Villmergen
Diese beiden Frauen dichten seit der Primarschule für die Fasnacht

Die 35-jährigen Villmergerinnen Esther Sorg und Petra Bichsel schnitzelbänkeln als «Schnoranzia» an der Fasnacht. Seit 23 Jahren dichten die beiden Lehrerinnen und treten mit ihren zrika zehn-minütigen Programmen auf.

Andrea Weibel
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Schnoranzia aus Villmergen dichten zu den Nacktwanderern am Rietenberg. zvg

Schnoranzia aus Villmergen dichten zu den Nacktwanderern am Rietenberg. zvg

«Wir sind etwas schrullige, meist eher einfältige Tratschweiber», fasst Esther Sorg, eine der Schnitzelbänkler-Ladys «Schnoranzia», lachend ihre Fasnachtssujets zusammen. Sie freut sich auf die Fasnacht, die für sie und «Schnoranzia»-Kollegin Petra Bichsel heute Abend an der Beizenfasnacht in Villmergen so richtig anfängt. «Die Fasnacht ist die fantasievollste Zeit des Jahres. Man kann all seine Ideen umsetzen, die man sonst für sich behalten müsste. Es ist wie ein Ventil», beschreibt sie begeistert.

Schnitzelbänke seit 23 Jahren

Seit der Primarschule dichten die beiden ihre Schnitzelbänke und treten mit ihren rund 10-minütigen Programmen auf. Sorg erinnert sich: «Begonnen hat alles an einem Schmutzigen Donnerstag, an dem die Schule Villmergen statt des normalen Unterrichts verschiedene fasnächtliche Workshops angeboten hat.» Damals versuchten sich die beiden bei Lehrer André Keusch, der als «Chräe» bekannt ist (Artikel unten), erstmals im Verfassen von Schnitzelbänken. «Wir haben sie unseren Eltern und Verwandten vorgetragen. Weil diese so begeistert waren, nahmen wir gleich an der Beizenfasnacht teil.»

«Auch spontane Pointen»

Die beiden haben gemeinsam Bezirks- und Kantonsschule besucht. Dann wurden sie Lehrerinnen, bekamen Kinder und haben sich auch gegenseitig als deren Patentanten ausgewählt. «Wir kennen uns so gut, dass wir bei unseren Auftritten auch spontane Pointen einfliessen lassen und darauf reagieren können», beschreibt Sorg. Seit einigen Jahren haben sie ihre Schnitzelbänke mit den fantasievollen Plakaten durch kleine Sketches ausgebaut.

Tränen wegen der «Schnoranzia»

Ein einziges Mal trat die «Schnoranzia» nicht auf. «Mein Mann und ich waren in den Flitterwochen auf Weltreise», erinnert sich Sorg. «Am Schmutzigen Donnerstag waren wir auf einer Wanderung zum Basislager des Mount Everest. Als mir bewusst wurde, dass ich an dem Tag mit Petra aufgetreten wäre, musste ich ein bisschen weinen. Da wusste ich, dass ich die Fasnacht nie mehr ausfallen lassen würde.»

Voller Elan werden die beiden auch heute, Donnerstag, sowie am Montag – für einmal als Kiosk-Frauen – ihre Reime vortragen. Wie üblich haben sie diese erst letzte Woche geschrieben. «Wir können einfach keine Termine einhalten und beginnen immer erst im letzten Moment. Aber bisher hats funktioniert.»