Wohlen
Die SVP will den Gemeinderat beim Verkehr ausbremsen

Der neue Gesamtplan Verkehr wurden im Einwohnerrat kontrovers diskutiert – für künftige Projekte zeichnet sich Opposition von rechts ab. Insbesondere bei Tempo 30 und Parkplätzen gehen die Meinungen weit auseinander.

Fabian Hägler
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Für den Wohler Gemeinderat hängen die Sterne in der Verkehrspolitik hoch, hier symbolisch an der ungewohnt ruhigen Zentralstrasse. aw

Für den Wohler Gemeinderat hängen die Sterne in der Verkehrspolitik hoch, hier symbolisch an der ungewohnt ruhigen Zentralstrasse. aw

Eigentlich ging es nur darum, den seit gut einem Jahr vorliegenden Gesamtplan Verkehr (KGV) und das Parkierungskonzept zur Kenntnis zu nehmen. Doch im Wohler Einwohnerrat entwickelte sich eine kontroverse Verkehrsdebatte, die mit markigen Worten von Edi Brunner (SVP) begann. «Wir werden sämtliche Projekte für Tempo 30 mit aller Kraft bekämpfen», kündigte er an.

Damit ging Brunner auf Konfrontationskurs mit Anna Keller (Grüne), die als Sprecherin der Geschäftsprüfungskommission kritisiert hatte, der KGV lege zu wenig Wert auf Lärmschutz und Sicherheit. Genau diese Anliegen wären mit Tempo 30 zu erreichen, das zunächst im Aesch-Quartier vorgesehen ist. Arsène Perroud (SP) sagte, die Verknüpfung des Themas Verkehr mit der Wohn- und Lebensqualität sei zwingend und richtig. Um die hohen Unfallzahlen zu senken, seien Tempo-30-Zonen nötig. Thomas Geissmann steht Tempo 30 kritisch gegenüber: «Auch Rechtsvortritt mit Markierungen kann zu tieferen Geschwindigkeiten beitragen.»

Roger Waeber (CVP) ist gespannt auf die Umsetzung des Plans. «Trotz der angespannten Finanzlage sollte der Gemeinderat nun gute, finanzierbare Projekte bringen», forderte er. Gemeindeammann Walter Dubler versprach, die Wohler Behörden wollten dem KGV nun rasch Leben einhauchen. «Bei der Umsetzung der Massnahmen ist viel politische Sensibilität nötig», sagte Dubler.

Auch bei diesem Thema übte Edi Brunner heftige Kritik: «Nur ein links- grünes Planungsbüro wie Metron kann zum Schluss kommen, dass es im Zentrum genügend Parkplätze hat.» Es brauche endlich ein öffentliches Parkhaus, die Zahl der Parkplätze müsse auf Spitzenzeiten ausgerichtet werden. Er hielt zudem fest, die SVP werde sich gegen neue Parkgebühren entschieden wehren.

Beat Wüthrich (Grüne) beurteilt die Situation völlig anders. «Wohlen ertrinkt im Verkehr», analysierte er und gab zu bedenken: «Jeder Velofahrer verkürzt den Stau, jeder Fussgänger lässt einen Parkplatz frei.» Wüth- rich kritisierte zudem das Laternenparkieren: «Autofahrer erhalten so einen Parkplatz geschenkt.»

Arsène Perroud widersprach Brunner: «Wenn die vorhandenen Ressourcen optimal genutzt werden, reichen die Parkplätze bei weitem aus.» Aus seiner Sicht könnte die Parkplatzzahl gar reduziert werden. «Aber wenn es attraktiv bleibt, mit dem Auto von Geschäft zu Geschäft zu fahren, lässt sich der hausgemachte Verkehr nie verringern.»

Auch Sandra Lehmann (GLP) hielt fest, Verkehr und Lärm seien im Zentrum in Spitzenzeiten sehr stark. «Es gilt, hier auch Anliegen der Anwohner zu berücksichtigen.» Zudem sei zur Entlastung des Zentrums die Südumfahrung anzustreben.

Nach dem Nein des Wohlervolks zum Parkierungsreglement vor vier Jahren schlägt der Gemeinderat nun keine flächendeckenden Gebühren mehr vor. Die Parkplätze bei Friedhof, Niedermatten, Schwimmbad und Eisbahn sollen nicht bewirtschaftet werden. Dies kam bei den Parteien unterschiedlich an. Während die SVP nur Gebühren bei Sportanlässen in den Niedermatten will, sprachen sich SP, Grüne, EVP und GLP für eine flächendeckende Lösung aus.

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