Wohlen
Die Übergabe der Zahnarzt-Praxis war von langer Hand geplant

Zwei Zahnärzte stellen mit einem ungewöhnlichen Modell den Praxisbetrieb beim Generationenwechsel sicher.

Dominic Kobelt
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Arnold Baumann (links) hat seine Praxis in einem speziellen Verfahren an Marc Bäumler übergeben. Dominic Kobelt

Arnold Baumann (links) hat seine Praxis in einem speziellen Verfahren an Marc Bäumler übergeben. Dominic Kobelt

Arnold Baumann kann mit gutem Gewissen in den Ruhestand. Seine Patienten seien «in den alten Hallen gut betreut» und würden nicht einfach dem Schicksal überlassen, sagt der Zahnarzt. Das ist nicht selbstverständlich: Praxisübergaben verlaufen nicht immer reibungslos. Baumann plant das Vorhaben seit vielen Jahren und hat mit seinem Modell eine gute Lösung gefunden.

Vom Angestellten zum Partner

Die Übergabe war für Baumann schon früh zum Thema geworden: Seit zwölf Jahren leidet der Zahnarzt an einer Augenerkrankung. Deshalb war nicht sicher, wie lange er noch weiterarbeiten kann.

Marc Bäumler, der seit Anfang Monat die Praxis führt, kam «praktisch frisch ab Presse» zu Baumann. «Er hat sich für mein Spezialgebiet interessiert», erinnert sich Baumann, der als Kieferorthopäde Zahnspangen aller Art einsetzt, anpasst und kontrolliert. Als sich abzeichnete, dass Bäumler gerne selbst einmal eine Praxis führen möchte, machte ihn Baumann vom Angestellten zum Teilhaber.

«Es ist wichtig, dass ein junger Partner von Anfang an auch finanziell integriert ist», sagt Baumann. Konkret haben die beiden Zahnärzte die Praxis leicht vergrössert und dann halbiert, Bäumler hat Baumann also die Hälfte der Praxis abgekauft. Gleichzeitig gründeten sie eine Einfache Gesellschaft für die Infrastruktur. Dies wurde vertraglich festgehalten, sowie dass die Zeit der Praxisgemeinschaft auf fünf Jahre limitiert ist. «Das war auch ein wichtiger Beitrag zum Erfolg. Irgendwann muss der Alte weg», sagt Baumann und lacht. Noch bis Ende Jahr steht er als Berater zur Verfügung, behandelt aber keine Patienten mehr.

Bäumler bestätigt, dass einige seiner Berufskollegen schlechte Erfahrungen gemacht hätten, was die Nachfolgeregelung betrifft: «Entweder der Praxisinhaber wollte plötzlich noch länger arbeiten, oder die finanziellen Vorstellungen haben sich geändert.» Für ihn sei dieses Modell der Praxisübergabe eine wunderbare Erfahrung gewesen, auch weil Arnold Baumann ein guter Chef und Partner gewesen sei. «Er war gewillt, sein Wissen weiterzugeben. Das ist nicht selbstverständlich.» Ungewöhnlich sei besonders die Übergangsfrist von fünf Jahren.

«Das ist an der oberen Grenze. Bei uns hat das geklappt, weil wir uns menschlich gut verstanden haben», meinen beide. Sie sind von Berufskollegen zu Freunden geworden. «Es ist schön, dass wir uns austauschen können. Zahnarzt ist manchmal ein ziemlich einsamer Beruf – mit den Patienten kann man sich ja während der Behandlung nur schwer unterhalten.»

Kunden bleiben viele Jahre

Baumann ist auch deshalb froh, dass Bäumler sein Vermächtnis weiterführt, weil es gar nicht so einfach ist, einen Nachfolger zu finden. «Die Jüngeren suchen eher ein Angestelltenverhältnis, weil sie nicht so viel arbeiten möchten», erklärt Baumann. Zudem gebe es immer mehr Frauen auf dem Beruf, die ebenfalls öfter zu einer Anstellung tendieren, um sich noch um die Familie kümmern zu können.

Ein neuer Mitarbeiter ergänzt nun die Praxis. Für die Kunden hat das den Vorteil, dass sie sich nach Baumanns Pensionierung nicht nach einem anderen Spezialisten umsehen mussten. «Die Behandlungen und Nachkontrollen können sich über viele Jahre erstrecken. Da ist es ungünstig, wenn man plötzlich wechseln muss.» Baumann gibt bei der Zahnärztegesellschaft auch Kurse, die das Thema «Praxisübergabe» behandeln. So möchte er sein Erfolgsmodell seinen Berufskollegen weitergeben.

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