Als Schulbub tschuttete Walter Thurnherr im Aeschquartier gegen die Notter-Buben vom Baugeschäft. Jahrzehnte später kehrte er als Bundeskanzler zurück nach Wohlen zu einem offiziellen Auftritt. Er referierte am traditionellen Notter-Apéro über seine Arbeit im Bundeshaus und über die Herausforderungen, die der Schweiz ins Haus stehen. Der Chefredaktor einer grossen Zeitung habe behauptet, es gebe zu viele «dumme Volksinitiativen». Ihm habe er geantwortet: «Wer entscheidet das?» Damit erntete Thurnherr einen der vielen Lacher.

Keine einfachen Lösungen

Die Früherkennung von Krisen gehöre heute auch zum Kerngeschäft der Bundeskanzlei, betonte der Bundeskanzler, der seine ersten neun Lebensjahr im Aeschquartier in Wohlen verbracht hat. Sein Vater Josef war lange Jahre Bauführer beim Baugeschäft Otto Notter AG und am Notter-Apéro mit Gattin Feliziana persönlich anwesend.

Mit eindrücklichen Zahlen stellte Thurnherr die gewaltige Geschäftslast der Bundeskanzlei dar. Diese verstehe sich als Drehscheibe der Koordination und des Interessenausgleichs zwischen den Departementen. Auch die Legislaturplanung gehöre zu ihren Aufgaben. «Eine Milliarde Franken gibt der Bund allein für die Informatik aus», berichtete er. Das Verhältnis mit Europa, die Migration und der harte Schweizer Franken stellten für die Schweiz die grössten Herausforderungen dar. Die Probleme seien dabei äusserst komplex. Es gebe die einfachen Lösungen selten bis nie, «anders, als viele in Bundesbern glauben».

Ausland bestimmt die Agenda mit

Walter Thurnherr machte klar, dass die Schweiz mit der Welt verflochten sei und jeder Entscheid auch die Gefahr in sich berge, falsch zu sein. «Wenn Kurt Notter auf einer Plattform steht, kann er fünf Schritte nach links tun. Dann stürzt er sicher ab. Oder er geht fünf Schritte nach rechts und kann dann trotzdem in die Tiefe fallen»: So umschrieb der Bundeskanzler die Dilemmata, die auch unser Land umtreiben. «Wir sind vom Ausland bestimmt», betonte er. Die globalen Trends, vom Verlauf der Wirtschaft bis zum Klima und Terrorismus, seien permanent vorhanden. «1999 kannte man in Bundesbern den Islamismus noch nicht. Zwei Jahre später, bei Nine Eleven, schlug er bereits zu.»

«Die EU ist zu rasch gewachsen»

Im Vergleich zur EU habe die Schweiz 700 Jahre gebraucht, um sich so weit zu entwickeln, wie sie heute dastehe, sagte Thurnherr. «Die EU ist zu schnell gewachsen und müsste föderalistischer werden». Die Schweiz habe kluge, gute Köpfe.

«Machen Sie den Vergleich und reichen einmal in Italien ein Gesuch ein.» Er halte es mit seinem Vater, der seinen Kindern geraten habe: «Nehmt die Hände aus dem Hosensack.» Der Bundeskanzler wurde mit tosendem Beifall verabschiedet – mit einem Strohhut in der Hand, den ihm Kurt Notter überreichte.

Ralph Notter, CEO der Notter-Gruppe, äusserte sich zu Projekten der Firma. Er erwartet im Hochbau «eine sanfte Landung». Die Firma Notter AG wird 2017 in Villmergen ein neues Belagswerk eröffnen, konzentriere den Hauptsitz in einem Gebäude an der Aeschstrasse und stelle die Verlegung des Werkhofes in drei Etappen bis im Jahr 2022 sicher.