Bremgarten

Die SVP provoziert im Wahlkampf mit «Mohrenkopf"-Plakaten – Kantonalpräsident Glarner hat sie abgenickt

Die Wahlkampfplakate der SVP Bezirk Bremgarten.

Die Wahlkampfplakate der SVP Bezirk Bremgarten.

Im Grossratswahlkampf macht die SVP Bezirk Bremgarten neben Kandidatenköpfen mit einem umstrittenen Süssgebäck Werbung.

Im Juni tobte landesweit zum wiederholten Mal die hitzige Diskussion über die Bezeichnung "Mohrenkopf". Die Waltenschwiler Firma Dubler und weitere Schweizer Hersteller des süssen Produkts wurden aufgefordert, den Namen zu ändern. Während dies für Dubler kein Thema ist, hat beispielsweise die Baselbieter Firma Richterich nun entschieden, den Namen auf der Verpackung zu ändern (die AZ berichtete).

Dieser Tage ist der Mohrenkopf in den Ortschaften des Bezirks Bremgarten aber nicht nur in den Verkaufsregalen zu sehen. Die SVP betreibt seit Kurzem damit auch Wahlkampf für die Grossratswahlen vom 18. Oktober. Vom Plakat lächelt ein goldig verpackter Mohrenkopf mit dem Slogan «Schweizer Werte erhalten!».

Keine kantonsweit laufende Aktion

Eine simple Illustration, die für Aufmerksamkeit sorgt. René Bodmer, Präsident der SVP Bezirk Bremgarten und Grossrat, erklärt: «Reaktionen auf die "Mohrenkopf"-Kampagne gab es durchaus schon. Persönliche Feedbacks sowie in den sozialen Medien. Sie sind positiv wie auch negativ, wie eigentlich immer bei unseren Plakaten.»

Die "Mohrenkopf"-Plakate sind jedoch keine kantonsweit laufende Aktion der SVP. Die Kampagne ist intern diskutiert worden und nicht bei allen auf Begeisterung gestossen. René Bodmer berichtet: «Kantonalpräsident Andreas Glarner hat die Kampagne zwar gutgeheissen und auch unterstützt, das kantonale Wahlkampf-Team hat das "Mohrenkopf"-Sujet jedoch abgelehnt.»

Bezirkspartei stellte das Plakat in Eigenregie her

Doch die SVP-Bezirkspartei Bremgarten konnte sich mit dem negativen Entscheid nicht anfreunden, weil das eigene Plakat bei ihr auf grossen Anklang stiess, und ergriff selbst die Initiative. Die Bremgarter SVPler stellten das "Mohrenkopf"-Plakat deshalb in Eigenregie her und hängten es auf. Dass die Bezirkspartei zusätzlich zu den kantonalen Kampagnen eine eigene lanciert, ist nicht neu und kam bereits in früheren Jahren vor.

Über den Hintergrund der neusten Aktion sagt René Bodmer: «Viele Wählerinnen und Wähler haben sich an den vielen Kandidaten-Kopf-Wahlplakaten wahrscheinlich satt gesehen und einige sind bestimmt auch genervt von den vielen Kandelaber-Plakaten. Der etwas andere Kopf in Form des lächelnden "Mohrenkopfs" sollte deshalb herausstechen und für Abwechslung sorgen.»

Die SVP Bezirk Bremgarten möchte ihre sechs Sitze verteidigen

Dass der Dubler-Mohrenkopf ein Freiämter Produkt sei und diesen Sommer ziemlich für Zündstoff gesorgt habe, sei umso passender, so der SVP-Bezirksparteipräsident. Er hält fest: «Der ‹Mohrenkopf› steht keinesfalls für Rassismus, sondern ist ein Wort für ein Süssgebäck. Ein Wort, welches wir Schweizer schon seit Jahrzehnten verwenden.»

Das sagte Robert Dubler im Juni in der Sendung "TalkTäglich" über die Debatte um seine Süssgebäcke:

"Mohrenkopf"-Affäre: Robert Duber in der Sendung TalkTäglich im Juni 2020

Fraglich ist, ob das Wahlkampfsujet die Bürgerinnen und Bürger überzeugen kann. Die SVP Bezirk Bremgarten möchte ihre sechs Sitze im Grossen Rat verteidigen. Bodmer erklärt: «Den Erfolg einer Kampagne vorauszusagen, ist immer schwierig. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Wähleranteil der SVP im Bezirk Bremgarten über dem kantonalen Durchschnitt lag. Wir hoffen natürlich, dass dies so bleibt.»

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