«Dieser Fehler hätte nicht sein müssen», ärgert sich Cornelia Strebel. Sie hat mit ihrem Pferd Louisiana gerade den zweiten Gang am Herbstspringen in Sins hinter sich. Mit dem 20. Platz ist sie aber trotzdem zufrieden. Sie erhält als Trostpreis einen Sack Belohnungswürfel.

«Da freuen sich meine Pferde umso mehr», sagt sie und lacht. Auch ihre Zwillingsschwester Jeanine Strebel hat am Wettkampf mitgemacht und ist auf dem 13. Platz gelandet. Neid gibt es zwischen den Zwillingsschwestern aber nicht. «Wir drücken der anderen jeweils die Daumen», sagt Jeanine Strebel. 

Im Sommer nehmen die 30-jährigen Zwillingsschwestern fast jedes Wochenende an einem Concours teil. Im Vordergrund steht für sie nicht nur das Gewinnen, sondern auch Spass und Bewegung für sich und die Pferde.

«Ich merke, dass die Pferde ehrgeizig sind und mir bei meinen Fehlern aushelfen», sagt Jeanine Strebel. Die Beziehung zwischen Tier und Mensch sei wie eine Partnerschaft. Je besser sie funktioniere, umso besser können die Wettkämpfe absolviert werden.

Hobby zum Beruf gemacht

Ein solches Verständnis für Pferde haben die Zwillinge in ihrem Studium in Pferdekommunikation in Deutschland gelernt. Unterrichtet hat sie die Pferdeflüsterin Andrea Kutsch. «Da haben wir gelernt, wie mit einem Pferd richtig umzugehen ist und es zu lesen», sagt Cornelia Strebel.

Die Zwillingsschwestern sind schon von klein an mit Pferden aufgewachsen. Ihr Vater ist ein bekannter Tierarzt in der Gegend, und gemeinsam mit ihrer Mutter leiten sie seit fünf Jahren das Pferdegestüt Reppischhof in Muri.

Die Pferde, mit denen sie an Turnieren starten, züchten sie selber. Sie reiten Pferde ein, machen mit ihnen Feuerproben und geben nebenbei Reitunterricht und Seminare. Ganz schön viel Arbeit für solch junge Frauen. Strebels freuen sich darüber. «Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht», versichern die Reiterinnen. Die Begeisterung für Pferde nimmt man ihnen sofort ab. Wenn sie über ihren Beruf sprechen, glänzen ihre Augen, und während des Gesprächs mit der Aargauer Zeitung schweifen sie immer wieder zum Parcours ab und kommentieren die reitenden Teilnehmer.

Ihr Ziel ist ein Umgang mit Pferden frei von Gewalt. Junge Reitschüler setzen sie ohne Peitsche und Sporen aufs Pferd. «Sie müssen lernen, ihren eigenen Körper zu spüren und das Pferd sanft zu führen», sagt Jeanine Strebel.

«Gut davongekommen»

Pferde reiten ist ein riskanter Sport. Haben die beiden denn keine Angst? Die Zwillinge zögern einen Moment und sagen dann: «Angst haben wir nicht, aber Respekt.» Sie seien bis jetzt mit ein paar Knochenbrüchen «gut davongekommen». Beim Einreiten von jungen Pferden müsse man eben damit rechnen, dass man ab und zu herunterfällt. Wichtig sei aber das richtige Abrollen.

Das Turnier ist vorbei. Die jungen Frauen stehen seit fünf Uhr morgens auf den Beinen, der Tag ist für sie aber noch nicht vorüber. Die Pferde müssen zu Hause versorgt werden, und danach werden sie im Auftrag eines Kunden junge Pferde einreiten. Am Sonntag werden sie wieder beim Herbstspringen in Sins anzutreffen sein und als Jury und beim Parcours aushelfen. «Wir sind eben zwei aktive Menschen», sagen die Strebel-Zwillinge und grinsen.