«Zu hohe Beiträge in die Pensionskasse, Bezüge vom Regionalplanungsverband, die er nicht vollumfänglich in die Gemeindekasse abgeliefert hat und dasselbe mit den Entschädigungen für sein Verwaltungsratsmandat der BDWM-Bahn – jede dieser drei Geschichten wäre in der Privatwirtschaft ein Grund für eine fristlose Kündigung», sagt Jean-Pierre Gallati zu Beginn der Einwohnerratssitzung am Montag.

Die SVP, fuhr der Einwohnerrat in seiner Fraktionserklärung weiter, protestiere dagegen, «mit dieser Person» an einer Sitzung teilnehmen zu müssen.

«Das siebte Gebot gilt auch für Berufspolitiker. Wir werden künftig zu Beginn jeder weiteren Sitzung Protest einlegen», sagte Gallati und forderte den Gemeinderat auf: «Greifen sie so durch, wie sie im Januar bei jenem Regionalpolizisten durchgegriffen haben, der in die Kasse gelangt hat und deshalb fristlos entlassen worden ist.»

Amtsenthebungsverfahren fordern

Der Gemeinderat, forderte der SVP-Einwohnerrat und Grossrat weiter, müsse Strafanzeige erstatten, vom Regierungsrat die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens verlangen und von Walter Dubler die sofortige Rückzahlung aller Bezüge, die er sich zu Unrecht habe privat anweisen lassen.

Auch müsse die Revisionsgesellschaft der Gemeinde sofort ausgewechselt werden, weil sie in den vergangenen 10 Jahren den Manipulationen des Gemeindeammanns nicht auf die Schliche gekommen sei.

Walter Dubler mimte Gelassenheit und versuchte im weiteren Verlauf der Sitzung so zu wirken, als sei nichts gewesen. Der Wohler Gemeindeammann hat in seinen Voten allerdings schon deutlich bestimmter gewirkt und auf persönliche Seitenhiebe an die Adresse von Einwohnerrätinnen und -räten am Montagabend zudem gänzlich verzichtet. Vermisst hat sie im Parlament bestimmt niemand.

Ja zum neuen Kunstrasen

Der Einwohnerrat hat in der Folge recht speditiv und in guter Atmosphäre eine umfangreiche Traktandenliste durchberaten. Mit der Zustimmung zu 48 Einbürgerungsgesuchen wurden 71 Personen eingebürgert. Vom Jahresbericht der Abwasserreinigungsanlage Blettler nahm das Parlament lobend und zustimmend Kenntnis.

Der Kunstrasen auf dem Trainingsfeld der Sportanlage Niedermatten kann für 495 000 Franken (brutto) ersetzt werden. Mit Ausnahme der SVP, die mehrheitlich Ablehnung signalisierte, waren alle Fraktionen klar für diese Investition, welche die Gemeinde Wohlen nach Abzug der Beiträge von Fussballclub und Swisslos-Sportfonds noch mit knapp 314 000 Franken belasten wird.

Ebenfalls nur die SVP sprach sich gegen die Öffnung des Büttikerbachs aus, welche die Gemeinde mit 806 000 Franken vorfinanzieren muss. Letztlich geht das Vorhaben zulasten der Spezialfinanzierung für die Abwasserbeseitigung. Das Projekt wurde nach kurzer Diskussion mit 29:8 Stimmen bei einer Enthaltung genehmigt.

Etwas länger diskutiert wurde in der Folge über die Öffnung des Oberhaubachs in Anglikon, die Armin Geissmann (FDP) schon seit Jahren fordert. Die Meinungen im Rat waren geteilt und an sich fanden die meisten Fraktionen das Anliegen auch sympathisch. Es waren rechtliche Bedenken, die mit 19:20 Stimmen zur knappen Ablehnung der Motion führten.

Weit deutlicher war das Resultat zur Motion «Oase Isler-Areal». Mit 21:6 Stimmen hat der Einwohnerrat das Begehren abgelehnt. Als Grund wurde primär der bestehende Gestaltungsplan angeführt, der vom Wohler Stimmvolk und vom Regierungsrat genehmigt worden ist.