Wohlen
Diese Familie ist ein kleines Orchester

Die fünf Bürgers aus Anglikon haben am Sonntag ihr erstes grosses Konzert in der reformierten Kirche gespielt.

Andrea Weibel
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Alles andere als verbissen: Nora, Olivia, Alois, Sabina und Jana Bürger (von links) haben Spass beim Musizieren.

Alles andere als verbissen: Nora, Olivia, Alois, Sabina und Jana Bürger (von links) haben Spass beim Musizieren.

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Durch die grossen Fenster fliegt der Blick über das im Nebel versteckte Anglikon. Doch nicht nur wegen des kalten, unfreundlichen Herbstwetters möchte man viel lieber in der grossen, warmen und gemütlichen Stube der Familie Bürger sitzen. Man muss kein Musiker sein, um sich von den grossen Instrumenten, die still und lockend den Raum bevölkern, angezogen zu fühlen.

Man möchte an den Harfensaiten zupfen und ausprobieren, was deren Pedale bewirken, möchte dem Cello mit dem Bogen Töne entlocken, und man möchte miterleben, was die beiden Flügel mit dem Raum anstellen können, wenn kundige Hände die Tasten berühren. In dieser Atmosphäre, so scheint es, ist es keine Zauberei, dass die Kinder der Familie zu grossartigen Musikern heranwachsen.

Denn genau auf diesem Weg sind die drei Schwestern Olivia (16), Jana und Nora (beide 13). Das haben sie gestern an ihrem ersten grossen Konzert zusammen mit ihren Eltern Alois und Sabina Bürger in der reformierten Kirche Wohlen bewiesen.

Jede fand ihr Instrument

Dabei ist das gemeinsame Musizieren alles andere als verbissen, die Eltern zwingen ihren Nachwuchs nicht zum ungeliebten Üben. «Im Gegenteil, manchmal müssen wir sie beinahe bremsen und dafür sorgen, dass sie Pausen machen und zum Essen kommen», lacht Sabina Bürger. «Die Musik macht ihnen grossen Spass.»

Spannend ist auch, wie sich jedes der Mädchen sein eigenes Instrument ausgesucht hat. Alois Bürger erinnert sich: «Olivia hat mit Blockflöte begonnen, war damit aber nie ganz glücklich. Bei einem Instrumentenparcours der Musikschule Wohlen kam sie plötzlich angerannt und sagte, sie wolle Trompete spielen, weil das so schön kribbele auf den Lippen.»

Und dabei ist die Älteste der drei bis heute geblieben, ist nun in der Kanti sogar in einem kantonalen Förderprogramm und gäbe ihre Trompete nicht mehr her.

Und auch die Zwillinge könnten nicht ohne Musik leben. «Am selben Instrumentenparcours sagte die 6-jährige Jana, sie wolle Harfe spielen», erzählt Sabina Bürger. «Ich sprach mit der Harfenlehrerin, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass das in dem Alter schon möglich war. Aber die Lehrerin sagte mir, das Mädchen habe das Instrument so selbstverständlich in die Hände genommen, dass man das auf jeden Fall versuchen sollte.»

Und um das Orchester komplett zu machen, verliebte sich Nora in das Instrument, das schon ihre Patentante spielt: das Cello. «Es gibt Familien, wo alle Klavier spielen, da vergleicht man sich natürlich immer. Wir haben Glück, dass bei uns jeder sein eigenes Instrument gefunden hat», freut sich die 50-jährige Mutter. Übrigens haben es auch die Zwillinge bereits ins kantonale Förderprogramm für Musiker geschafft und erhalten zusätzliche Unterrichtszeit bezahlt.

Alles begann mit Musik

Doch das Talent kommt nicht von ungefähr: «Meine Frau habe ich damals bei unserer gemeinsamen Musiklehrerin kennen gelernt. Sie nahm Gesangs- und ich Klavierunterricht», erinnert sich Alois Bürger. Gemeinsam schafften die Kindergärtnerin und der gelernte Modellschreiner den Sprung ans Konservatorium. Heute sind sie Instrumentallehrer an der Musikschule Wohlen und vollkommen begeistert davon.

«Als unsere Kinder mit dem Spielen begonnen haben, haben wir festgelegt, dass sie uns immer fragen dürfen, wenn sie unsere Meinung zu ihrer Musik hören wollen, andernfalls halten wir uns zurück», erklärt der 47-Jährige. «Und schon bald wollten sie von sich aus immer öfter mit uns zusammen spielen.»

Vor zwei Jahren machte er eine Stellvertretung als Organist in einer Zürcher Kirche, «da spielten die Zwillinge alleine an einer Erstkommunion, während Olivia die Firmlinge begleitete. So merkte ich, wie selbstständig die drei bereits musizierten». Nun ist der Startschuss gefallen: Die Wohler Zuhörer waren begeistert von der Familie, die auch ein kleines Orchester ist.

Nächstes Konzert am Samstag, 12. November, 19.30 Uhr, reformierte Kirche Ammerswil.