Dietwil
Die Treibhäuser von Frau Bräm bleiben

Anstelle der Alten Gärtnerei, der wohl bekanntesten Ruine im Freiamt, die seit Jahren unbewohnbar ist, wird ein neuzeitlicher Gärtnereibetrieb samt Baumschule und Topfpflanzen entstehen. Die Planung ist bereits weit fortgeschritten.

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Dieser Anblick wird bald Vergangenheit sein Das Wohnhaus an der Strasse zwischen Dietwil und Gisikon-Root wird bald abgebrochen, bestehende Treibhäuser werden restauriert und wieder genutzt.

Dieser Anblick wird bald Vergangenheit sein Das Wohnhaus an der Strasse zwischen Dietwil und Gisikon-Root wird bald abgebrochen, bestehende Treibhäuser werden restauriert und wieder genutzt.

Eddy Schambron

Das wird im Sinn von Frau Bräm sein, der eigenwilligen Dame, die die frühere Alte Gärtnerei in Dietwil besass und zusammen mit ihrem Mann bewohnte: Anstelle der jetzigen Ruine wird der Ebikoner Gartenbauer Urs Birrer die Liegenschaft weiter als Gärtnereibetrieb nutzen. Gegenwärtig wird die konkrete Projekteingabe vorbereitet. «Wenn alles rund läuft, kommen die Reste des jetzigen Hauses bald weg», sagt Projektbegleiter Karl Rigert aus Buchrain. Das alte Haus ist in sich zusammengefallen und blieb bisher als Ruine stehen, weil sich Kanton und Besitzer vorerst über die Möglichkeiten der Nutzung nicht einig wurden.

Baumschule und Topfpflanzen

Ursprünglich wollte Birrer hier seinen Geschäftssitz realisieren. Aber das Grundstück liegt in der landwirtschaftlichen Intensivzone, was erhebliche Einschränkungen mit sich bringt. Unter anderem lehnte der Kanton die anfangs angedachte Wohnung mit Büro für den Geschäftsinhaber ab. «Eine Wohnung steht schon länger nicht mehr zur Debatte», sagt Rigert. Vielmehr ist die Absicht, den Gärtnereibetrieb aufrechtzuerhalten, eine Baumschule zu betreiben und Topfpflanzen zu ziehen. «Wir möchten die Treibhäuser restaurieren und ein Gebäude erstellen, in dem man Pflanzen vor der Auslieferung auch am Schatten lagern sowie Werkzeuge und Maschinen unterstellen kann. Ebenso sollen dort Saatgut und Dünger untergebracht werden.» Das neue Projekt wird damit zonenkonform und realisierbar. Darüber freut sich auch Gemeindeammann Pius Wiss. «Wir sind froh, wenn es dort zu einer guten Lösung kommt.» Die Gemeinde setzte sich immer für die Nutzung des Geländes ein und zog ursprünglich sogar eine Zonenänderung in Betracht. «Das erwies sich aber schon beim alten Raumplanungsgesetz als praktisch unmöglich, beim neuen sowieso.»

Einst unter Denkmalschutz

Die jetzige Ruine war ursprünglich eine Ziegelei und zur Zeit der Pferdepost auch ein Gasthof. Einst stand das Haus sogar unter Denkmalschutz. Maira und Hans Bräm lebten über 25 Jahre darin – ohne Strom und Heizung. Sie verzichteten auf die Stromlieferung, weil ihnen die erste Rechnung des Aargauischen Elektrizitätswerkes von über 10 000 Franken zu hoch erschien. Sie und ihr Mann unterliessen es, das Haus zu unterhalten. Mehr noch: «Ich kompostiere unser Haus», sagte Frau Bräm gegenüber der az, welche die durchaus streitbare Frau zwischen Dezember 2005 und März 2006 mit der Serie «Ein Winter mit Frau Bräm» durch die kalte Jahreszeit begleitete. Dass der «Kompostiervorgang» so lange anhalten würde, hat selbst sie nicht geahnt. Und sie würde sich freuen, dass ihre Treibhäuser zu neuerlicher Nutzung kommen. Frau Bräm verstarb im Mai 2008 relativ kurz nach dem Tod ihres Mannes, und die Liegenschaft ging an Urs Birrer, Gartenbauer in Ebikon.

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