Bremgarten

Diebstahl, Verleumdung, Mord: Eine Maturaarbeit zeigt das Reussstädchten von seiner «gfürchigen» Seite

Jacqueline Wick und Gianna Schläpfer zeigen ihre neuen Stadtführer mit den drei Kriminalfällen aus dem Städtchen.

Jacqueline Wick und Gianna Schläpfer zeigen ihre neuen Stadtführer mit den drei Kriminalfällen aus dem Städtchen.

Die Kantischülerinnen Jacqueline Wick und Gianna Schläpfer haben einen Stadtführer zu drei Bremgarter Kriminalfällen geschrieben. An der Erzählnacht am Freitag lesen sie daraus.

«Diebstahl, Verleumdung, Mord. Bremgarten ist ein Städtchen, in dessen Historie sich viel Interessantes und Schauderhaftes finden lässt.» Das sind die Worte der beiden jungen Maturandinnen der Kanti Baden, Gianna Schläpfer und Jacqueline Wick.

Und tatsächlich, lässt man den Blick über die Gerichtsakten der vergangenen 500 Jahre schweifen, entdeckt man Schauriges, Grausames, Unverständliches. Wer kennt nicht die Geschichten über die Hexenverfolgungen.

Ein Mord an einem jungen Mädchen aus dem Jahr 1901 ist schon weniger bekannt. Und wer weiss noch, dass der Delfin auf dem Brunnen in der Hirschengasse schon zweimal gestohlen worden ist?

Geschichten direkt an den Schauplätzen hören

Schläpfer und Wick stammen aus dem Reussstädtchen. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte neu aufleben zu lassen. Es ist ihnen ein Anliegen, «Biografien und Begebenheiten aus dem geschichtsträchtigen Städtchen auf möglichst spannende Weise weiterzuerzählen».

Doch es reicht ihnen nicht, die schaurigen Geschichten und historischen Fakten mit fiktionalen Ausschmückungen als Text zu veröffentlichen. Darüber hinaus haben sie sie vertont und lassen ihr Publikum mittels Stadtplan durch das Städtchen spazieren, um die Geschichten direkt an den historischen Schauplätzen lesen oder eben hören zu können.

Damit haben die beiden Maturandinnen einen speziellen Stadtrundgang erarbeitet – und dies könnte erst der Anfang sein, denn Bremgarten liefert schier unzählige Fälle, die literarisch aufgearbeitet werden könnten.

Von Hexen, einer Liebe und einem gestohlenen Delfin

Das schlimmste Kapitel der Bremgarter Justizgeschichte ist jenes der Hexenverbrennungen. «In der frühen Neuzeit wurden 13 Personen der Hexerei beschuldigt, 12 davon weiblich», berichten die beiden.

In ihrem Buch widmen sie sich der Geschichte von Agnes Muschin, einer Frau, die unter Folter gestand, dem Teufel die Treue geschworen zu haben. Fünf Menschen soll sie krank gemacht, zwei Tiere verhext und zweimal das Wetter beeinflusst haben. Am 9. Oktober 1574 wurde sie als Hexe zum Tode verurteilt.

Ausserdem rollen die jungen Frauen den Mord an der 21-jährigen Albertine Stöckli wieder auf. «Ihre Brüder arbeiten in der Papierfabrik. Als Albertine ihnen an einem Freitagabend im September 1901 Würste vom Metzger bringen will, verschwindet sie. Am nächsten Tag wird ihre Leiche im Wald gefunden. Ihr Gesicht weist Schnittwunden auf, ihr Hals Stichwunden.»

Als herauskam, dass das Opfer ein Verhältnis mit dem 21-jährigen Metzger Johann Meienhofer gehabt und er sie auch als Letzter gesehen hatte, wurde er verhaftet und ohne Geständnis zu lebenslanger Haft verurteilt.

Ausserdem erzählen sie die Geschichte des Delfins auf dem Brunnen in der Hirschengasse: «1996 wird die Statue gestohlen. Bremgarten lässt eine kleinere Nachbildung aus Bronze giessen. 2001 wird auch diese gestohlen.» Das Original tauchte 2001 wieder auf und steht heute im Stadtmuseum.

Stadtratssaal – zurück an einem Ort des Grauens

Im Rahmen der traditionellen Bremgarter Lesenacht im Herbst stellen die beiden Autorinnen ihr Projekt vor. Die Lesung findet am Freitagabend, 8. November, statt. Der Ort der Lesung ist den beiden Kantischülerinnen wichtig. Sie erklären: «Wir lesen im Stadtratssaal, in dem Agnes Munschi vor gut 500 Jahren als Hexe bezichtigt und zum Feuertod verurteilt wurde.»

Die «Kriminalgeschichten aus Bremgarten» enthalten Fakten, die zu fiktiven Kurzgeschichten aus jeweils zwei Perspektiven verwoben wurden. Das Büchlein ist in der Buchhandlung Furrer, Bremgarten, erhältlich.

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