Oft ist Claudia Cazemier die letzte Anlaufstelle für verzweifelte Hundebesitzer. Meistens behandelt sie Tiere, die schon lange ein Leiden haben, für das der Tierarzt keine Lösung oder Ursache gefunden hat. Sie hilft ihnen, Traumata zu bewältigen, Blockaden zu lösen, das Verhalten zu ändern, Ängste und Stress aller Art zu verarbeiten und chronische Erkrankungen zu therapieren. Die Dipl. Tierkinesiologin AP (siehe Box) greift dabei auf Hilfsmittel der Traditionellen Chinesische Medizin zurück.

Diese können für den Laien befremdlich wirken: Mit Klanggabeln fährt sie entlang von Energieleitbahnen, sogenannten Meridianen, manchmal verwendet sie dafür auch ein Licht in einer bestimmten Farbe oder greift zu Akupressur. Je nachdem, was der Wunsch des Tieres ist.

Sind die Hundebesitzer skeptisch, wenn sie das zum ersten Mal sehen? «Einige schon. Viele möchten es aber versuchen, wenn nichts anderes geholfen hat, und sehen dann den Erfolg der Behandlung», erklärt Cazemier. Allerdings müsse der Besitzer bereit sein, es auszuprobieren – «ich überrede niemanden». Sie selbst habe am Anfang auch ihre Vorbehalte gehabt, erklärt die Zufikerin, die zuvor als Betriebswirtschafterin gearbeitet hat. «Als ich meine Hundeschule ‹Freude am Hund› eröffnet habe und zudem viel mit Tieren aus dem Tierheim oder von der Strasse zu tun hatte, kam mir der Gedanke: den Hunden müsste man gezielter helfen können.» Eine Kollegin habe sie dann auf die Tierkinesiologie aufmerksam gemacht. «Ich bin ihr heute noch dankbar.» 

In der Zwischenzeit hat sie den alten Job an den Nagel gehängt, und bietet neben der Tierkinesiologie und dem Training in der Hundeschule auch Verhaltenstherapie und Ernährungsberatung an. Eine der Erfolgsgeschichten: Ihre Hündin Eli habe sich früher bei jedem Geräusch erschrocken, am letzten Silvester habe sie sich sogar hingelegt und geschlafen, erzählt Cazemier.

Physisch und psychisch

Wie läuft eine Behandlung ab? «Zuerst spreche ich mit dem Besitzer, dafür nehme ich mir viel Zeit. Dabei geht es unter anderem darum, wie und wann sich das Problem zeigt, wie der Alltag des Hundes aussieht, aber auch, was ihm gefüttert wird.» Erst dann beginne die eigentliche Tierkinesiologie. Zuerst teste sie, ob sie und der Besitzer «in Balance» seien. Dann nimmt sie mit ein paar sanften Bewegungen die Energie des Tieres auf und definiert das Ziel der Behandlung mit dem Besitzer. Etwa: «Der chronische Durchfall soll geheilt werden und wir möchten den Ursprung herausfinden.»

Es folgt der Muskeltest: Der Besitzer muss den Arm ausstrecken, Cazemier übt kaum merklich Druck auf das Handgelenk aus, mit der anderen Hand fährt sie an den «Meridian-Alarmpunkten» ihres Körpers entlang. «Wenn der Arm nach unten geht, weiss ich, dass der Meridian Über- oder Unter-Energie hat.» Es könne sich um eine organische Erkrankung handeln, in der chinesischen Medizin würden die Organ-Meridiane aber auch mit psychischen Problemen assoziiert: So steht die Leber unter anderem für die Entgiftung als auch für Wut. Wenn Cazemier entdeckt hat, wo das Problem sitzt, erfragt sie, ebenfalls anhand des Muskeltests, welche Behandlung das Tier wünscht.

Nicht nur Symptome bekämpfen

Die Zufikerin erklärt einen weiteren Unterschied zur westlichen Medizin: «Es werden nicht Symptome bekämpft. Eine Tierkinesiologin hilft auf allen Ebenen, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und den Ursprung des Problems zu lösen.» Dabei unterscheide man zwischen vier Ebenen. Neben der emotionalen und der strukturellen (körperlichen) Ebene sind dies die energetische, auf die sich etwa Elektrosmog oder Stress auswirken, und die biochemische, die Ernährung, Stoffwechsel und Ähnliches beinhaltet.

Wo haben diese Behandlungsformen ihre Grenzen? «Bei einem Notfall ist der Gang zum Tierarzt unumgänglich», erklärt Cazemier. «Ich sehe die Schulmedizin als notwendig und wichtig, und stelle auch keine Diagnosen.» Oft sei es so, dass eine Zusammenarbeit den gewünschten Erfolg bringe. «Wenn ein Hund Medikamente bekommt, kann meine Behandlung helfen, dass er diese besser verträgt und dass die Giftstoffe den Körper wieder verlassen.»