Fischbach-Göslikon

Die Wurst hat noch kein Ende

Von Hand wird das Brät zubereitet und gewürzt. Das ist arbeitsintensiv, aber das Resultat ist schmackhaft.

Von Hand wird das Brät zubereitet und gewürzt. Das ist arbeitsintensiv, aber das Resultat ist schmackhaft.

650 Bratwürste, 500 Blut- und 300 Leberwürste und 70 Koteletts: Die Männerriege stellt Köstlichkeiten für die Metzgete selbst her. Köstlichkeiten ist das richtige Wort: «Bei uns kommt auch Fleisch in die Wurst, das sonst ‹zu gut› dafür ist.»

Draussen stehen vier Kupferkessel, die mit Feuer eingeheizt werden. Nicht nur das Kochen des Wassers, auch alle anderen Arbeiten, die die Männerriege zur Vorbereitung ihrer Buremetzgete auf sich nimmt, werden auf traditionelle Art ausgeführt.

Drinnen wird Brät von Hand geknetet, Zwiebeln geschnitten, Därme ausgespült und die Bratwürste gefüllt. Obwohl sich kein einziger gelernter Metzger im Raum befindet, diese Männer haben Ahnung von ihrem Handwerk.

Die «Fischbacher Buremetzgete» hatte vor genau 40 Jahren ihren Anfang. Gegründet von Albert Weber, Fritz Seiler und René Stutz, bewirtete man 1975 erstmals die Gäste im alten Schulhaus und heutigen Gemeindehaus des 580-Seelen-Dorfes.

Albert Weber füllt die Würste von Hand.

Albert Weber füllt die Würste von Hand.

Zum letzten Mal selbst gemetzget

Albert Weber hat keine Metzgete verpasst und leitete auch dieses Jahr das Team an, das rund 650 Bratwürste, 500 Blut- und 300 Leberwürste und 70 Koteletts zubereitete.

Es war allerdings das letzte Mal, dass die Männerriege die Würste selbst herstellte, in Zukunft werden sie eingekauft. Die Metzgete wird also auch in Zukunft stattfinden, aber mit einem reduzieren Aufwand. Denn die Männer mussten viel Arbeit in die Zubereitung stecken. Drei Tage lang waren sie im Einsatz.

Das Schönste an der Arbeit ist wohl das Probieren. Dass immer wieder Bratwürste gebraten und probiert werden, ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Würste richtig gewürzt sind.

Das Wasser wird in Kupferkesseln aufgekocht.

Das Wasser wird in Kupferkesseln aufgekocht.

«Früher hatten wir das Schwein noch selbst geschlachtet, da war das Fleisch beim Verarbeiten warm. Jetzt arbeiten wir mit kaltem Fleisch, das Gewürz kommt aber erst zum Vorschein, wenn es erwärmt wird», erklärt Weber. Die Bratwürste schmecken anders, als diejenigen, die man aus der Metzgerei oder vom Grossverteiler kennt. Sie sind grobkörniger, aromatischer und trockener, weil sie weniger Fett enthalten. «Ausser dem Filet und dem falschen Filet verwenden wir alle Stücke des Schweins, also das Fleisch, das sonst ‹zu gut› für die Wurst sind.» Dass die Würste grobkörniger seien, liege daran, dass normalerweise ein Mixer verwendet werde, um das Brät zuzubereiten. Auch die Sauce ist selbst gemacht. Etwa 50 bis 60 Liter kochen über acht Stunden.

Bereits die erste Metzgete der Männerriege war ein Erfolg. «Die stetig wachsenden Besucherzahlen sorgten dafür, dass aus einer guten Idee eine beliebte Tradition wurde», sagt Markus Schaufelbühl, Präsident der Männerriege. Vom alten Schulhaus musste die Metzgete aus Platzgründen in den Mehrzweckraum des Schulhauses verlegt werden. Und von dort schliesslich in die Turnhalle.

Freude an der Arbeit

Bald kamen die Gäste nicht mehr nur aus dem eigenen Dorf, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden und schliesslich aus der gesamten Region. Aber auch Fischbach-Göslikon zählt mittlerweile ganze 1000 Einwohner mehr als noch zu Beginn. Die Metzgergilde erweiterte sich im Verlauf der Jahre vom Gründertrio auf sechs bis neun Personen. Die Männerriege kann sich so jedes Jahr einen guten Zustupf in die Vereinskasse verdienen. «Es braucht Freude an der Arbeit», sagt Weber. Aber der Aufwand lohnt sich. Das weiss jeder, der am Wochenende von den Delikatessen probieren durfte.

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