Ortsmuseum

Die Post ist zurück im Postlonzihus: So sah sie in früheren Zeiten aus

Kurator Bruno Käppeli zeigt mit originalen Gegenständen und im Film, wie es früher mit der Post funktionierte.

Als Leonz Burkard, der Postlonzi, damals in diesem Haus Briefe abgestempelt und ausgeliefert hat, sah es möglicherweise so aus, wie es Kurator Bruno Käppeli heute zeigt: Auf dem Schreibtisch liegen alte Schreibutensilien, Brieföffner, ein Siegelstempel. An einem Haken hängen ein Umhang, der den Pöstler vor schlechtem Wetter schützte, und eine Mütze mit dem Post-Logo. Weil die neu im Merenschwander Ortsmuseum eingerichtete Post aber mehrere Jahrzehnte zusammenfasst, stehen auch eine Precisa-Rechenmaschine auf dem Pult oder ein alter Locher, weil Einzahlungsscheine früher gelocht wurden. Am Boden lagern Postsack und lederne Auslieferungstasche. «Eigentlich suche ich nur noch einen echten Poststempel», lacht Käppeli, «aber ob die Post da mitmacht, weiss ich nicht.» Am 30. März ist Tag der offenen Tür und damit offiziell Eröffnung der Post im Postlonzihus, am nächsten Freitag, 22. März, um 20 Uhr gibt es zudem die Uraufführung von Käppelis neuestem Film über die Postgeschichte von Merenschwand.

Mit der Post unzufrieden, das zeigt der Film auf, waren die Leute schon vor 200 Jahren. Es dauerte manchmal ziemlich lange mit der Postzustellung, einzelne Gebiete wurden nicht einmal beliefert. Selbstverständlich kam damals die Post, für die noch der Kanton verantwortlich war, nicht jeden Tag. Immerhin zirkulierte 1851 ein Mann zwischen Merenschwand und Muri mit der Post, viermal pro Woche. Die erste Poststelle bekam Merenschwand erst am 1. Januar 1855, eingerichtet im «Schwanen». Der Wirt Heinrich Fischer war auch gleich der Posthalter, später übernahm der Lehrer Leonz Burkart diese Arbeit, richtete sich im Haus gleich nebenan die Poststelle ein, die später von seinem Sohn Jakob Leonz Burkard für ein Jahr weitergeführt wurde – der Name Postlonizhus kommt also nicht von ungefähr. Lange war Martin Anton Fischer, von 1883 bis 1925, Posthalter; er verteilte zweimal pro Tag die Post. Als seine Tochter Marta Fischer übernahm, war sie die erste Frau Posthalterin, mithin war Merenschwand zumindest diesbezüglich der Zeit voraus. 1933 heiratete sie den Grossrat Josef Andermatt, der dann auch die Post bis 1968 übernahm.

Dem Alkohol verfallen

Mit Hans Saxer aus Hägglingen kam 1968 erstmals ein auswärtiger Posthalter ins Dorf, nicht ohne dass er zuvor vom damaligen Gemeindeammann Walter Leuthard und dem damaligen Gemeindeschreiber Leonz Leuthard bei einem Nachtessen in Hägglingen auf Herz, Nieren und wohl auch Weinqualität geprüft worden war. Es verhalf sicher auch zum Job, dass Saxer katholisch war und der CVP angehörte. Er fand, ab 1970 in der heutigen Poststelle beim Volg, «Friede, Lohn und immer mehr Arbeit», wie der Filmtexter Tomy Dättwyler beschreibt. Seine Frau Irma arbeitete sich ebenfalls ins Metier ein. Vielen bekannt ist heute noch der Briefträger Anton Wey. Alle haben gewusst, dass er ein Alkoholproblem hatte. Und der Posthalter bat die Leute, ihm nichts mehr anzubieten, wenn sie merkten, dass er schon einiges intus hatte – mit wenig Erfolg. Ruedi Burkard, damals Poststellenleiter in Alikon, wurde Saxers Nachfolger, Alikon wurde geschlossen.

In Rickenbach gab es zudem eine eigene Poststelle, von 1903 bis 1993. Der erste Posthalter hiess Johann Küng, sein Nachfolger Alois Küng. 30 Jahre lang, von 1963 bis 1993, sorgte Anna Leuthard dafür, dass ab Post Rickenbach Briefe und Pakete zuverlässig zu den Kundinnen und Kunden gelangten. Danach wurde diese Poststelle aufgelöst und in Merenschwand integriert.

Bilder zeigen den Alltag

Zurück zur neuen, alten Post im Postlonzihus. Hier hat es noch mehr sehenswerte Gegenstände aus der sogenannt guten, alten Zeit, wie sie auf den Poststellen Merenschwand und Aristau täglich Verwendung fanden. In einer Ecke steht aber auch eine Telefonanlage, die aus Sins kommt. Käppeli hat die Anlage, bei der man die Verbindungen noch von Hand stöpseln musste, vom Zivilschutz Sins erhalten. Gleich daneben ist eine Burroughs-Rechnungsmaschine zu sehen, die nicht nur Jugendliche von heute, die auf dem Handy ein paar Zahlen zusammenzählen, zu beeindrucken vermag. An den Wänden hängen verschiedene Bilder, die vom Pöstler-Alltag erzählen. Und schliesslich hängt ein grosser Bildschirm an der Wand, auf dem jeweils der Film über die Postgeschichte Merenschwand anzusehen ist.

Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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