Ich bin ein tierlieber Mensch. Bereits vor einem Jahr hat aber eine Maus meine Nerven strapaziert – nicht nur eine Packung Mehl, auch der Osterhase fiel dem Nagetier zum Opfer. 

Eine Zeit lang hatte ich Ruhe. Obwohl inzwischen alle Nahrungsmittel in Plastikboxen lagern, musste ich vor ein paar Wochen feststellen, dass es wieder eine Maus in meinen Vorratskeller geschafft hatte. Ein angenagter Schnürsenkel, ein Loch in einem Plastiksack, nichts Dramatisches. Trotzdem wollte ich die Maus aus meinem Keller haben. Die Falle vom letzten Mal hatte ich ja noch.

Und tatsächlich sass nach wenigen Stunden eine Maus in der Falle. Und am nächsten Tag noch eine. Einen Kilometer von meinem Haus entfernt setzte ich die Tiere aus und betrachtete das Problem als gelöst.

Maus trickst Falle aus

Das war es natürlich nicht. Am nächsten Tag stellte ich die Falle erneut auf. Als ich sie später überprüfte, war der Käse weg. Aber keine Maus in der Falle. "Vielleicht ein unglücklicher Zufall. Mit dem nächsten Stück Parmesan klappt es", dachte ich mir.

Wieder einen Tag später hatte die Falle erneut zugeschnappt. Keine Maus in dem Käfig. Ich bestückte die Falle erneut – nach dem fünften Versuch war ich kurz vor dem Verzweifeln. Ich überprüfte mehrmals, ob das Tor richtig schloss und testete, wie viel Kraft es braucht, sie zu öffnen – bräuchte ich gar eine Rattenfalle?

Aus so einer Mausefalle entkam das Tier

Aus so einer Mausefalle entkam das Tier

Weil ich wissen wollte, wie es möglich ist, dass die Falle zuschnappt, ohne das Nagetier zu fangen, stellte ich eine kleine Kamera auf den Boden und liess das Licht brennen. Auch dieser Versuch scheiterte – der Käse war weg, nur war der Akku aufgebraucht, bevor sich das schlaue Tier den Leckerbissen geschnappt hatte. Der Parmesan ging zur Neige. Ein letzter Versuch sollte das Geheimnis lüften: Mit einem Verlängerungskabel und einem Adapter schloss ich die Kamera am Stromnetz an und liess sie die ganze Nacht laufen.

Tatsächlich, jetzt hatte die Kamera aufgezeichnet. Die Maus hatte den Käse geholt, ohne den Mechanismus auszulösen, obwohl sie alle Kraft aufwendete, um den Leckerbissen vom Haken zu ziehen. Und eine weitere Aufnahme zeigte, wie das Tor zuschnappte,  und sich die Maus wenig später einfach zwischen dem untersten Gitterstab und dem Boden durchzwängte. Durch eine zwei Millimeter grosse Öffnung, ohne die geringste Anstrengung. Für Spitzmäuse ist das – im Gegensatz zu den früher gefangenen Exemplaren – offenbar kein Problem.

Eine neue Falle, eine sogenannte Wippfalle, brachte den gewünschten Erfolg. Jetzt ist auch die wohl flinkste Maus der Welt wieder draussen auf einem Feld. Und das Video hatte einen weiteren Vorteil: Darauf zu sehen ist auch das kleine Loch in der Wand, durch den das Tier hinein huschte – auch das ist jetzt zu.