Schöftland

Die Sage um den Schatz im Hügeliloch trieb so manchen Schatzsucher an

Béatrice Meili steht im Eingang des Hügelilochs in Schöftland – dieses fasziniert sie seit ihrer Kindheit. Sandra Ardizzone

Béatrice Meili steht im Eingang des Hügelilochs in Schöftland – dieses fasziniert sie seit ihrer Kindheit. Sandra Ardizzone

Auf den Spuren alter Sagen und Mythen: Um das Hügeliloch rankt sich die Sage vom Adelsfräulein, dem Hügelimeitli, das zu lange vor dem Spiegel stand. Ihre Geschichte nimmt ein trauriges Ende.

Der Weg zum Hügeliloch führt vorbei an Mais- und Kartoffelfeldern und über eine Holztreppe in den Wald. Béatrice Meili läuft in schnellem Tempo den schmalen Weg nach oben, sie kennt ihn gut. In Schöftland ist sie aufgewachsen.

Immer wieder ist sie mit ihrem Vater spazieren gegangen, das Hügeliloch im Nagelfluhgestein war oft das Ziel.

Ihr Vater erzählte jeweils die Sage vom Hügelimeitli. Im Gebiet Hügeli am Stübisberg, dort, wo jetzt das Hügeliloch ist, stand laut Sage einst ein Schloss, das ein Adelsfräulein bewohnt haben soll. «Sie war wahrscheinlich ein wenig eingebildet», sagt Meili. Weil die Schlossherrin nicht vom Spiegel wegkam, nimmt die Sage ein trauriges Ende.

Zu spät für die Taufe

Demnach soll ein armer Mann die Schlossjungfrau als Taufpatin angefragt haben. Am Tag der Taufe hätte sie das Kind zur Kirche bringen sollen. Sie sass jedoch zu lange vor dem Spiegel.

Als sie sich auf den Weg machte und bei der Hungerbach-Brücke angekommen war, läuteten die Glocken nicht mehr. «Das war schlimm für sie, denn nach den Glockenschlägen kamen nur noch diejenigen mit den unehelichen Kindern in die Kirche», sagt Meili. «Man hätte also denken können, sie bringe ein uneheliches Kind mit.» Weil sie diese Schande nicht ertragen konnte, warf sie das Kind kurzerhand in den Hungerbach.

Sie kehrte ins Schloss zurück und ein heftiger Sturm zog auf. Das Schloss lag danach in Trümmern, das Adelsfräulein war verschwunden. Später gab man ihr den Namen Hügelimeitli.

«Ich habe nie verstanden, warum sie das Kind in den Bach geworfen hat», sagt Meili. «Man sagt, das Hügelimeitli sei noch da und es müsse erlöst werden.» Dies könne ein Jüngling tun, der sich in die Höhle vorwagt.

Als Lohn soll er eine Truhe gefüllt mit Geld bekommen, die vom Hügelimeitli und einem schwarzen Hund gehütet wird. So wird es in verschiedenen Überlieferungen der Sage geschrieben. Heute ist der hintere Teil der Höhle verschüttet.

Béatrice Meili lebt nun in Kirchleerau und ist Präsidentin der Vereinigung Heimatkunde Suhrental. Sie ist Bibliothekarin und unter anderem Geschichts-Lehrerin. «Die Geschichten hier lassen mich nicht kalt und ich finde es wichtig, dass sie bewahrt und weitergegeben werden», sagt sie.

Zwei Varianten für die Sage

So kommt es, dass sie noch eine zweite Variante der Sage kennt. Diese hat ihr die Grossmutter erzählt. Demnach befand sich das Schloss weiter hinten in Richtung Uerkental und das Hügeliloch war ein unterirdischer Zugang.

Weil die Bauern wegen ihrer hohen Abgaben das Schloss belagerten, musste das Adelsfräulein durch diesen Gang flüchten. Die Schatzkiste nahm sie mit. Doch die Höhle brach ein und das Fräulein wurde verschüttet. «Man erzählt sich, dass man bei schlechtem Wetter noch immer ein Lichtlein im Loch brennen sieht», sagt Meili.

Immer wieder ist nach dem vermeintlichen Schatz gesucht worden. So wurden einige Reitnauer Ende des 17. Jahrhunderts wegen Schatzgräberei im Hügeliloch vors Chorgericht zitiert, wie dem Buch «Schöftland Geschichte und Geschichten» von Christian Holliger zu entnehmen ist.

Dem Hügelimeitli sei sie noch nie begegnet, obwohl gesagt wird, dass man es ab und zu am Hungerbach Haare kämmen sieht, sagt Meili augenzwinkernd.

Der Hirschthaler Benny Frei erzählt zur Sage: «Es geht das Gerücht um, dass sich ab und zu bei Vollmond Männer aus dem ehelichen Schlafgemach entfernen und in Richtung Hügeliloch laufen, um die Schlossjungfrau zu küssen und zu erlösen.» Offenbar wurde das Hügelimeitli noch von keinem gefunden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1