Fischbach-Göslikon
Die Reuss erhält einen neuen Arm: Für Biber, Eisvögel – und die badefreudige Bevölkerung

Pro Natura Aargau will das Gebiet renaturieren, aber auch eine Picknickstelle einrichten. Das Projekt liegt momentan öffentlich auf. Die militärische Übersetzstelle bleibt indes so, wie sie ist.

Dominic Kobelt
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Die Sandbank, ein beliebter Badeort, wird auch mit dem Renaturierungsprojekt der Pro Natura nicht verschwinden. Der Zugang soll sogar erleichtert werden.

Die Sandbank, ein beliebter Badeort, wird auch mit dem Renaturierungsprojekt der Pro Natura nicht verschwinden. Der Zugang soll sogar erleichtert werden.

Pro Natura Aargau möchte der Reuss in Fischbach-Göslikon Land zurückgeben. Beim Projekt, das momentan öffentlich aufliegt, geht es darum, im Gebiet Grien die Blocksteine und Betonelemente zu entfernen und einen gut 200 Meter langen und bis zu 20 Meter breiten Seitenarm auszuheben. Durch die Renaturierung soll ein auentypisches Ufer entstehen, mit Sand- und Kiesbänken und kleinen, wassergefüllten Vertiefungen. Von der Renaturierung würden gewisse Fische, der Biber, Laubfrösche und Eisvögel profitieren. Rund 8000 m3 des kiesigen und sandigen Aushubs aus dem Seitenarm werden in die Reuss gekippt, damit eine Insel entsteht.

Aber nicht nur die Natur, auch die Bevölkerung wurde berücksichtigt. Die Sandbank, die zum Verweilen einlädt, bleibt erhalten. Mehr noch: Die Zugänglichkeit zum beliebten Badeplatz wird verbessert, indem das Ufer abgeflacht wird. Zusätzlich entsteht ein neuer Picknick-Platz mit Feuerstelle. Der neue Reussarm wird links davon ausgehoben (aus Richtung Fischbach-Göslikon gesehen). Das Gebiet soll autofrei werden: Durch eine neue Zufahrtsregelung und ein Parkplatzangebot weiter weg vom Fluss liessen sich die negativen Auswirkungen der grundsätzlich erwünschten Freizeitaktivitäten verringern, schreibt die Pro Natura. Zusammen mit dem Kanton plant die Organisation einen Rangerdienst im Sommerhalbjahr.

Ein weiterer positiver Effekt: Bei Hochwasser würde künftig das Auengebiet überschwemmt und nicht mehr die angrenzenden Felder.

Gemeinderat grundsätzlich positiv

Der Gemeinderat hat sich in der Anhörung zum Renaturierungsprojekt grundsätzlich positiv geäussert, brachte jedoch zwei Vorbehalte an: Einerseits stört er sich an den beiden geplanten Tümpeln, die Amphibien zum Laichen dienen – dadurch geht Landwirtschaftsland verloren. Zudem hätte man mit dem Projekt lieber noch zugewartet. Denn als Idee steht im Raum, eine Fussgängerbrücke zwischen Fischbach-Göslikon und Künten zu realisieren (siehe Kontext).

Momentan gibt es zwischen Bremgarten und Gnadenthal für Wanderer keine Möglichkeit, die Flussseite zu wechseln, ausser durch die Fähre, die aber nur an Wochenenden von Ende März bis Mitte Oktober fährt. Die Wanderer wurden beim Projekt nur insofern berücksichtigt, als dass der neue Fussweg, der etwas südwestlich des alten realisiert wird, asphaltiert wird, damit er gut begehbar ist.

Die militärische Übersetzstelle zwischen Fischbach-Göslikon und Künten/Sulz bleibt so, wie sie ist. Die Armee baut an dieser Stelle zu Übungszwecken Notbrücken über die Reuss. Das Militär dürfte sich auch freuen, dass die Linde mitten im asphaltierten Platz davor versetzt wird. Sie behinderte bisher den Zugang und befindet sich laut Pro Natura auch an einem suboptimalen Standort. Die Linde wird ausgegraben und beim neuen Picknickplatz eingepflanzt. «Das Verpflanzen von so grossen Bäumen ist sehr aufwendig und birgt ein gewisses Erfolgsrisiko», heisst es im Projektbeschrieb. Links und rechts der Klausenstrasse wird zudem eine Schotterrasenfläche erstellt. Diese Flächen dienen dem Militär bei Übungen an der Übersetzstelle als Materialdepot und wird auch mit 40-Tönnern befahrbar sein.

Am 29. Oktober findet eine Infoveranstaltung von Pro Natura statt, um der Bevölkerung das Projekt zu erläutern.

Infoveranstaltung am Samstag, 29. Oktober, 10 Uhr direkt vor Ort.

Verhindert das Auenschutzprojekt eine neue Brücke?

Die Idee, eine Brücke zwischen Fischbach-Göslikon und Künten zu realisieren, wurde an der letzten Sitzung des Regionalplanungsverbands Mutschellen-Reusstal-Kelleramt diskutiert. Konkrete Pläne wurden noch nicht an die Hand genommen. Vizeammann Hanspeter Flückiger erklärt: «Die Idee kam ursprünglich vom Gemeinderat Künten. Wir erachten es als sinnvoll, so das Naherholungsgebiet aufzuwerten.» Damit gäbe es endlich eine Möglichkeit, zwischen Bremgarten und dem Gnadenthal die Flussseite zu wechseln. «Wir haben in der Vernehmlassung den Wunsch angebracht, dass man einen möglichen Brückenkopf einplanen könnte. Wir haben Angst, dass es keinen Platz mehr dafür gibt, wenn das Projekt realisiert ist. Bis heute warten wir aber auf eine offizielle Antwort des Kantons», sagt Flückiger.

Beim Bau einer Brücke muss berücksichtigt werden, dass das meiste Land in diesem Gebiet der Pro Natura gehört. Durch das Reussuferschutzdekret sind zudem grosse Teile der Landschaft geschützt. (kob)