Wie findet man gleich drei neue Gemeinderatskandidatinnen und -kandidaten? Die Gemeinde Abtwil macht es vor: «Bei uns fassen abtretende Gemeinderäte die Aufgabe, mit einer Wahlkommission Nachfolger zu finden», sagt Gemeindeammann Stefan Balmer. Dieses Jahr holten Renate Arnold und Thomas Rüttimann, die sich als Gemeinderatsmitglieder auf Ende der Amtsperiode nicht mehr zur Wiederwahl stellen, vier Personen ins Boot: Markus Gächter, Fabian Nietlispach, Roland Meyer und Katrin Bischof. «Es ging ja nicht nur darum, Kandidaten für den Gemeinderat zu finden», sagt Arnold, «es gilt jeweils auch, freie Sitze in Kommissionen wieder zu besetzen.»

Die Kommission ist nicht zufällig so zusammengesetzt, wie sie ist. «Es war uns wichtig, dass sie breit abgestützt ist», erklärt Arnold. Die vier Mitglieder waren für die Mitarbeit in der Wahlkommission angefragt worden, weil sie Kontakt und Zugang zu unterschiedlichen Bevölkerungskreisen haben. Zum Beispiel Katrin Bischof, Präsidentin der Musikgesellschaft Abtwil: «Sie kennt fast das ganze Dorf und umgekehrt. Und sie ist eine Frau.»

Persönliche Gespräche

Die Kommission trug in einem ersten Schritt Namen zusammen von Leuten, die für ein Amt infrage kämen. Das Anforderungsprofil verlangte gewisse Grundkompetenzen, verfolgte jedoch keine parteipolitischen Ziele. «Und es mussten schon Leute sein, die sich im Dorf zeigen», unterstreicht Arnold. Daraus entstand eine kleinere Liste mit Personen, die jeweils konkret für ein persönliches Gespräch angefragt wurden. «Diese zeigten sich erstaunt und erfreut, dass sie in diese sozusagen engere Wahl gekommen waren», sagt Bischof, «andere sagten gleich ab. Aber die, die sich auf die Begegnung einliessen, waren grundsätzlich interessiert und verlangten zusätzliche Informationen.»

Dabei ging es in erster Linie um die zeitliche Belastung eines solchen Amtes sowie um Detailinformationen zu den verschiedenen Ressorts. Hauptgründe für eine Absage waren die zeitliche Belastung sowie familiäre und berufliche Situationen. «Das bedeutete jeweils nicht ein grundsätzliches Nein, der Zeitpunkt passte einfach noch nicht», erklärt Bischof. «Das macht Hoffnung, dass es auch in zukünftigen Wahlen Leute gibt, die sich für die Gemeinde engagieren.»

Frauen überlegen gut

Die ersten zwei Zusagen für eine Kandidatur in den Gemeinderat seien relativ zügig zu haben gewesen. Bei der dritten war der Aufwand grösser, wie Arnold und Bischof ausführen. Das lag auch darin begründet, dass der Fokus stark auf eine Frau gerichtet war.

Aber Frauen sagen nicht so schnell zu, so die Erfahrung: «Da sind vielleicht die Kinder noch zu klein. Oder man ist bereits in einem Verein engagiert oder widmet sich der Aus- und Weiterbildung», stellt Bischof fest. Bei den Männern hält eher die fordernde berufliche Situation jemanden davon ab, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.

Offenes, kollegiales Verhältnis

Mit Roland Bühler, Pius Engel und Roland Hodel stehen jetzt, neben den bisherigen Stefan Balmer und Priska Amhof, drei neue Kandidaten zur Wahl.

Arnold und Bischof sind überzeugt, dass sie auch gewählt werden. Die seriöse Arbeit der Wahlkommission ist der Grundstein dafür. «In Abtwil hat diese Art der Kandidatensuche Tradition, das wird hier seit je so gemacht», weiss Bischof, die es interessant fand, in persönlichen Gesprächen mit Abtwilerinnen und Abtwilern in Kontakt zu kommen. «Wir hatten in der Kommission eine sehr gute Zusammenarbeit und ein offenes, kollegiales Verhältnis.»

Für Arnold, abtretende Gemeinderätin, ist wichtig, dass die Wahlkommission nicht nur aus abtretenden Gemeinderäten besteht. «Es geht nicht, dass diese quasi ihre Nachfolger selber nominieren.»