Bezirk Bremgarten

Die Statistik zeigt: Im letzten Jahr gab es weniger Betreibungen

Die Betreibungen sind im Freiamt 2015 um 10 Prozent gesunken. Peter Siegrist/az-Archiv

Die Betreibungen sind im Freiamt 2015 um 10 Prozent gesunken. Peter Siegrist/az-Archiv

Im Bezirk Bremgarten wurden 2015 knapp 600 Betreibungen weniger registriert als noch im Jahr zuvor. Trotzdem gehören immer öfters auch Rentner zu den Schuldnern. Betroffen sind vor allem Personen, die krankheitshalber aus dem Arbeitsprozess ausscheiden.

In den zehn Betreibungsämtern des Bezirks Bremgarten mussten gut 10'000 Begehren bearbeitet werden, das sind knapp 600 weniger als im Vorjahr. 5986 davon waren Betreibungen (Vorjahr: 6570). Insgesamt wurden 5241 Zahlungsbefehle ausgestellt – knapp 10 Prozent weniger als 2014.

Das Betreibungsamt Bremgarten und Umgebung schreibt in seinem Rechenschaftsbericht: «Nach wie vor sind Steuerforderungen und Versicherungsforderungen, insbesondere Krankenkassenprämien, die am häufigsten betriebenen Forderungen.» Pfändungen – die arbeitsintensivste Tätigkeit – mussten in 3099 Fällen vollzogen werden (2014: 3510 Fälle).

Fast immer wird das Einkommen gepfändet, Sachpfändungen sind selten geworden. Nur in etwa 2 Prozent aller Fälle werden eine Liegenschaft, ein Fahrzeug, etwas Schmuck, Kunstgegenstände oder auch ein Guthaben gepfändet. «Bei den Privatfahrzeugen sind nach wie vor ein sehr hoher Anteil Leasingfahrzeuge oder Fahrzeuge, bei welchen sich mangels zu erwartendem Verwertungserlös eine Pfändung nicht lohnt.»

Die Art der Forderungen, in der Fachsprache die «Gläubigerstruktur», habe sich kaum verändert, heisst es im Rechenschaftsbericht, ausser dass immer mehr Inkassofirmen auftreten würden. Eine deutliche Zunahme erwartet man 2016 im Bereich Verlustscheine. Verlustscheine müssen zur «Unterbrechung der Verjährung» betrieben werden. Alle alten Verlustscheine, welche bis Ende 1996 ausgestellt wurden, würden Ende dieses Jahr verjähren, schreibt das Betreibungsamt.

Mehr «Schuldnernomaden»

Auch die Zusammensetzung der Schuldnerschaft verändere sich kaum. «Zieht ein Schuldner weg, kommt alsbald ein neuer oder auch zwei.» Insbesondere die Anzahl der «Schuldnernomaden» nehme zu, heisst es im Bericht. «Schuldnernomaden sind Schuldner, die meist ohne festen Wohnsitz sich mal da und mal dort bei Kollegen oder in einer WG aufhalten. Im Sommer campieren sie angeblich im Wald oder an der Reuss oder übernachten im Auto und im Winter haben sie vielleicht ein Postfach.»

Um dieser Klientel habhaft zu werden, ist für das Betreibungsamt ein grösserer Aufwand nötig. Das Handy ist oft die einzige Verbindung. «Es ist deshalb nicht verständlich, dass es keine zentrale Auskunftsstelle für Handynummern gibt.»

Auch Rentner öfters betroffen

Unter den zu Betreibenden seien öfters auch Rentner anzutreffen. Es zeige sich, dass vor allem Leute, welche krankheitshalber aus dem Arbeitsprozess ausscheiden und eine IV-Rente beantragen, zuerst Betreibungsschuldner werden, bis dann, wenn überhaupt, eine Rente zugesprochen wird.

Etwas öfter als im Vorjahr musste das Betreibungsamt die Polizei einbeziehen: 102 Schuldnerinnen und Schuldner mussten polizeilich zugeführt und verzeigt werden, das sind zehn mehr als noch 2014. Strafanzeige musste nur gegen einen Schuldner erhoben werden, im Vorjahr waren es fünf.

Zahlen mit Karte im Trend

Im Frühling führte Bremgarten, als eines der ersten Betreibungsämter im Kanton ein Kartenleseterminal ein. Seit der Einführung des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs im Jahr 1982 waren nur Barzahlungen erlaubt. Das Gesetz wurde inzwischen revidiert.

Das Bedürfnis, am Schalter mit Karte bezahlen zu können, stand schon länger im Raum, heisst es im Rechenschaftsbericht. «Der bargeldlose Zahlungsverkehr ist vor allem bei der jüngeren Kundschaft Trend und Alltag geworden.»

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