Einst waren Pferde nur Arbeitstiere, die Pflüge über die Felder zogen oder vor Kutschen gespannt wurden. Dass die Hufe beschlagen wurden, war normal und machte Sinn: Hatten die Pferde durch die Eisen keinen permanenten Schutz, nutzten sich ihre Hufe durch die stundenlange Bewegung stark ab und die Tiere wurden lahm. Heute, wo Pferde meist «Freizeittiere» sind, findet ein Umdenken statt – denn die Notwendigkeit eines permanenten Hufschutzes ist zumindest fraglich. Immer mehr Pferdebesitzer setzen auf sogenannte Barhufe. Dafür, dass der Huf des Tieres gesund und leistungsstark bleibt, sorgt eine Huforthopädin. Jacqueline Laube (32) aus Aristau ist im Freiamt eine der wenigen, die dieser Aufgabe hauptberuflich nachgehen. Doch warum braucht es diese Pflege, die ein Tier in freier Wildbahn ja auch nicht bekommt? «In der Wildnis sind Voraussetzungen und Böden anders», erklärt Laube, «je mehr konstanten Abrieb der Huf hat, umso schneller wächst er nach.» Zudem falle ein frei lebendes Tier, das nicht richtig laufen kann, früher oder später einem Raubtier zum Opfer – diese Selektion gibt es bei den domestizierten Pferden nicht.

Der Huf ist auch ein Hilfsherz

Der Huf hat wichtige Funktionen und ist sehr lebendig, wie Laube erklärt. Er ist nicht wie der Fingernagel beim Menschen, der nur zurückgeschnitten werden muss, sondern wird als «Hilfsherz» bezeichnet. Durch das Gewicht des Pferdes wird die Hufkapsel kaum sichtbar geweitet. Dadurch entsteht ein Sog, der Huf füllt sich mit Blut. Beim Anheben des Beines zieht sich die Kapsel zusammen und das Blut wird weitergepumpt. Bei beschlagenen Pferden ist diese Funktion eingeschränkt, die Hufen schlechter durchblutet. «Durch die bessere Blutversorgung wird Hornqualität und -wachstum positiv beeinflusst. Zudem werden Gelenke, Bänder und Sehnen weniger belastet, weil der Huf als Stossdämpfer die Schläge abfedert», erklärt die Huforthopädin. Um bestmöglich zu arbeiten, beobachtet sie, wie das Tier steht, wie es läuft, berücksichtigt seine Anatomie.

Das Ziel sei, die Stellung des Hufes so zu korrigieren, dass das Pferd gut durchs Leben gehe. Man müsse die Bearbeitung von Fall zu Fall anpassen, um jedem Tier optimal zu helfen. Manchen Tieren, die nicht mehr reitbar waren, konnte durch die Behandlung so weit geholfen werden, dass sie heute wieder samt Reiter schmerzfrei durch die Landschaft galoppieren.

Die Anpassung kann nicht in einer einzigen Behandlung erfolgen, sondern ist ein fortlaufender Prozess. «Ein Mensch kann auch nicht nur einmal pro Jahr für acht Stunden ins Fitnesscenter gehen, sondern muss seinen Körper nach und nach trainieren.» Je nachdem, wie das Pferd gehalten wird, auf welchen Böden es lebt und wie viel Abrieb der Huf erfährt, muss die Huforthopädin unterschiedlich oft vorbeischauen. «Im Durchschnitt bin ich alle vier bis sechs Wochen vor Ort. Manche Besitzer können ihre Pferde selber begleiten, dann reicht ein Besuch drei, viermal im Jahr», erklärt Laube, die rund 100 Pferde betreut. Bei empfindlichen Tieren, oder um zu starkem Abrieb vorzubeugen, gibt es die Möglichkeit, im Gelände Hufschuhe anzuziehen. Auch Laubes eigenes Pferd Navarro trägt sie ab und an auf Ausritten bei besonders anspruchsvollen Aufgaben. «So hat er keine Ausrede und kann sich voll auf die Übungen und mich konzentrieren», sagt Laube und lacht.

Verschiedene Philosophien

Der Beruf des Huforthopäden ist körperlich anspruchsvoll, weil man sich viel bückt und zudem mit Tieren arbeitet, die manchmal gut und gerne 600 Kilo auf die Waage bringen. Es gibt in der Hufpflege verschiedene Philosophien. «Ich finde es wichtig, dass man möglichst viele Techniken kennt. Was für das eine Pferd gut ist, ist für ein anderes nicht geeignet.» So pflegt sie den Austausch mit Berufskollegen. «Jeder hat einen anderen Blickwinkel, dieser Austausch ist interessant und regt zum Nachdenken an. Aber schliesslich war keiner von uns je ein Pferd und keiner weiss, wie es sich anfühlt, auf Hufen zu gehen – man muss jedes Tier beobachten, sich fachlich auf dem neusten Stand halten und selbstkritisch seine Arbeit hinterfragen.» Streng nach Schulbuch zu arbeiten mache keinen Sinn, das Feedback des Besitzers sei wichtig, und auch Dokumentationen mit Fotos seien gute Hilfsmittel.

Laube war kaufmännische Angestellte, startete 2011 die Ausbildung zur Huforthopädin und konnte 2014 erfolgreich abschliessen. Das hat hauptsächlich ihr Freiberger Navarro zu verschulden, den sie mit sechs Monaten kaufte. Weil sie lange keinen passenden Huforthopäden gefunden hat, entschloss sich die Aristauerin, selbst die Ausbildung zu absolvieren. «Navarros Gesundheit, sein Wohlergehen und seine Ausbildung zwingen mich, immer wieder Neues zu lernen, an mir zu arbeiten und Zusammenhänge besser zu verstehen. Ich bin ihm sehr dankbar dafür.»