Hilfikon

Die Wikinger fallen ins Freiamt ein

Die wilden Gesellen von Corvus Nidum um Gründer Höiu (unten links) und Jera (unten rechts) freuen sich riesig auf ihr erstes eigenes Festival.

Die wilden Gesellen von Corvus Nidum um Gründer Höiu (unten links) und Jera (unten rechts) freuen sich riesig auf ihr erstes eigenes Festival.

Mindestens 100 Kämpfer sollen im Herbst auf der Wiese oberhalb des Schlosses Hilfikon übereinander herfallen: Vom 19. bis 21. Oktober findet das erste Wikinger- und Mittelalter-Spektakel (Wums) statt.

Es ist mehr als eine blosse Prophezeiung: Ende Oktober werden die Wikinger auf das Königreich Lothar treffen und sich unerbittliche Schlachten liefern, und das Mitten im Freiamt. Mindestens 100 Kämpfer sollen auf der Wiese oberhalb des Schlosses Hilfikon in den zwei Lagern übereinander herfallen. Wie die Kämpfe ausgehen werden, wissen wohl nur die Götter.

Doch keine Angst, Blut soll dabei keines fliessen. Denn die Wikinger und mittelalterlichen Recken werden lediglich Schaukämpfer oder Freiwillige sein, die genau instruiert werden, wie und wo sie mit ihren Schwertern und Schilden aufeinander einschlagen dürfen. «Aber es wird für viele sicher ein spannendes Erlebnis sein, einmal wie im Mittelalter mit wildem Kampfgeschrei aufeinander loszurennen», freut sich Höiu, mit seiner Frau Jera zusammen die ursprünglichen Gründer des Vereins Corvus Nidum, der das Spektakel organisiert. Man nennt sie übrigens nur beim Vornamen, «denn im Mittelalter gab es auch keine Nachnamen». Doch die ganze Geschichte von vorn.

Mittelalterhotel war der Anfang

Vor etwa sechs Jahren waren Jera und Höiu zum ersten Mal auf der Liebegg an einem Mittelalterspektakel. Dort fühlten sie sich so daheim, dass sie bald ähnliche Veranstaltungen besuchten. «Doch immer abends heimfahren zu müssen, um am Morgen wiederzukommen, fanden wir irgendwann mühsam», so Höiu. Also überlegte sich das Paar etwas Revolutionäres: ein Mittelalterhotel. Geboren war die Idee zu Corvus Nidum (lateinisch: Krähennest).

Sie begannen mit wenig Platz und bauten ihre Zelte immer weiter aus. Bald gab es ein Ritterzelt, ein Adelszelt, wo die zahlenden Gäste gar einen Leibeigenen in Anspruch hätten nehmen können, der ihnen die Füsse wäscht, «aber das hat, glaube ich, keiner je gemacht», lacht Jera. Das Gesindel kam auf Stroh und Wolldecken im Gesindelzelt unter, die Wikinger logierten im Nordmannszelt.

Doch damit waren dem Paar die Ideen noch längst nicht ausgegangen. Als Nächstes begannen sie, in ihrer Mampferei Spanferkel Linseneintopf und vieles mehr anzubieten. Daraus hat sich bis heute das allererste Mittelalter-Catering der Schweiz entwickelt.

Mittlerweile sind verschiedene andere Mittelalterbegeisterte oder Wikingerfans zur Truppe dazugestossen, darunter Jeras Eltern und Höius Mutter, aber auch Leute, die die Idee des Mittelalterhotels einfach toll fanden. «Man kann gar nicht an den Zelten vorbeigehen, so toll sind die gestaltet», berichtet Andaleana, die auch als Staunende eintrat und heute für vieles hinter den Kulissen des Vereins zuständig ist. Aber bald schon kam die Idee auf, dass Hotels und Catering, auch wenn sie noch so toll sind, nicht ausreichen. Corvus Nidum will ein eigenes Spektakel auf die Beine stellen: Wums.

Warnschilder: Achtung Wikinger!

«Wir haben lange nach geeigneten Plätzen gesucht, vor allem im Aargau», berichtet Jera. «Doch die meisten Bauern und Gemeinden fanden, solche Zigeuner wie uns wollten sie nicht. Das war sehr enttäuschend.» Also überlegten sie sich, welche Bauern wohl wenig gegen kleinere Bodenbeschädigungen haben dürften: «Solche, auf deren Land Motocross gefahren wird.» So kamen sie auf die Crosspiste in Hilfikon und die Gemeinde Villmergen. «Auf der Gemeinde war man sehr freundlich und sagte uns, wir sollten uns mit dem Motocross-Club in Verbindung setzen. Und auch die Motocrössler waren sofort einverstanden», freut sich die Mitbegründerin der Idee.

Jetzt ist es offiziell: Vom 19. bis 21. Oktober wird das Wikinger- und Mittelalter-Spektakel Wums verschiedene Heerlager, Schausteller, aber natürlich auch themenechte Gastronomen und Bands auf den Hügel beim Schloss Hilfikon locken. «Mit Merlin haben wir einen wunderbaren Geschichtenerzähler für gross und klein. Denn uns ist wichtig, dass auch Familien willkommen sind, und zwar auch solche, die vielleicht keine mittelalterlichen Kostüme besitzen und noch nie an einem solchen Spektakel waren», so Höiu.

Zu sehen wird es eine Menge geben. Aus Russland wird eine stilechte Wikinger-Band eigens für das Wums anreisen, aber auch aus der Schweiz und Deutschland gibt es mittelalterliche Instrumente zu hören. Die Organisatoren hoffen, dass mindestens 3000 bis 4000 Leute über das ganze Wochenende verteilt den Weg zu ihrem Spektakel finden werden. Finanzieren wollen sie alles über ein Crowdfunding mit thematisch passenden Angeboten.

«Wir werden das Wums bei jedem Wetter durchführen, im Mittelalter herrschte auch nicht immer nur Sonnenschein. Die Jäger haben uns gesagt, wir sollten doch Warnschilder aufstellen, damit keine Wikinger in ihren Fellen in den Wald gehen, denn dann ist Jagdsaison», so Höiu. Lachend fügt Jera hinzu: «Vielleicht sollten wir aber zusätzlich noch Warnschilder für die Jäger aufstellen: Achtung Wikinger!»

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