Wohlen
Die Stromtarife der IBW bleiben ein Politikum – zumindest für die SVP

Obwohl der Einwohnerrat keinen Einfluss auf die Preisgestaltung des lokalen Energieversorgers hat, bleibt die IB Wohlen AG im Fokus der Politik. SVP-Einwohnerrat Jean-Pierre Gallati und IBW-Verwaltungsratspräsident Hanspeter Weisshaupt lieferten sich am Montag ein Wortgefecht.

Fabian Hägler
Drucken
Teilen
Hanspeter Weisshaupt.

Hanspeter Weisshaupt.

Keystone

Vor bald fünf Jahren reichten Jean-Pierre Gallati (SVP) und Alain Thiébaud (damals FDP, heute GLP) ihre IBW-Motion ein. Die beiden Juristen wollten mit ihrem Vorstoss erreichen, dass künftig der Einwohnerrat die Strom- und Gastarife der IB Wohlen AG festlegt. Seitdem das Bundesgericht im November 2012 in einem ähnlichen Fall in Wangen SZ entschieden hat, dass eine politische Einflussnahme auf die Tarife von selbständigen Stromversorgern nicht zulässig ist, steht fest: Die Motion von Gallati und Thiébaud ist nicht umsetzbar. Dies hat auch der Einwohnerrat festgestellt und den Vorstoss einstimmig als erledigt erklärt.

Dies heisst aber nicht, dass die Auseinandersetzungen um die IBW im Rat nun zu Ende wären. Anna Keller (Grüne), die Präsidentin der
Geschäftsprüfungskommission (GPK), sagte zwar, es gebe heute keinen Anlass mehr für die IBW-Motion. «Der aktuelle Strompreisvergleich zeigt, dass die Tarife in den umliegenden Gemeinden und in Wohlen sehr ähnlich sind.»

Dies beurteilte SVP-Einwohnerrat und Motionär Gallati anders: «Noch heute zahlt das Gewerbe im Einzugsgebiet der IBW eindeutig zu viel», kritisierte er. Hanspeter Weisshaupt, Verwaltungsratspräsident der IB Wohlen AG, konterte: «In 95 Prozent der Fälle liegen die IBW-Tarife im Mittel, nur gerade in 5 Prozent darüber.» CVP-Einwohnerrat Hans Hufschmid betonte, die Strompreise würden von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom kontrolliert. Thomas Burkard (Grüne) fand, die IBW liege mit ihren Tarifen «absolut im Rahmen».

Auch den nächsten Vorwurf von Gal-
lati konterte Weisshaupt energisch. So hielt er fest, die IBW zahle im Vergleich mit ähnlichen Unternehmen keine über-
rissenen Löhne. «Wir haben eine hervorragende Geschäftsleitung und möchten die Verantwortlichen noch lange bei uns behalten», betonte er.

Gallatis Forderung, die IBW müsse mehr Transparenz schaffen, rief Walter Dubler auf den Plan. Der Wohler Gemeindeammann wies darauf hin, dass alle Einwohnerräte zur IBW- Generalversammlung eingeladen seien. Wer noch tiefere Einblick in die IBW haben möchte, solle für den Gemeinderat kandidieren, sagte Dubler mit Blick auf die SVP, die bisher keinen Vertreter in der Exekutive stellt. «Wer gewählt wird, kann sich als Vertreter des
Gemeinderats im Verwaltungsrat der IBW bewerben und dort mitarbeiten», meinte Dubler.

Neben der SVP-Kritik an der IBW gab es im Rat auch Lob für die Verantwortlichen des Energieversorgers. «Ich bin froh, dass der Verwaltungsrat einen guten Job macht und transparent informiert», sagte Corinne Manimanakis (SP). Und auch Armin Geissmann (FDP) dankte der IBW-Spitze für die «gute Arbeit in den letzten Jahren».

Aktuelle Nachrichten