Fischbach-Göslikon

Die überraschende Kehrtwende: Unverhofft tiefere Steuern

Im aktuellen Finanzplan der Gemeinde sind keine Investitionen mehr vorgesehen, um mehr Schulraum zu schaffen.

Im aktuellen Finanzplan der Gemeinde sind keine Investitionen mehr vorgesehen, um mehr Schulraum zu schaffen.

Der Gemeinderat von Fischbach-Göslikon beantragt für das Budget 2020 einen Steuerfuss von 99 Prozent. Dabei war im Frühjahr noch die Rede davon, den jetzigen Steuerfuss von 106 Prozent zu erhöhen.

Im Frühling diskutierte die Gemeinde Fischbach-Göslikon über zwei Varianten, um mehr Raum für die Schule zu schaffen. Zur Auswahl standen eine Sanierung und Aufstockung des Schulhauses Löhrli für rund 4,25 Mio. Franken und ein Neubau für 6,48 Mio. Franken.

Bei der damaligen Infoveranstaltung sagte Gemeindeammann Hans Peter Flückiger: «Allein, um einen Schulhausneubau realisieren zu können, müsste Fischbach-Göslikon seinen Steuerfuss um 4 auf 110 Prozent erhöhen, die Nettoverschuldung pro Kopf würde zudem bis im Jahr 2025 auf 5000 Franken ansteigen.» Düstere Finanzaussichten für das Dorf mit etwas mehr als 1600 Einwohnern. Doch gestern Mittwoch kam die überraschende Kehrtwende.

Steuerfuss neu bei 99 anstatt 106 Prozent

«Wir gehen im nächsten Jahr mit dem Steuerfuss runter. Zwar nicht so viel wie Geltwil, aber doch immerhin von 106 auf 99 Prozent», sagte Gemeindeammann Hans Peter Flückiger nun an einer Medienkonferenz zum Budget 2020. Ausserdem soll an diesem neuen Steuerfuss in den nächsten vier Jahren nicht mehr geschraubt werden.

Vorausgesetzt, die Gemeindeversammlung stimmt dem Vorhaben des Gemeinderats zu. Das Ziel der Senkung: Abbau des Eigenkapitals. «Wir wollen kein Geld horten», sagte Yvonne Mathis, Leiterin der Abteilung Finanzen, die einen Vergleich mit der Privatwirtschaft machte. «Unternehmen schütten in guten Zeiten Dividenden aus, wir als Gemeinde senken den Steuerfuss und geben so etwas an die Bürger zurück.»

Tatsächlich hat Fischbach-Göslikon einige gute Finanzjahre hinter sich. 2016 und 2017 resultierte jeweils ein Ertragsüberschuss im Bereich von 600'000 Franken, im vergangenen Jahr belief sich der Ertragsüberschuss auf 147'032 Franken. «Um das Eigenkapital senken zu können, müssen wir einen Aufwandüberschuss budgetieren», erklärte Mathis. Im Budget 2020 beträgt dieser 122'000 Franken.

Hohe Schulinvestitonen nicht mehr im Finanzplan

Doch was ist mit den hohen Investitionen für mehr Schulraum, die auf die Gemeinde zukommen? Im Budget 2019 noch im Finanzplan sind diese im Budget für 2020 so gut wie verschwunden, was auch die Erklärung für die Steuerfussreduktion ist. Lediglich 300'000 Franken sind für notwendige bauliche Massnahmen für die bestehenden Schulhäuser im Finanzplan geblieben.

Grund dafür ist ein Bericht der Kommission, die den Schulraumbedarf abgeklärt hat. Im Bericht kam die Kommission zum Schluss, dass derzeit in Fischbach-Göslikon doch nicht mehr Räume für die Schule benötigt werden. Somit wurde die Investition aus dem Finanzplan gestrichen. Noch ist aber das letzte Wort nicht gesprochen.

Denn die Schulpflege ist, so nimmt dies der Gemeinderat wahr, mit dem Bericht der Kommission alles andere als einverstanden Der Gemeinderat führt derzeit mit den Kommissionsmitgliedern und der Schulpflege Gespräche. Das letzte davon gestern Abend. Sobald der Gemeinderat einen Entscheid fällt, wird er informieren, was nun tatsächlich Sache ist mit dem Schulraum.

Steuerfuss wird in einigen Jahren wieder steigen

Falls in der Finanzplanung 2020-2024 wieder höhere Investitionen in die Schulhäuser vorgesehen werden, ändere dies kurzfristig nichts am neuen Steuerfuss, so die Verantwortlichen der Gemeinde. «Bei ausgeführten Investitionen erfolgt die Abschreibung erst ein Jahr nach Inbetriebnahme.»

Der Gemeinderat mahnt die Bevölkerung: «Jetzt sind wir runter mit dem Steuerfuss, aber wir müssen dazu bereit sein, ihn in ein paar Jahren wieder zu erhöhen.» Denn seit der Einführung der neuen Rechnungslegung für die Gemeinden seien die Zeiten vorbei, in denen der Steuerfuss 20 Jahre unverändert bleibe. «Der Steuerfuss muss jetzt flexibler festgelegt werden.»

Mit dem neuen Steuerfuss ist die Gemeinde neu im Unter-100-Prozent-Club und da in guter Gesellschaft. Der Bezirk Bremgarten weist kantonsweit die meisten Gemeinden mit einem Steuerfuss unter 100 Prozent auf. Den tiefsten Steuerfuss findet man im kommenden Jahr aber voraussichtlich im Bezirk Muri. Geltwil hat vergangene Woche verkündet, dass sie ihren Steuerfuss auf 50 Prozent senken wird.

Verwandtes Thema:

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

Meistgesehen

Artboard 1