Von Pauken und Trompeten begleitet wurde die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn 1916 in Betrieb genommen. In Raten erfolgte nach 81 Jahren der Abschied von der Bahn, die immer stärker in die Verlustzone geraten war. Am 31. Mai 1997 fuhr zum letzten Mal ein offizieller Zug von Wohlen nach Fahrwangen.

In Villmergen spielte immerhin noch die Musikgesellschaft, in Sarmenstorf wurden Böllerschüsse abgefeuert. Mit einigen Minuten Verspätung erreichte der letzte Zug am Abend den Bahnhof Fahrwangen – ein Sinnbild für den langsamen Tod, den die Bahn gestorben ist.

Ein kleines Fest ist geplant

Die lange hinausgezögerte und umstrittene Umstellung auf den Busbetrieb führte indes zu einem vollen Erfolg. 2014 beförderte der WM-Bus 477 000 Reisende, weit mehr als die Bahn vor 50 Jahren. Die BDWM Transport AG erweist der WM-Bahn am 17. Dezember, 100 Jahre nach der Eröffnung, aus Respekt vor der Geschichte die Reverenz. Es gebe an diesem Tag «ein kleines Fest», teilt eine Sprecherin des Bahn- und Busunternehmens mit.

Erste Ideen, das Limmattal über das Reuss- und Bünztal mit dem Seetal zu verbinden, tauchten 1888 auf. Als erstes Teilstück wurde 1902 die elektrische Strassenbahn zwischen Dietikon und Bremgarten eröffnet. 1905 plante man weiter. Zur Diskussion standen eine Linienführung bis nach Boniswil oder nur bis Meisterschwanden. Die Bahn kam schliesslich nur bis nach Fahrwangen. Der bereits gebaute Bahnhof im Nachbardorf wurde später als Wohnhaus genutzt.

Die Normalspur setzt sich durch

Die Bahn nach Boniswil hätte 1,4 Mio. Franken gekostet; das war den Gemeinden zu teuer. Sie entschieden sich für eine Normalspurbahn bis nach Fahrwangen. Die ebenfalls geprüfte Schmalspurbahn hätte den Nachteil gehabt, dass man die Güter in Wohlen hätte umladen müssen. Deutsche Unternehmungen, die Firmen Otto Conrad in Berlin und die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft AG in Berlin, erklärten sich bereit, die WM-Bahn für eine knappe Million Franken zu bauen.

Die Gemeinden Meisterschwanden, Fahrwangen, Sarmenstorf, Hilfikon, Villmergen und Wohlen sowie Bettwil und Schongau beteiligten sich mit insgesamt 500 000 Franken. Der Staat steuerte 200 000 Franken bei, den Rest brachten private Aktionäre auf.

Am 20. Oktober 1914 fand der Spatenstich statt. Einheimische Männer übernahmen die Erdarbeiten. Sie waren froh, in der Wirtschaftsflaute etwas verdienen zu können. Nicht glücklich war man darüber, dass zwei deutsche Firmen beim Bahnbau das grösste Stück am Kuchen bekommen sollten.

Die Direktion wies darauf hin, dass keine Schweizer Firma bereit gewesen war, die Arbeiten zu diesem Preis auszuführen. 15 regionale Firmen durften sich allerdings am Bau beteiligen, was die Gemüter etwas beruhigte. Von den SBB wollte die Direktion gebrauchte Schienen kaufen. Aber die Bundesbahnen konnten diese nicht liefern, weshalb man die Schienen auch in Deutschland besorgte.

Fast am Kupferdraht gescheitert

Den Kupferdraht für die Fahrleitungen besorgte man jedoch in der Schweiz, bei einer Firma aus Cossonay. Das Unternehmen geriet jedoch in Lieferschwierigkeiten, der geplante Eröffnungstermin geriet in Gefahr. Man überlegte sich sogar, den Bahnbetrieb notfallmässig mit Dampflokomotiven aufzunehmen.

Dann klappte es doch noch: nur sechs Wochen vor der Betriebsaufnahme traf der Kupferdraht endlich auf der Baustelle ein. Am 30. November 2016 wurde die Fahrleitung unter Strom gestellt. Die Bahn eröffnete den Betrieb am 17. Dezember 2016 mit einem gelungenen Fest. Auf eine allzu üppige Feier verzichtete man ganz bewusst. Die Schweiz steckte schliesslich immer noch mitten im Ersten Weltkrieg.

Quelle: Sandro Sigrist: Elektrische Bahn Wohlen–Meisterschwanden.