Wohlen
Die Pensionistin und die Pensionäre

Ariane Gregor konnte für das Jubiläum des Einwohnerrates die Aschmierer zum Comeback bewegen.

Toni Widmer (Text und Fotos)
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Ehemalige Einwohnerratspräsidentinnen und -präsidenten, von oben links nach unten rechts: Arthur Fischer, Urs Kuhn, Arsène Perroud, Pitsch Isler, Claude Salathé, Harold Külling, Konrad Gfeller, Fritz Isler, Marlis Spörri, Kaspar Schild, Hans Hübscher, Theo Burkard, Robert Steffen, Alois Lütolf, Ariane Gregor.
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Die Tafelrunde in der schön dekorierten Eingangshalle der Kanti Wohlen.
Einwohnerrats-Jubiläum Wohlen

Ehemalige Einwohnerratspräsidentinnen und -präsidenten, von oben links nach unten rechts: Arthur Fischer, Urs Kuhn, Arsène Perroud, Pitsch Isler, Claude Salathé, Harold Külling, Konrad Gfeller, Fritz Isler, Marlis Spörri, Kaspar Schild, Hans Hübscher, Theo Burkard, Robert Steffen, Alois Lütolf, Ariane Gregor.

Toni Widmer

Ariane Gregor ist am Montagabend, am 50-Jahr-Jubiläum des Wohler Einwohnerrates, als amtierende Präsidentin und als Parlamentarierin in Pension gegangen. Als Abschiedsgeschenk hatte sie mit Urs Wiederkehr, Urs Senn und Markus Stutz gleich drei Pensionäre zu einem doppelten Comeback bewegen können. Die ehemaligen Kanti-Lehrer formierten sich in der Eingangshalle ihres ehemaligen Arbeitsplatzes noch einmal zu den legendären Aschmierern. Als solche hatten sie während 25 Jahren an jeder Fasnacht das gesellschaftliche, vor allem aber auch das politische Geschehen von Wohlen mit träfen Versen aufgearbeitet.

Die rüstigen Rentner zeigten sich in Hochform und liessen es nicht dabei bewenden, aus ihrem grossen Archiv zu rezitieren. Zum Dessert ihres begeisternden Auftritts servierten sie einen Reim, extra für das Einwohnerratsjubiläum. Er endete mit dem Ratschlag: «Drum eis für allmol: Löhnd Eui sääge – ond mehr hoffid, jede mög’s verträäge, denn s’tönt für gwüssni ganz entsetzlich –: Keine vo euis isch unersetzlich.» Die Aschmierer wie gewohnt: ebenso humorig wie tiefgründig.

Als Einwohnerrat viel gelernt

Als Heimkehrer fühlte sich auch Stephan Attiger, der die offizielle Grussbotschaft des Regierungsrates überbrachte. Er habe in seiner Zeit als Einwohnerrat in Baden viel gelernt und und er zolle den zehn Gemeinde- und Stadtparlamenten im Aargau hohen Respekt: «Hier ist man nahe bei der Basis und deshalb wird auch sehr lösungsorientiert politisiert.» Sein Appell an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier: «Debattieren Sie intensiv über die Geschäfte und machen Sie Vorstösse, wenn es nicht nach Ihrem Gusto läuft.»

Wohlen sei als viertgrösste Gemeinde für die Kantonsregierung wichtig. «Die Gemeinde hat Entwicklungspotenzial, mit Ihnen haben wir noch viel vor», sagte Attiger und riet aber auch: «Wohlen ist Teil einer Region, die überdurchschnittlich wächst. Halten Sie zusammen, dann bringen Sie die Anliegen Ihrer Region im Kanton auch durch.»

Wohlen sei dieses Jahr ungewollt in die nationalen Schlagzeilen geraten, kam Attiger schliesslich auch auf eine Angelegenheit zu sprechen, die am Jubiläumsabend ansonsten (zumindest offiziell) ausgeklammert blieb. «Als Badener kann ich nachfühlen, was Sie dabei gefühlt haben. Doch Sie werden auch diesen Sturm überstehen.»

Ariane Gregor selber hatte sich in ihren Begrüssungsworten kurz mit dem politischen Klima in Wohlen befasst. Sie sei überzeugt, dass heute in Wohlen nicht schlechter politisiert werde als früher. «Aber wir politisieren anders, weil wir in einer anderen Zeit leben. Was hat sich in den 50 Jahren, seit es den Einwohnerrat gibt, nicht alles verändert? Damals gab es weder Handy noch E-Mail und auch keine verstopften Strassen», sagte Gregor und meinte, die Beurteilung der politischen Kultur sei meist auch eine Frage der Sichtweise: «Für die einen ist das Glas immer halb voll, für die anderen ist das gleiche Glas halb leer.»

Rauchwürscht und Linksdrülleti

Alois Lütolf, der erste Vizepräsident und zweite Präsident des Wohler Einwohnerrates, hat sich seinerzeit stark dafür engagiert, dass die Gemeindeversammlung durch ein Dorfparlament abgelöst wurde. In einer launigen Rede blickte er auf die Anfangszeiten zurück und bestätigte dabei die Vermutungen von Ariane Gregor bezüglich der politischen Kultur. Die Christlichsozialen, zu denen auch Lütolf zählte, habe man einst als «Linksdrülleti» bezeichnet und wegen ihrer Zusammenarbeit mit der CVP auch als «Rauchwürscht»: aussen schwarz und innen rot.

Unterstützt worden seien die Bestrebungen zur Schaffung eines Einwohnerrates von Alt-Konsul Jörg: «Er hat die Inserate bezahlt und die Honorare für die Referenten an den kontradiktorisch aufgezogenen Informationsveranstaltungen», erzählte Lütolf und hielt dabei fest: «Im KAK hämmer aber de e keis Honorar zahlt.» Mit KAK meinte er Karl Albert Kuhn, der damals als amtierender Gemeindeammann gegen die Einführung eines Einwohnerrats war. Grosse Verdienste um den Einwohnerrat attestierte Lütolf dem ersten Präsidenten Theo Burkard, der die Richtlinien für den Ratsbetrieb erarbeitet habe: «Er hat gesagt: ‹So geht’s›, und wir haben es so gemacht», erklärte Lütolf.

Kulinarisch aufs Beste verwöhnt wurde die Festgemeinde in der schön dekorierten Eingangshalle der Wohler Kanti vom Team der Kulturbeiz Chappelehof. Zum Apéro im Freien hatte sich das Ensemble «The Vocalines» der Musikschule als ebenso musikalisch gewandt wie kälteresistent erwiesen.

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