Muri
Die Pflegi führt eine neue Esskultur ein – für ein selbstbestimmteres Leben

Die Pflegi Muri ändert ihre Esskultur: Das Essen wird nun in Schüsseln statt per Tablettservice serviert. Zudem lässt sie Mitarbeitende an Tischgesprächen teilhaben.

Eddy Schambron
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Der «Genuss-Express» der Pflegi Muri unterwegs in die Wohnbereiche, um das Essen an den «Familientischen» individuell zu servieren.

Der «Genuss-Express» der Pflegi Muri unterwegs in die Wohnbereiche, um das Essen an den «Familientischen» individuell zu servieren.

zvg

Es ist angerichtet, ist man versucht zu sagen: Seit Sommer 2014 wird nämlich das Essen in der Pflegi Muri auf allen Wohnbereichen in Schüsseln serviert und nicht mehr im Tablettservice wie in einem Akutspital. Die Umstellung auf das neue Konzept und damit auf eine neue Esskultur war für alle Beteiligten anspruchsvoll, wie Direktor Thomas Wernli im Geschäftsbericht 2014 feststellt. «Nebst den veränderten Abläufen und Angeboten ging es insbesondere im Pflegebereich um die Auseinandersetzung mit einem neuen Rollenverständnis.»

Rechnung 2014 der Pflegi Muri: Gewinn statt Verlust erwirtschaftet

Im 2014 konnte die Pflegi Muri einen Gewinn von 49 300 Franken erwirtschaften. Dazu beigetragen hätten das straffe Kostenmanagement, tiefere Personalkosten und höhere Betriebserträge, wie Christoph Käppeli, Vizepräsident des Vereins Pflegi Muri, und die Leiterin Finanz- und Rechnungswesen, Sabine Boeckh, berichten. Die höheren Betriebserträge seien dank der sehr guten Auslastung erzielt worden. Budgetiert war die Rechnung mit einem Verlust von 397 000 Franken.

Gegenüber dem Vorjahr stieg der Betriebsertrag um rund eine Million Franken auf über 25 Mio. Franken. Der budgetierte Ertrag wurde wegen der im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich höheren angebotenen Bettenzahl um rund 150 00 Franken übertroffen. Ein Mehrertrag von 366 000 Franken gegenüber dem Budget wurde von den Bereichen Bau und Technik sowie dem Restaurant Benedikt erzielt.

In der Pflegi arbeiteten Ende Jahr 333 Personen, welche 249 Vollzeitstellen belegten. Im Vorjahr waren es 254 Vollzeitstellen. Der Personalaufwand erhöhte sich um 318 000 Franken oder um zwei Prozent. Er fiel im Vergleich zum Budget geringer aus, weil es die professionellen Führungsinstrumente erlauben, viel zeitnaher auf tiefere Auslastungszahlen oder tiefere Pflegeintensitäten reagieren zu können. Der Betriebsaufwand fiel gegenüber dem Vorjahr und gegenüber dem Budget um rund 300 000 Franken höher aus. (es)

Es sei anspruchsvoll, einen guten Mittelweg zwischen Selbstbestimmung, professioneller Pflege, Betreuung und den betrieblichen Realitäten zu finden. Der Fokus sei aber klar: «Wir orientieren uns ausschliesslich an den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner.» Pflege werde in einem ganzheitlichen Kontext definiert, «auch weil wir überzeugt sind, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Pflegi generell ein gutes Leben und nicht nur eine gute Pflege möchten».

Freiräume ermöglichen

Mit der Einführung der neuen Esskultur habe die Pflegi Muri unverhofft eine Möglichkeit entdeckt, ihre Visionen vom guten, selbstbestimmten Leben praxisnah, unspektakulär und nachhaltig zu bearbeiten. Das Projekt Esskultur sei Türöffner und gute Gelegenheit, auf einfache und verständliche Art eine komplexe Haltung zu implementieren. «Das Konzept regelt gewisse Rahmenbedingungen, beinhaltet aber primär, den Mitarbeitenden und den Bewohnerinnen und Bewohnern Freiräume zu bieten und nicht alles bis ins letzte Detail regeln zu wollen.»

Beispiel: Mitarbeitende können sich je nach Aufgabe beim Mittagessen zu den Bewohnerinnen und Bewohnern setzen. Sie dürfen sich Zeit nehmen und sich an den Tischgesprächen beteiligen. «Damit begegnen sie den ihnen anvertrauten Menschen auf Augenhöhe, in einem partnerschaftlichen Kontext.»

Franz Hold, Präsident des Vereins Pflegi Muri, hält fest, dass die neue Esskultur der Pflegi Muri ein «heimeliges» Gefühl gebe, was so zur wohltuenden Normalität im Pflegealltag beitrage und weit über den gut gelaunten Magen hinausgehe.

50 Einerzimmer bis 2017

Selbstverständlich habe sich die Pflegi im vergangenen Jahr nicht nur ums Essen gekümmert, hält Wernli in seinem Geschäftsbericht weiter fest. Die Planung für das Neubauprojekt Löwen anstelle des heutigen Ökonomiegebäudes laufe auf Hochtouren; Ende 2017 sollen hier den neuen Bedürfnissen entsprechend 50 Einerzimmer eröffnet werden. Angestrebt wird die Baueingabe im Herbst dieses Jahres, um in der ersten Hälfte 2016 zum Spatenstich schreiten zu können, wie Thomas Räber, Präsident der Baukommission, in der neuen «pflegizytig» festhält.

Weiter verlangte die Gestaltung des Lebensraums der Bewohnerinnen und Bewohner Aufmerksamkeit. Vom Arztdienst über die Therapien, die Pflege und Betreuung bis hin zu den Dienstleistungen der Hotellerie und der Administration seien alle Mitarbeitenden an diesem Prozess beteiligt. «Es gilt, einen guten Mittelweg zwischen Innovation und dem Kerngeschäft zu finden.»

Im 2014 hatte die Pflegi 221 Betten im Angebot. Damit konnten 77 674 (Vorjahr: 74 289) Pensionstage verrechnet werden. Die Auslastung erreichte, gemessen an den Pensionstagen, 96,2 Prozent. An Pflegetagen wurden 76 492 (73 319) verrechnet; bei kurzfristigen auswärtigen Aufenthalten wird nur der Pensionstag, nicht aber der Pflegetag verrechnet. Im 2014 kam es zu 204 Eintritten und 212 Austritten; von Letzteren konnten 81 Personen wieder nach Hause zurückkehren, wie Christoph Käppeli, Vizepräsident des Vorstandes Pflegi Muri, und Sabine Boeckh, stellvertretende Direktorin, in ihrem Jahresbericht festhalten. Das Angebot «Übergangspflege» habe vorwiegend zu dieser Anzahl Ein- und Asutritte geführt.

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