Muri

Die Probleme in den Agglomerationen haben das Land erreicht

eter Wiederkehr, Stellenleiter Jugend-, Ehe- und Familienberatung Bezirk Muri.

eter Wiederkehr, Stellenleiter Jugend-, Ehe- und Familienberatung Bezirk Muri.

Die Beratungsstellen des Vereins Familienzentrum sehen sich mit immer komplexeren Beratungen konfrontiert. In den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Fälle bei der Jugend-, Ehe- und Familienberatung des Bezirks Muri zudem markant zugenommen.

Ausserdem ist der organisatorische und administrative Aufwand gestiegen, sodass heute nur noch vier Beratungsstunden pro Fall statt fünf, wie vor 20 Jahren, geleistet werden können. Das hält Stellenleiter Peter Wiederkehr in seinem Jahresbericht 2011 fest. «Grundsätzlich widerspiegelt die Zunahme der Fälle nicht nur die Bevölkerungszunahme, sondern auch die höhere Beratungsnachfrage von Eltern, die durch die Individualisierung und Pluralisierung und den damit einhergehenden Krisen ausgelöst werden.»

Mehr familiäre Konflikte

1992 wurden bei einer Bevölkerungszahl von 24000 Einwohner mit 140 Sozialarbeiter-Stellenprozenten 212 Dossiers bearbeitet. 2011 waren es bei einer Bevölkerungszahl von rund 32000 Personen mit 220 Stellenprozenten 469 Dossiers. Massiv zugenommen haben die Erziehungsbeistandschaften. 2011 waren es 85, Tendenz zunehmend. 1992 wurden sechs Mandate gezählt. Erziehungsbeistandschaften werden von den Behörden angeordnet, wenn die Eltern ihre Kinder in deren psychosozialen Entwicklung ungenügend unterstützen. «Sie sind zeitlich und fachlich äusserst anspruchsvoll», stellt Wiederkehr fest.

2011 wurden 469 Dossiers geführt. In den Beratungsprozess einbezogen wurden 1326 Personen. Eine starke Zunahme zeigen die Problembereiche Familiäre Konflikte, Beziehungsprobleme, Erziehungsprobleme sowie Schwierigkeiten mit Besuchs-/Ferienrecht.

Mehr Hausbesuche

Mit 422 Hausbesuchen konnte die Mütter- und Väterberatung des Bezirks Muri diese Dienstleistung um fast 15 Prozent steigern. Grund dafür sind Mehrlingsgeburten, Multiproblemfamilien, Erschöpfungserscheinungen und Erziehungsberatungen. Es wurden 359 Geburten gezählt, praktisch gleich viel wie im Vorjahr.

Leicht rückläufig waren mit 1680 Anrufen die Telefonberatung (–5,5 Prozent) und die Konsultationen in den Gemeinden (–8,1 Prozent). Der Schwerpunkt liegt nach wie vor im Säuglingsbereich, wie die Mütterberaterinnen Brigitte Hurst, Vreni Schuler und Doris Streit in ihrem Jahresbericht festhalten. «Doch die Zunahme der Konsultationen von Eltern mit Kleinkindern bis 5 Jahre steigt kontinuierlich.» Diese Entwicklung sei an und für sich erfreulich, denn damit könnten auch Fragen betreffend Erziehung und Entwicklung kompetent beantwortet werden.

Kari Gmür geht

Der Bezirk Muri wandelte sich von einer Agrar- in eine Agglomerationsregion, hält Kari Gmür fest. Er ist neben Cornelia Kuster Kaufmann Co-Präsident des Vereins Familienberatung des Bezirks Muri und demissioniert. «Die traditionellen Solidarstrukturen, die Wert- und Normsysteme lösen sich langsam auf.» Das Familienzentrum, die Beraterinnen und Berater, der Vorstand und die Präsidentin würden deshalb auch in Zukunft gefordert sein. Gmür führte mit Kuster fünf Jahre lang das Vereinsschiff. «Nun scheiden wir uns, aber nicht, weil wir nicht mehr miteinander reden könnten, sondern weil es im Verein eben gerade so rund läuft.»

Die Generalversammlung des Vereins Familienberatung Bezirk Muri findet am 2. Mai um 20 Uhr im Beschäftigungsgebäude des Roth-Hauses in Muri statt.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1