten am Tag eine Stunde an den Pool setzen und ein Buch lesen», beschreibt Suter. «Wir sind glücklich in unserem neuen Zuhause. Natürlich vermissen wir unsere Familien und Freunde. Aber sie kommen uns immer öfter besuchen, und sonst vermissen wir an der Schweiz wirklich wenig.»

Seit sie ausgewandert sind, wurden sie sporadisch von einem Fernsehteam begleitet. Ab dem 5. Januar wird ihre Geschichte in sechs Episoden auf SRF 1 in der Sendung «Auf und davon» gezeigt. «Wir sind sehr gespannt, was sie daraus gemacht haben», freut sich das Paar.
Auf und davon Ab dem 5. Januar wird die Geschichte des Paares immer freitags ab 21 Uhr in sechs Episoden auf SRF 1 ausgestrahlt. Mehr Infos zur Pension in Marokko unter www.tabouka.com