Muri
Die Pflegi zieht eine positive Bilanz aus dem Pilotprojekt «Meine 24 Stunden»

Die einzelnen Berufsgruppen, zum Beispiel Pflege und Reinigung, arbeiteten intensiver Hand in Hand und zogen zudem die Bewohnerinnen und Bewohner nach Wunsch und Möglichkeit in die Tätigkeiten mit ein.

Eddy Schambron
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Der Löwen-Neubau wird ab August bezogen und am 3. November eingeweiht.

Der Löwen-Neubau wird ab August bezogen und am 3. November eingeweiht.

Roger Wehrli/zvg

Das war neu in der Pflegi: Die Pflegenden, die durch den Gang gingen, hätten auch Besucherinnen sein können. Sie trugen keine Berufskleidung, sondern ihre zivile. Das war aber nur der äussere Ausdruck kommender Veränderungen, ausgelöst durch ein «Meine 24 Stunden» genanntes Pilotprojekt in zwei Wohngruppen der Pflegi Muri. So wurde anstatt im Stationszimmer auch ein Arbeitsplatz in der Stube der Abteilung eingerichtet. Die einzelnen Berufsgruppen, zum Beispiel Pflege und Reinigung, arbeiteten intensiver Hand in Hand und zogen zudem die Bewohnerinnen und Bewohner nach Wunsch und Möglichkeit in die Tätigkeiten mit ein. «Auf Augenhöhe» mit den Bewohnern sozusagen.

Die erste Bilanz ist positiv, wie Pflegi-Direktor Thomas Wernli an der Generalversammlung des Vereins Pflegi Muri ausführte. «Strukturelle Veränderungen, wie etwa die Arbeit in Privatkleidern, sind anspruchsvoll, jedoch ein gutes Lernfeld für die Mitarbeitenden. Die Bewohnerinnen und Bewohner ihrerseits müssen sich ebenfalls erst an die neuen Freiheiten, etwa an die Freiheit, Nein zu sagen, gewöhnen.»

Spannende Erfahrungen

Die Pflegenden wiederum hätten das Gefühl gehabt, mehr Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner zu haben und spannende Erfahrungen gemacht: «Wenn man den Bewohnenden beispielsweise nach dem Nachtessen noch etwas bietet, schlafen sie besser und brauchen unter Umständen weniger Medikamente», führt Wernli aus. «Eigentlich in unserem Alltag etwas ganz Normales.» Jetzt gelte es, die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern, beziehungsweise grosse Spiel- und Gestaltungsräume auch weiter gross zu behalten und nicht wieder in alte Muster zurückzufallen.

Die Pflegenden arbeiten jetzt zwar wieder in Berufskleidung, aber bis 2019 sollen die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt mit speziellen Konzepten angepasst an die verschiedenen Bereiche umgesetzt werden. «Je nach Bereich ist die Berufskleidung möglicherweise auch die sinnvollere Wahl», stellt Wernli fest.

Weiter habe das Projekt gezeigt, dass freiwillig Mitarbeitende besser integriert werden müssen. Freiwillige erleichtern es insbesondere, das Aktivitätenprogramm so auszubauen, dass gerade in den Abendstunden oder am Wochenende mehr kleine, persönlich abgestimmte Aktionen durchgeführt werden können. Darum seien auch neue Konzepte in der Freiwilligenarbeit geplant.

Am Markt orientiert

«Wir haben gelernt, schnell und flexibel zu agieren», hielt Wernli angesichts sinkender Nachfrage nach Pflegeplätzen und einer Bettenüberkapazität in Heimen, Kliniken und Spitälern fest. Schwerpunkte neben der geriatrischen Langzeitpflege mit Notfalleintritt rund um die Uhr sind deshalb in der Pflegi die Palliative Care mit vier Hospizbetten, eine Wohngruppe für Menschen mit Sucht/Abhängigkeitsproblematik, ein neues Angebot in Zusammenarbeit mit der Spitex mit einem Vertrag auch ohne Eintritt lediglich als Absicherung. Ab August gibt es schliesslich zwei Wohngruppen für demenziell Betroffene mit zehn, beziehungsweise 17 Plätzen, beide mit direktem Zugang zum geschützten Demenzgarten, und ab 2019 eine Wohngruppe für junge pflegebedürftige Menschen.