Ist es die Entscheidung der Eltern, ab wann ihr Kind allein in die Badi darf? Weit gefehlt: In vielen Schweizer Schwimmbädern gibt es mittlerweile eine Altersbegrenzung für Kinder ohne Begleitung. Wenn sie nämlich unbeaufsichtigt am Beckenrand spielen, kann es schnell gefährlich werden – die Badis sind keine Kitas und wollen auch keine sein. Deshalb reagieren sie mit Altersbeschränkungen und sogenannten Wasser-Sicherheitscheck-Ausweisen. Die Freiämter Badis handhaben das Problem der «elternlosen» Kinder unterschiedlich.

«Bei uns müssen die Kinder mindestens 10 Jahre alt sein, wenn sie allein ins Schwimmbad wollen», sagt Jens Kemper, Betriebsleiter der Badi Bremgarten. Die Begleitpersonen für jüngere Kinder müssen ein Mindestalter von 18 Jahren aufweisen. Eingeführt wurde diese Regelung schon lange vor seiner Zeit als Betriebsleiter. «Es ist im Interesse der Kinder und der Eltern», erklärt Kemper. «Wir können schliesslich nicht jedes Kind einzeln beaufsichtigen.» Dass die Altersbeschränkung bei zehn Jahren liegt, findet er angemessen. «Irgendwo muss man die Grenze ziehen.»

In Wohlen und Muri gibt es keine Altersbegrenzung für Kinder, die ohne Erwachsenen-Begleitung ins kühle Nass abtauchen wollen. «Natürlich lassen wir ganz kleine Kinder, die alleine kommen, trotzdem nicht in die Badi», erklärt der Wohler Badmeister Martin Meier. Er schätzt, dass sich an einem schönen Wochenende Kinder aus rund 25 Nationen in der Badi tummeln. «Alle verhalten sich anders, das ist zum Teil schon anspruchsvoll für den Badmeister», räumt er ein. Oft nehmen die Eltern ihre Verantwortung auch nicht wahr. «Ich musste schon einmal einschreiten, als die Eltern am ‹Käfele› waren und ihre Kinder sich unbeaufsichtigt beim Schwimmbecken aufhielten – da wurde es gefährlich.» Würde in Wohlen eine Altersbeschränkung eingeführt, fände er es aber sinnvoll, sie tiefer anzusetzen. «Wenn ein Kind zur Schule geht, ist es auch bereit für die Badi», findet Meier.

«Wir fragen die Kinder an der Kasse, ob sie schon schwimmen können», erklärt Simon Studer, Betriebsleiter der Badi Muri. «Wenn sie allzu jung sind, schickt das Kassenpersonal die Kinder aber auch mal heim. Wir sind kein Kinderhort.» In den letzten zwei Saisons habe er aber weniger Problemen mit «elternlosen» Kindern gehabt. «Vielleicht ist das Verantwortungsgefühl der Eltern wieder gewachsen», hofft Studer. Für ihn ist klar, dass die Eltern wissen müssen: «Auch wenn das Kind alleine in der Badi ist, tragen immer noch sie die Verantwortung.»

In Villmergen wiederum gibt es eine Alterslimite: «Erst ab zehn Jahren dürfen die Kinder ohne Begleitung in die Badi, die Begleitperson muss mindestens 14 sein», so der Badmeister Marcel Brühlmann. «Ich musste auch schon Kinder nach Hause schicken, weil sie zu jung waren.» Ein Schild, gleich beim Eingang der Badi, stellt diese Regelung für jeden Badigast von Anfang an klar.