Am 23. Oktober finden nicht nur Grossrats- und Regierungsratswahlen statt, in Eggenwil ist gleichzeitig die Ersatzwahl für den demissionierten Gemeinderat Paul Wertli angesetzt. Er hat aus beruflichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. Der 47-Jährige wurde am 1. Juni 2011 als Nachfolger von Alfred Tellenbach in sein Amt gewählt.

Für die Nachfolge von Wertli haben sich beim Wahlbüro zwei Männer gemeldet: Michael Stoll ist in der FDP, hat Jahrgang 1967 und ist Sicherheitsfachmann. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt seit acht Jahren in Eggenwil.

André Heinrich ist parteilos, hat Jahrgang 1965 und ist als Geschäftsleitungsmitglied für diverse kleine und grosse Unternehmen im In- und Ausland tätig. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt seit neun Jahren in Eggenwil.

Wenn Sie in den Gemeinderat Eggenwil gewählt werden, was möchten Sie verändern?

Michael Stoll: Mir ist wichtig, dass in Eggenwil die Ausgaben so gesteuert werden, dass der Steuerfuss nicht erhöht werden muss und unsere kleine Gemeinde damit für die Bürgerinnen und Bürger attraktiv bleibt. Darauf werde ich speziell achten und Einfluss nehmen.
André Heinrich: Ich habe gute Erfahrungen im Geschäftsleben gemacht, bei einem neuen Stellenantritt nicht gleich alles ändern zu wollen, sondern zuerst die Herausforderungen und Chancen im Detail zu verstehen. Ich werde hart in der Sache sein und meinen Standpunkt mit Argumenten vertreten und meine Kollegen auf eine positive Art fordern. Ich bin team- und konsensfähig und werde Entscheidungen des Gemeinderats akzeptieren und loyal nach aussen vertreten.

Wo sehen Sie die grössten Differenzen zu ihrem Gegenkandidaten?

Stoll: Mich freut es, dass die Eggenwilerinnen und Eggenwiler die Auswahl zwischen zwei Kandidaten haben. Ich bin der Kandidat, der für einen frischen Wind und neue Perspektiven für unsere Gemeinde steht. Wenn ich gewählt werde, engagiere ich mich aus voller Kraft für ein weltoffenes und starkes Eggenwil. Zudem setze ich mich für die liberalen Grundwerte ein und bin somit kein Parteiloser.
Heinrich: Ich bin parteilos. Nach meiner Meinung sind die persönlichen Kompetenzen entscheidend und nicht die Parteizugehörigkeit. Ich habe den Vorteil, dass ich mich bei meinen Entscheidungen nicht einer Parteimeinung unterwerfen muss, sondern genauso agieren kann, wie ich es für richtig halte. Als langjähriger Eggenwiler mit schulpflichtigen Kindern und ehemaliger Präsident der Schulpflege bin ich gut vernetzt im Dorf und werde auf Wünsche und Bedenken der Eggenwiler Bevölkerung eingehen.

Provokativ gesagt ist Eggenwil nur eine «Durchfahrtsgemeinde». Was macht das Dorf attraktiv?

Stoll: Für die Menschen sind nicht nur finanzielle Aspekte wie der Steuerfuss oder die Immobilienpreise für die Wahl ihres Wohnortes entscheidend. Genauso wichtig sind gemäss Wohn- und Lebensqualitäts-Index Kriterien wie zum Beispiel Sonnenscheindauer, Naturnähe, die Aussicht, aber auch das Angebot von Wohnraum oder von Arbeitsplätzen. Alle diese Kriterien werden in Eggenwil gut erfüllt und machen daher das Leben hier zu einem kleinen Paradies. Zudem liegt Eggenwil auf der Sonnenseite vom Reusstal und hat die schönsten Sonnenuntergänge.
Heinrich: Ich schätze die Naturnähe und Artenvielfalt, die zur hohen Wohn- und Lebensqualität beiträgt. Ausserdem hat Eggenwil eine gute Verkehrserschliessung sichergestellt und gute Infrastrukturen sowie Einrichtungen, wie zum Beispiel die Tagesstrukturen kontinuierlich ausgebaut. Mit zahlreichen Vereinen und zwei Restaurants wird das Dorfleben aktiv gestaltet.

Was bringen Sie für Erfahrungen mit, die Ihnen in diesem Amt helfen
könnten?

Stoll: Ich bringe sehr viel Berufserfahrung aus der Privatwirtschaft und aus dem Öffentlichen Dienst mit. Als Sicherheitsfachmann bin ich jemand, der konstruktiv kritische Fragen stellen kann und so auch festgefahrene Strukturen aufbricht. Dies führt oft dazu, dass auch Anreize für Neues geschaffen werden.
Heinrich: Als Geschäftsleitungsmitglied von kleinen und grossen Unternehmungen habe ich die Fähigkeit, Texte innert nützlicher Frist zu studieren und zu beurteilen. Ich bringe fundierte Erfahrung in Leitungs- und Führungsaufgaben mit, sowie strategisches Denken und die Erfahrung vor Publikum zu referieren. Ich bin gradlinig, sachlich, entscheidungsfreudig, habe Durchsetzungsvermögen und bin sensibel für Sorgen der Bevölkerung.

Finden Sie den Steuerfuss momentan zu hoch, zu tief, oder genau richtig?

Stoll: Wenn ich die Steuerfussentwicklung gewichtet mit der Einwohnerzahl von Eggenwil betrachte, dann ist dieser von 1987 bis 2016 kontinuierlich gesunken. Dies ist grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung.
Heinrich: Der aktuelle Steuerfuss in Eggenwil liegt bei 102% richtig. Im Vergleich dazu ist der durchschnittliche Gemeindesteuerfuss im Kanton Aargau bei 105%. Eggenwil hatte 1997 bis 2008 jährlich sinkende Steuern und von 2008 bis 2013 war der Steuerfuss stabil auf 98%. Im 2014 wurde der Steuerfuss auf 102% erhöht. Grund hierfür waren grössere notwendige Investitionen in die Infrastruktur, wie die Hochwasserschutzmassnahmen oder die Schulhaus Sanierung von 2,7 Mio. Die Finanzpolitik der Gemeinde Eggenwil soll die laufenden Ausgaben wie auch die Investitionen ohne Neuverschuldung und ohne Verschiebung von Lasten auf kommende Generationen decken können.

In den letzten Jahren hat es politisch wenig Aufregung in Eggenwil gegeben. Was brennt den Eggenwilerinnen und Eggenwilern unter den Fingernägeln, wo gibt es Handlungsbedarf?

Stoll: In den letzten Jahren wurde einiges in die Infrastruktur der Gemeinde investiert. Um ein Beispiel zu nennen, wurde kürzlich das Schulhaus saniert und ausgebaut. Dies auch um die Gemeinde für Neuzuzüger attraktiv zu gestalten. Entsprechend musste der Steuerfuss erhöht werden. Hier sehe ich eine grosse Herausforderung für die Gemeinde. Es ist für die Zukunft wichtig, dass die Wählerinnen und Wähler von Eggenwil eine nachhaltige und transparente Finanzstrategie der Gemeinde erkennen. Wie sieht die Zukunft aus? Gibt es noch mehr Ausgaben? Steigt der Steuerfuss erneut? Können wir als Gemeinde mit knapp 1000 Einwohnerinnen und Einwohnern uns das alles noch leisten?
Heinrich: Wenn keine Aufregung besteht, ist alles in Ordnung und die Gemeinde funktioniert. Die Kantonsstrasse im Innerortsbereich wird in den nächsten zwei bis drei Jahren saniert. Somit sollten die grossen Investitionen für die nächsten Jahre abgeschlossen sein. Obwohl im Sozial- und Gesundheitsbereich auch in Zukunft eher steigende Kosten zu erwarten sind, gehe ich davon aus, dass der Steuerertrag durch moderaten Zuzug sich eher erhöhen wird und die Gemeinde langfristig und nachhaltig eine attraktive Steuerfussentwicklung hat.