Ursprung für den Tag, an dem die interessierten Heimbewohner und Besucher selber nach Herzenslust spinnen durften, war eine praktische Überlegung: «Wir haben drei Walliser Schwarznasenschafe. Es wäre doch schade, wenn die Wolle einfach weggeworfen würde», sagt Organisatorin Irene Briner, die für öffentliche Kulturanlässe verantwortlich ist.

Vor allem, weil die Schwarznasen eine der feinsten Wollen überhaupt hätten, fügt Annafried Widmer an, die sich neben der Verarbeitung von Wolle besonders auch mit alten Nutzpflanzen auskennt, mit denen sie die Wolle auf natürliche Weise färbt. Gärtner Daniel Rimann gab die Wolle gern heraus und Briner brachte den Heimbewohnern verschiedenste Arten des Spinnens bei.

Bewahren des alten Handwerks

Und das scheint ihnen grossen Spass zu machen. Bewohnerin Ursula Kast präsentiert ihre kunstvoll gewobenen Bilder. Und Agatha Küchler zeigt das Karden, also das Bürsten und putzen des gewaschenen Flieses. Sie hat diese Arbeit erst im Reusspark erlernt und hat viel Spass bei der Arbeit. Andere Leute kennen das aber noch von früher: «Ein Bewohner hat von den wollenen Unterhosen erzählt, die sie früher, während des Krieges hatten», berichtet Briner.

Neben dem Bewahren des alten Handwerks ist ihr vor allem der Austausch zwischen den Bewohnern des Reussparks und den Besuchern wichtig. Der fand gestern rege statt: Nicht nur in Fachgesprächen über Spinn- und Stricktechniken, sondern auch direkt am Spinnrad, wenn die Spinnerinnen Kindern zeigten, wie das Spinnrad funktioniert. Zum Staunen regten zudem die Handspindeln an, die Spinnerin Renat Graf zum Teil nach steinzeitlichem Vorbild erschaffen hat.

Spinnerin aus Israel

Für einige Besucherinnen war der Nachmittag besonders interessant. Orit Bahat aus Israel ist beispielsweise für ein Jahr in der Schweiz. «Ich habe überall nach einer Möglichkeit gesucht, das Handwerk mit dem Spinnrad zu erlernen», sagt sie. Dass sie nur Englisch spricht, ist für die Reusspärkler kein Problem, denn beim Spinnen geht es vor allem um die Handarbeit. Begeistert macht sie nach, was die geübten Spinnerinnen ihr vorzeigen. Auch Besucherin Rosmarie Gemperle aus Rudolfstetten ist begeistert. «Vor etwa 40 Jahren habe ich einem vorbeiziehenden Schafhirten Kaffee gebracht. Er gab mir dafür Wolle und ich habe das Handwerk erlernt.» Die Ausstellung sei perfekt, um das alte Wissen aufzufrischen.

Weitere Daten der Alten Handwerke im Reusspark: 29. 1. (Drechseln), 5.2. (Alles aus Stroh) und 12.2. (Zigarrendrehen). Weitere Infos unter www.reusspark.ch