Von weither ist der majestätische Storch sichtbar, der im Nest auf dem Dach von Susann und Mars Bertholet im Aristauer Dorfteil Birri steht. Dass er so positioniert ist, dass sein Küken sich in seinem Schatten etwas abkühlen kann, erkennt man jedoch erst, wenn man im Wintergarten der Familie Bertholet am Tisch sitzt. Denn an der Wand hängt ein Bildschirm, auf dem das Geschehen im Nest via Webcam laufend verfolgt werden kann.

Und das tun nicht nur Bertholets und ihr Nachbar Robert Apitzsch, der ihnen beim Nestbau und der Montage der Kamera geholfen hat, sondern auch Menschen aus der ganzen Welt über die Website von Mars Bertholet. «Im Gästebuch schreiben uns immer wieder Menschen aus aller Welt, kürzlich schrieb jemand aus Japan und ein anderer aus Kanada, dass sie sich über unsere Störche freuen», berichtet Mars Bertholet. Die Tiere stören sich überhaupt nicht an der Kamera, sie bemerken sie vermutlich nicht einmal. Doch die Bilder, die sie liefert, sind fantastisch. Für zusätzliche, besser aufgelöste Fotos geht Mars Bertholet jedoch auch ab und zu selbst aufs Dach.


«Das ist eben Natur»

Abgesehen von den Fotos überlässt er die Störche aber sich selbst. «Nur die toten Tiere holen wir aus dem Nest», erklärt er. Susann Bertholet ergänzt: «Wir könnten es nicht ertragen, wenn die Jungtiere ständig auf ihren toten Geschwistern stehen und liegen müssten.» Doch dass jedes Jahr wieder Küken sterben, sei eben Natur. «Es fragen uns immer wieder Leute, ob sie helfen und was sie tun könnten, um die Tiere zu retten. Das ist lieb gemeint, aber da kann man nichts tun. Wenn eines stirbt, ist das der Lauf der Natur», so Susann Bertholet. Sind zu viele Küken im Nest, kann es sogar vorkommen, dass die Storcheneltern das schwächste von ihnen selbst töten. «Einmal passierte das, als wir alle am Muttertag beim Essen sassen und zusehen mussten», erinnert sie sich.


Dieses Jahr hat von ursprünglich fünf Eiern, aus denen vier Küken geschlüpft sind, bisher nur ein Jungtier überlebt. «Über Pfingsten hatten wir Angst um den Kleinen, denn es hat so stark geregnet, dass das Nest eine einzige Schlammpfütze war», berichtet sie und zeigt auf das Foto des schmutzigen kleinen Tiers. «2014 war ja so ein schlimmes Jahr, da hat aufgrund des anhaltenden Regens auch kein einziges Junges aus sechs Eiern überlebt.» Und auch dass dieser junge Storch, der stark genug war, um Pfingsten zu überstehen, im Juli ausfliegen kann, ist noch alles andere als sicher. «Das weiss man eben nie vorher, uns sind auch schon viel grössere Tiere gestorben, vermutlich an Krankheiten, wir wissen es nicht.»


Auf jeden Fall freuen sich Bertholets über die hübschen Mitbewohner ihres alten Hauses, das früher das Posthalterhaus gewesen ist, und das sie seit 35 Jahren bewohnen. «Auch wenn ich nichts machen kann: Ich schaue mir doch immer wieder die Wetterprognose an, denn ich hoffe sehr, dass der Junge nun keine so schlimmen Tage mehr durchstehen muss wie letztes Wochenende», sagt Susann Bertholet. «Wir hoffen auf Sonne, damit es sich wieder vollständig erholen kann. Denn sobald es richtige Flügel hat, ist es auch besser gegen Regen geschützt. Sein Flaum hilft zwar gegen Kälte, gegen Regen aber nicht.»

Hier können sie die Störche live betrachten (allerdings scheint die Seite etwas überlastet zu sein. Tipp: Klicken Sie auf «Snapshot» so erhalten Sie ein Foto aus dem Nest).