Muri

Die Villa Wild wird bald abgerissen: Nun wird sie noch einmal mit Kunst belebt

Besonderer Rahmen für eine Kunstausstellung: Triptychon von Ueli Strebel in der Villa Wild.

Besonderer Rahmen für eine Kunstausstellung: Triptychon von Ueli Strebel in der Villa Wild.

Die Villa Wild gehört der Gemeinde und wird, sobald die Überbauung des Bahnhofareals erfolgt, abgerissen. Ueli Strebel und Claudia Böniger Roos beleben das Haus derzeit mit ihrer Kunst.

Man ist hin- und hergerissen: Was fasziniert mehr, die Bilder des Murianer Fotografen Ueli Strebel und der Künstlerin Claudia Böniger Roos oder der Rahmen dazu, die Villa Wild in Muri? Es ist die Kombination, die diese Ausstellung buchstäblich einmalig macht.

Wann hat man schon die Gelegenheit, ein Bild über einer alten Badewanne zu betrachten, zwei Lavabos im Rücken? Oder aus einem durchgesessenen Sofa heraus? Ueli Strebel zeigt in der Villa Wild beim Bahnhof fotografische Triptychen und – so von ihm benannte – «Doppelhochzeiten», Claudia Böniger Roos Zeichnungen mit filigranen Strukturen.

Die Villa Wild gehört der Gemeinde und wird, sobald die Überbauung des Bahnhofareals erfolgt, abgerissen. Ueli Strebel hat von der Gemeinde den Freipass erhalten, hier bis zu diesem Zeitpunkt Ausstellungen zu machen. «Die Villa beleben», wie es der Murianer Fotograf und Grafiker nennt, geht allerdings nur im Sommer; die Heizung fehlt.

Strebel hat viele Ideen, wie diese Kulisse mit den verschiedenen Räumen auf drei Etagen und einem schönen Umgelände mit altem Baumbestand für kulturelle Anlässe genutzt werden kann. Eine ist die aktuelle Ausstellung, die bis zum 17. Juni jeweils Freitag, Samstag und Sonntag zwischen 14 und 18 Uhr zu besichtigen ist. Die Vernissage umrahmten Felix Brühwiler (Gitarre) und Claudio Strebel (Kontrabass).

Neue Wirklichkeiten

Die Triptychen von Strebel, dreiteilige Bilder, lassen eine flüchtige Betrachtung nicht zu. Zu viel ist in ihnen zu sehen. «Der Künstler schafft mit grosser Leidenschaft neue Wirklichkeiten», stellte Peter Jeker, Kunstkenner und eng mit dem Kunstschaffen im Kanton Solothurn verbunden, an der Vernissage fest.

Man müsse sich Zeit nehmen, die Bilder gut zu lesen und den Mut aufbringen, die Bilder auf eigene Faust zu denken. Strebel kombiniere viele Elemente, baue Details ein, mache «aus einem ruhigen Panorama ein wildes Panoptikum». In den «Doppelhochzeiten» zeigt er neben dem Gesamtbild eine reliefartige Ausbildung eines kleinen Details aus der Gesamtaufnahme. Beides zusammen wirkt als Gesamtkunstwerk, verändert sich aber beim Reliefbild, sobald die Betrachterin oder der Betrachter den eigenen Standort wechselt.

Feine Striche

Die feinen Linien auf den gross- und mehrheitlich kleinformatigen Bildern von Claudia Böniger Roos stammen zum grossen Teil von einem Rapidographen, eigentlich ein wichtiges Arbeitsinstrument für Ingenieure und Planer. Es zeichnet gleichmässig, normiert, «unpersönlich», wie Jecker sagte.

Nur: Böniger Roos «befreit das Gerät aus dem Bereich der Technik», ihre Werke werden zu «leisen Mitteilungen» und zu «eindringlichen Hinweisen». Analogien seien in der Natur zu finden, etwa beim Betrachten eines Baumblattes. Im Werk der Künstlerin sei «eine leichte Brise zu spüren».

Diese Ausstellung ist eine gute Gelegenheit, erstmals oder wieder einmal in die Villa Wild, dem über 100-jährigen Wohnhaus des früheren Industriellen Otto Wild, zu gelangen. In Kombination mit Kunst ist dieser Besuch zweifellos ein Erlebnis der besonderen Art.

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