Goddi, der schwule beste Freund von Sandro, möchte als Schauspieler den Durchbruch schaffen. Sandro hält sich aber anscheinend für den besseren Schauspieler. Das soll er nun im Rahmen einer Wette beweisen: Er soll als Frau verkleidet in ihre WG einziehen und alle überzeugen.

Bei diesen Zeilen haben sich vermutlich sämtliche Mundwinkel unwillkürlich nach oben geschlichen – zumindest bei all jenen, die jemals an einem Theaterstück in irgendeiner Turnhalle der Region herzhaft gelacht haben. Sie können sich schon vorstellen, in welchem Chaos so eine Geschichte enden könnte.

Und genau dieses Gefühl, dieses Lachen, diese positiven Erinnerungen sind es, die Janine Berger den Leuten schenken möchte. Denn die Geschichte um Goddi und Sandro, die unter dem Titel «Neue(r) Mitbewohner/in gesucht» Mitte Januar vom Juma-Kongri Theater in Waltenschwil aufgeführt worden ist, stammt aus der Feder der jungen Kallererin, die heute mit Mann und Tochter in Boswil lebt.

Nun mag es nichts Besonderes sein, dass eine Schauspielerin selber zur Feder greift, um eine Geschichte auf die Bühne zu bringen. Doch Bergers Stücke haben es mittlerweile weit über die Grenzen des Freiamts und sogar der Schweiz hinaus geschafft.

Alles ganz spontan

Dabei ist die ganze Geschichte quasi aus der Not entstanden: Die Chaostheatergruppe Wohlen, deren heutige Präsidentin Janine Berger ist, hatte 2012 Mühe, ein geeignetes Stück zu finden. Berger hatte damals schon viel Theatererfahrung, denn als Kind hatte sie oft mit ihrem Bruder Sketches für Familienfeiern einstudiert.

Danach war sie als 18-Jährige ihrem Bruder in die Chaostheatergruppe gefolgt, wo sie ein Jahr lang gemeinsam spielten, bevor er die Gruppe wieder verliess. Janine blieb. 2012 kam sie in den Vorstand und half dem neuen Regisseur, Marcel Stutz, bei der Stücksuche. «Als wir einfach kein Passendes fanden, beschloss ich, das selber einmal zu versuchen, denn Ideen hatte ich aus all den Jahren jede Menge.»

Es entstand das Stück «Sturmfrei mit Folge». Und Folgen hatte nicht nur der Streich der Hausangestellten bei der launischen Frau von Drachenberg im Stück, sondern auch Bergers spontane Entscheidung, ihr Erstlingswerk an drei Theaterverlage zu senden. «Ich dachte einfach, ich versuche es mal. Dass das Stück dann gleich genommen wurde, hat mich selber überrascht», erinnert sie sich lachend.

Ehrlich fügt sie hinzu: «Aus heutiger Sicht finde ich es wirklich nicht mehr ganz so toll, es war halt mein erstes.» Die Chaostheatergruppe entschied sich für ein anderes Werk, aber der Funke war gesprungen, Berger inspiriert und motiviert.

Nur Komödien

Mittlerweile werden sieben ihrer Stücke verlegt. «Die Verlage drucken die Textbüchlein und machen Werbung. Ich erhalte jedes Mal einen gewissen Prozentsatz, wenn eine Theatergruppe sich für mein Stück entscheidet.» Das sei ein schöner Zustupf, jedoch niemals die treibende Kraft hinter ihrem Schreiben gewesen: «Mein Ziel ist es, dass die Schauspieler noch mehr Auswahl an lustigen Stücken haben und die Zuschauer noch am nächsten Tag lachen können, wenn sie sich an einzelne Szenen erinnern.»

So sind es auch immer Komödien, die Berger veröffentlicht. Sie will weder politisieren noch moralisieren. Meist kommt die eine oder andere rabiate Frau im Stück vor, daneben öfter mal schwule Männer, und auch Betrunkenenszenen dürfen nicht fehlen.

Viel hat sie auch von Regisseur Stutz lernen können: «Er sagt immer, die Action müsse von Anfang an losgehen, es soll keine lange Einführung geben. Darauf achte ich immer beim Schreiben. Ausserdem soll der Schluss möglichst nicht vorhersehbar sein.»

«Hochdeutsch ist anders»

Ihr drittes Werk, «Do chasch Gift druf neh», wurde dann von der Chaostheatergruppe selbst uraufgeführt. «Ich war doppelt nervös, mein eigenes Stück zu spielen. Aber es kam offenbar gut an», freut sich Berger. Ihr Verlag, der renommierte Theaterverlag Breuninger aus Aarau, sorgte dann dafür, dass es gar von einem österreichischen Theaterverlag übernommen wurde.

«In Österreich wurde es bisher schon zweimal gespielt», erzählt Berger nicht ohne Stolz. Für die Übersetzung war sie selber zuständig. «Aber ich finde, auf Hochdeutsch ist es nicht dasselbe.» Darum hat sie auch nicht vor, es sich in Österreich anschauen zu gehen. Ihre Stücke, die in der Schweiz gespielt werden, hat sie aber, so gut es ging, alle mindestens einmal gesehen – inkognito natürlich.

«Do chasch Gift druf neh» wurde bereits von zehn Theatergruppen gespielt. Auch in Waltenschwil hätte sie sehr gerne im Publikum gesessen, aber das ging zeitlich nicht. «Ich kenne die Präsidentin. Schön fand ich, dass sie sich für das Stück entschied, bevor sie merkte, dass es von mir stammt.»

Derzeit schreibt sie eigens für einen Turnverein aus der Gegend ein Theater – mehr Schreibzeit kann sie sich momentan nicht nehmen. Denn neben ihrer neuen Akupressur-Praxis ist die gelernte KV-Frau vor allem Hausfrau und Mami ihrer acht Monate alten Tochter Dominique.