Mähtod

Die Suche ist spannend wie ein Krimi: So retten Drohnen und Wärmebilder die Rehkitze

Jetzt setzen auch Jagdgesellschaften Bremgarten-Fischbach-Göslikon und Oberrohrdorf auf modernste Technik.

Sie gehören wohl zum Niedlichsten, was die Natur hervorbringen kann. Und doch sterben jeden Frühling Rehkitze, weil einige wenige Bauern ihre Felder mähen, ohne vorher den Jägern Bescheid gegeben zu haben. Ein Anruf am Vorabend des Mähens genügt, damit die Jäger die Felder absuchen und so unzählige kleine Leben retten können. Dieses Jahr wurde in den Feldern um Bremgarten, Fischbach-Göslikon, Eggenwil und Oberrohrdorf kein einziges Rehkitz beim Mähen getötet, ein Dutzend von ihnen konnte gerettet werden. Darauf ist Jagdaufseher Roli Koch stolz. Dieser perfekte Wert ist auch der modernen Technik zu verdanken, denn seit diesem Jahr suchen die Mitglieder der Jagdgesellschaften Bremgarten-Fischbach-Göslikon und Oberrohrdorf die Felder mit Drohnen und Wärmebildkameras ab.

Die Kitzsuche ist spannend wie ein Krimi

Es ist Mittwochmorgen, 5.30 Uhr, auf einem Feld bei Oberrohrdorf. Jagdaufseher Roli Koch und zwei Jäger stehen in Gummistiefeln und Jägergrün am Feldrand. Zuvor haben sie den Angstschrei eines Rehkitzes nachgeahmt. «Wenn bei dem Ruf eine Rehgeiss aus dem Wald aufs Feld rennt, wissen wir, dass mindestens ein Kitz irgendwo im Gras liegt», erklärt Koch.

Sicherer und weniger zeitaufwändig. Jagdaufseher Roland Koch erklärt die Vorteile der Drohnensuche

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Die drei Männer starren auf kleine Bildschirme. Auf einmal sehen sie darauf eine Verfärbung. Die Wärmebildkamera der Drohne, die sie übers Feld schwirren lassen, zeigt es deutlich: ein Rehkitz. Einer von ihnen geht los und markiert den Ort. An einer anderen Stelle des Feldes passiert dasselbe. Nochmals lassen sie die Drohne alles überfliegen, denn sie wollen 100-prozentig sicher sein, dass sie kein Kitz übersehen. Es ist spannend wie ein Krimi. Als die drei sicher sind, landen sie die Drohne, nähern sich den beiden Rehkitzen, die vollkommen ruhig liegen bleiben, heben sie mit Händen voller Gras auf und bringen sie zum Waldrand. Dort legen sie sie auf den Boden, markieren sie mit einer Ohrmarke und stülpen umgedrehte Holzharassen über sie, die sie mit einem Stein beschweren. Erst dann geben sie dem Bauern das Zeichen zum Mähen. «Erst, wenn er das Feld gemäht hat, lassen wir die Kleinen wieder frei, denn sonst bestünde ja doch noch die Gefahr, dass sie in den Mäher laufen», erklärt der Jagdaufseher.

Nach etwa einer halben Stunde sind die Jäger fertig. «Früher haben wir die Felder jeweils mit fünf bis zehn Mann abgesucht. Das ist bei 30 bis 40 Feldern ein unglaublicher Aufwand. Dennoch fanden wir nie alle Tiere», hält Koch fest. «Dar­um haben wir uns auf dieses Jahr zwei Drohnen angeschafft. Jetzt, nachdem die ersten Felder alle gemäht sind, sind wir sehr zufrieden.» Jetzt braucht es pro Feld viel weniger Leute und weniger Zeit. Obendrein ist die Methode viel sicherer. «Jetzt müssen nur alle Bauern uns am Vorabend des Mähens Bescheid geben.» Und die Jäger müssen früh aufstehen: «Wir müssen die Felder vor Sonnenaufgang absuchen, sonst ist der Boden gleich warm wie die Kitze, dann bringt das nichts mehr.»

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