Nesselnbach
Die Rosenbergs und ihre grosse Liebe zur Modelleisenbahn

Das Ehepaar Ernst und Regina Rosenberg basteln jede freie Minute an ihrer grossen Modelleisenbahnanlage im Garten. Sogar am Hochzeitstag arbeitete er für die Bahn. Und seine Frau hatte sogar Verständnis dafür.

Lisa Stutz
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Vom belebten Bergrestaurant führt eine Gondelbahn ins Tal.
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Der Miniatur-Lokführer lenkt seine Wagen über die Gleise.
Das Ehepaar Ernst und Regina Rosenberg besitzt eine grosse Modelleisenbahn im Garten.

Vom belebten Bergrestaurant führt eine Gondelbahn ins Tal.

AZ

Postautochauffeur und Lokführer Ernst Rosenberg ist beides mit grosser Leidenschaft. Letzteres jedoch nur im eigenen Garten. Dort hat er zwei grosse Modelleisenbahnanlagen, auf denen er nach der Arbeit (Baden–Mutschellen–Zürich–Wiedikon) seine Züge durch die Miniatur-Landschaft lenkt.

Weshalb hat er das Postauto den Zügen beruflich vorgezogen? «Das frage ich mich heute auch», sagt Rosenberg lachend. «Im nächsten Leben werde ich Lokführer.»

Schon als Kind habe er die Modelleisenbahnen als Hobby entdeckt, über die Jugendjahre sei dieses ein wenig verblasst, erzählt das Mitglied des Freiämter Amateur-Eisenbahn-Clubs. «Im Alter von etwa 30 Jahren kam das Interesse zurück», so der 53-Jährige. Zusammen mit seiner Frau Regina Rosenberg, die sein Hobby teilt, bastelt er heute in jeder freien Minute an der Optimierung seiner Anlagen.

Unterirdischer Panzerglas-Tunnel

Die Gartenbahnanlagen haben es in sich: Ein unterirdischer Tunnel verbindet die beiden Anlagen miteinander. Auf dem Sitzplatz kann man durch Panzerglas beobachten, wie die Züge den ersten Abschnitt der 21 Meter langen Unterführung befahren.

Lässt man den Blick über die beiden Anlagen schweifen, erkennt man viel Liebe zum Detail: Kleine Menschenfiguren haben in den Landschaften Platz genommen, klitzekleine Blumensträusse liegen auf den Tischen vor ihnen. Einige Holzhäuser und Chalets sind auf den Anlagen verteilt, und sogar eine Seilbahn ist installiert. Am Ufer eines kleinen Sees liegen Badegäste.

300 Meter Gleise

Aus echtem Gebirge hat das Ehepaar Felsbrocken nach Nesselnbach transportieren lassen, die auf der Miniatur-Landschaft wie Berge wirken. Neben der Garage der Rosenbergs sind mehrere Monitore und ein Computer angebracht, mithilfe derer Ernst Rosenberg die Eisenbahnen über das Areal steuert. Auf den Anlagen sind rund 300 Meter Gleise, über 80 Weichen und 3,5 Tonnen Beton verarbeitet.

«Unsere Gartenbahn ist fast schon ein Lebenswerk», sagt Regina Rosenberg. Zu den Kosten für die Anlage wollen sich die Rosenbergs nicht äussern, nur so viel: «Jedes Hobby hat seinen Preis – wir setzen Prioritäten», so Ernst Rosenberg.

Die Hochzeit und die Eisenbahn

Sogar am Hochzeitstag konnte es der Hobby-Lokführer nicht lassen, vor dem Aufbruch zum Standesamt eine Brücke zu betonieren. «Als die Trauzeugen vorfuhren, bemerkte ich, dass ich mich langsam beeilen muss.» Seine Frau war darüber aber keineswegs erzürnt: «Die Brücke musste betoniert werden. Ich verstand das», sagt sie schmunzelnd.

Eine weitere Hochzeits-Story der Eisenbahnfans Rosenberg: Für ihre kirchliche Hochzeit mieteten sie insgesamt vier Extrazüge der RhB (Rhätische Bahn), in denen die Hochzeitsgesellschaft chauffiert wurde. «Das Hochzeitsessen fand im Speisewagen statt. Wir fuhren mit der Bahn zur Hochzeitskapelle in Graubünden und dann weiter über den Albula und Bernina bis zum Hotel in Le Prese. Am Tag darauf fuhren wir wieder mit der Bahn zurück.»

Detailarbeit vs. Technik

Das Ehepaar, dessen zweitgrösstes Hobby das Reisen mit der Bahn ist, möchte die viele Arbeit an der Gartenbahn nicht missen: «Ich bin für die Detailarbeit zuständig, er kümmert sich um die Technik. Wir können uns keine bessere Freizeitbeschäftigung vorstellen», so Regina Rosenberg. «Das Allerbeste daran ist, dass wir das Hobby zusammen ausführen können und gleichermassen begeistert sind», fügt ihr Mann an.

Als Nächstes planen die Rosenbergs, auch am Boden der Garage Panzerglas anzubringen, sodass der ganze Weg der Modelleisenbahnen von der einen zur anderen Anlage beobachtet werden kann. «Wir sprühen vor Ideen und sind sehr motiviert, sie umzusetzen», so Ernst Rosenberg.