Wohlen

Diese Bernerin gestaltet einen Spreuerschwarm im Strohmuseum

Monika Künti vor ihrer Installation im Strohmuseum. Jörg Baumann

Monika Künti vor ihrer Installation im Strohmuseum. Jörg Baumann

Die Künstlerin Monika Künti hat im Strohmuseum eine anregende Installation eingerichtet. Die Teilnehmerin am vom Museum ausgeschriebenen Wettbewerb «Prix Paille» fand ihre Inspiration im «Spreuer», einem Agrément.

«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit»: An diesen Ausspruch von Karl Valentin erinnerte sich die Berner Korb- und Flechtwerkgestalterin Monika Künti mehrmals, als sie für das Strohmuseum in Wohlen die Installation «Spreuerschwarm» erstellte. «Das war eine Fleissarbeit», sagte sie gestern an der Vernissage. Sie hat sich gelohnt. Denn die Museumsleiterin Anna Hegi und mit ihr wohl alle Besucherinnen und Besucher empfanden die beeindruckende Installation als «leicht und luftig», wie es Hegi formulierte.

Kunststoff statt Strohhalme

Monika Künti, Teilnehmerin am vom Museum ausgeschriebenen Wettbewerb «Prix Paille», fand ihre Inspiration im «Spreuer», einem Agrément, das die Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter seinerzeit hunderttausendfach herstellten. Nur vergrösserte sie den Spreuer auf die dreifache Grösse und wählte als Material statt des Strohhalms, wie ihn die Heimarbeiterinnen verwendeten, in feine Streifen geteiltes Saleenband aus Polypropylen, also einen Kunststoff, der in der Strohindustrie in späteren Jahren auch Eingang fand. Gruppenweise verteilte Monika Künti die neu hergestellten Spreuer vertikal neben das Treppenhaus im Museum.

Die Künstlerin führte bei ihrer Arbeit eine genaue Buchhaltung: In der Installation wurden 458 Spreuer eingesetzt. Monika Künti verbrauchte 240 Meter Saleen-Band und 278 Meter Schnüre. Für die ganze Installation wendete sie, zusammengenommen, etwa sieben Arbeitstage auf, «die Zeit, in der ich darüber nachdachte, nicht eingerechnet.»

Im Workshop bei Ottilia Leemann lernte Monika Künti, den Original-Spreuer aus Stroh herzustellen. «Das war für mich nicht besonders schwierig», sagte sie. Dabei habe sie aber nachvollziehen können, welche Ausdauer die Heimarbeiterinnen beim Produzieren der Agréments aufbringen mussten, «und das stets bei gleichbleibender Qualität.» Die nicht gelungenen Spreuer habe auch sie ausscheiden müssen. «Ich habe mich gefragt, ob es für die Heimarbeiterinnen auch ein Vergnügen war, die Spreuer zu produzieren.» Für sie sei die Arbeit auf jeden Fall ein Privileg gewesen, sagte Monika Künti.

Die Installation «Spreuerschwarm» bleibt als Teil der Sonderausstellung «Frisch geflochten. Inspiration Stroh – damals und heute» bis im Januar 2017 im Museum ausgestellt.

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