Hägglingen

Die Politrunde war sich selten einig – doch das Spital Muri würden alle behalten

Ruedi Schmid (SVP, links) und Robert Frauchiger (SP, rechts) waren sich selten einig. Moderator Mathias Küng (Mitte) schlichtete mit Charme und politischem Wissen.

Ruedi Schmid (SVP, links) und Robert Frauchiger (SP, rechts) waren sich selten einig. Moderator Mathias Küng (Mitte) schlichtete mit Charme und politischem Wissen.

Am überparteilichen Podiumsgespräch in Hägglingen diskutierten die Teilnehmer vor allem die Themen Bildung, Gesundheit und Sparen. Unter der Leitung von Moderator und az-Redaktor Mathias Küng gingen die Voten heiss hin und her.

Die integrative Schule sei viel zu teuer und bringe zu wenig Nutzen, immerhin sei es früher auch ohne sie gegangen. Das sagte Ruedi Schmid (47), Landwirt und SVP-Kandidat aus Hägglingen, an der Podiumsdiskussion der Grossratskandidaten am Dienstag in Hägglingen.

Die anderen vier Podiumsteilnehmer schüttelten den Kopf. Karin Bochicchio (42), FDP-Kandidatin aus Dottikon, hält Bildung für eine Lebenschance, ein Menschenrecht: «Wir können heute auf nichts so stolz sein, wie auf die Chancengleichheit in der Schweiz, die wir genau dieser Bildung verdanken.»

Sie sieht das Sparpotenzial höchstens im Schulmaterial – oder gleich ganz an anderen Orten, beispielsweise «bei diesen komischen Tiertunneln. Ich habe Tierli ja schon auch gern, aber nicht, wenn dafür die Bildung leiden muss». Somit werden bereits zwei der Hauptthemen deutlich, die den fünf Podiumsteilnehmern am meisten unter den Nägeln brannten: Bildung und Sparen.

Das dritte Thema flocht David Stutz (22), CVP-Kandidat und Medizinstudent aus Niederwil, ein. Nicht bei der Bildung, sondern im Gesundheitswesen sieht er erhebliches Sparpotenzial: «Man sollte nur noch jene Spitäler unterstützen, die die beste Qualität zum niedrigsten Preis bieten können.

Ausserdem sind Medikamente viel zu teuer. Einerseits sollte man Generika statt der teuren Originale verschreiben, andererseits sind die meisten Medikamente noch gut ein bis zwei Jahre über ihr Ablaufdatum hinaus problemlos wirksam.» Dies seien nur zwei der Möglichkeiten, um die Krankenkassenprämien deutlich zu verringern.

Stimmrechts- bis Rentenalter

Annetta Schuppisser, GLP-Kandidatin aus Tägerig und mit 18 Jahren die Jüngste Sprecherin, setzte beim Alter an. Einerseits findet sie, das Stimmrechtsalter sollte bei kantonalen und kommunalen Abstimmungen auf 16 Jahre hinabgesetzt werden, um bei den Jugendlichen schon früher Anreiz zu schaffen, sich politisch zu engagieren.

Andererseits «ist es unrealistisch, das heutige Rentenalter beizubehalten. Man wird heute älter und möchte länger arbeiten». Auch 67 Jahre findet sie zu jung, um Rentnerin zu werden, mit 70 Jahren könnte sie sich anfreunden.

Robert Frauchiger (66), ehemaliger Gemeindeammann und SP-Kandidat aus Hägglingen, ist in jenem Alter und möchte sich nun noch stärker der Politik widmen. Dennoch sagt er: «Statt das Stimmrechtsalter hinunterzuschrauben, sollte man sich vielleicht eher einmal überlegen, es nach oben hin zu begrenzen.» Moderator und az-Redaktor Mathias Küng lachte und fand, Frauchiger sei der Einzige auf dem Podium, der eine solche Aussage machen dürfe.

Die Köpfe und ihre Voten am überparteilichen Podiumsgespräch in Hägglingen: 

Darüber hinaus forderte Frauchiger mehr Transparenz in der Finanzierung von politischen Kampagnen und Parteien. Dem konnten alle zustimmen. Schuppisser fragte: «Warum nicht? Ist es den Geldgebern peinlich, offen zu sagen, wen sie unterstützen?» Damit traf sie den Nagel auf den Kopf.

Ja zum Atomausstieg

Moderator Küng zog das Tempo an, als es um Fragen aus dem Publikum ging. Die Energiewende und einen geordneten Atomausstieg befürworteten alle fünf Kandidaten. Auch dass die Chancen für Arbeitsfähige ab 50 verbessert werden, damit sie nicht ausgesteuert werden, ist allen wichtig.

Bochicchio möchte hier aber nichts regulieren, der Markt werde das schon schaffen. Frauchiger überzeugte das jedoch nicht. Zur letzten Frage, ob sie das regionale Spital Muri aus Spargründen schliessen würden, waren sich aber wieder alle einig: nein.

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