Oberrüti
Die neue Frau Gemeindeamman will den Dorffrieden herstellen

Franziska Baggenstos taucht ohne politische Erfahrung ins kalte Wasser. In Oberrüti erwarten sie einige knifflige Aufgaben. Angst hat sie jedoch keineswegs.

Eddy Schambron
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Franziska Baggenstos an ihrem Arbeitsplatz als Leiterin eines Beschäftigungsprogramms beim Murimoos werken und wohnen. ES

Franziska Baggenstos an ihrem Arbeitsplatz als Leiterin eines Beschäftigungsprogramms beim Murimoos werken und wohnen. ES

Die 44-jährige Franziska Baggenstos tritt als neue Frau Gemeindeammann von Oberrüti eine besondere Herausforderung an. Sie wird ab nächstem Jahr eine Gemeinde führen, die nach harten politischen Auseinandersetzungen zerstritten und unruhig ist. Und es wird für sie völliges Neuland sein, denn sie hat sich bisher politisch nicht engagiert. «Angst», sagt die eidgenössisch diplomierte Versicherungsfachfrau und diplomierte Betriebswirtschafterin, «habe ich nicht, aber einen gesunden Respekt vor der neuen Aufgabe.» Es sei etwa wie bei einer neuen Stelle: «Man freut sich, aber man sieht sich natürlich auch mit vielen Unbekannten konfrontiert.»

Mit dem neu zusammengesetzten Gemeinderat habe sie aber ein gutes Gefühl, die Herausforderungen zu meistern. Bei einem gemeinsamen Nachtessen nach der Wahl haben sie sich schon ein bisschen näher kennen gelernt.

Kommunikation verbessern

Konkret will Baggenstos die Kommunikation in der Gemeinde verbessern. «Ich kenne die Hintergründe von verschiedenen Geschäften nicht und kann deshalb nicht beurteilen, ob die Kommunikation nicht anders hätte ablaufen können. Aber als Einwohnerin oder als Einwohner hat man oft vieles nicht verstanden.»Das will sie in Zukunft besser machen.

«Ich glaube, dass die Bevölkerung eine solche Veränderung wünscht.» Das gute Wahlergebnis drücke das aus und sei die beste Voraussetzung für einen Neuanfang. «Ich hoffe, alle nutzen diese Chance, um wieder zu einem guten Umgang miteinander zu finden, dass wir wieder den Frieden im Dorf finden.» Sich selber bezeichnet Baggenstos als offen und direkt: «Ich gehe Probleme gerne ohne Umwege an und schaffe klare Situationen. Lieber einen Entscheid, den man vielleicht später korrigieren muss, als dass sich nichts bewegt.»

Genügend Zeit

Zeit für ihr neues Amt, glaubt Baggenstos genügend zu haben. Sie leitet bei Murimoos werken und wohnen mit einem 60-Prozent-Pensum das Arbeitsintegrationsprogramm Allegra für Arbeit suchende Frauen und Männer, die von der Sozialhilfe abhängig sind. «Mein Mann steht hinter meinem politischen Engagement und ist bereit, die anfallenden Haushaltsarbeiten mitzutragen», sagt sie. Entsprechende Erfahrungen haben sie schon gesammelt, als beide zu 100 Prozent berufstätig waren. Kinder haben sie nicht, aber in ihrer Freizeit widmen sie sich dem Hundesport. «Die Anfrage des Wahlkomitees kam, als ich gerade andere Mandate, etwa dasjenige als Verwaltungsrätin der Raiffeisenbank Rotkreuz, abgegeben hatte.»

Keine Angst vor heissen Eisen

Wie weit sie, beziehungsweise der neue Gemeinderat noch Einfluss beispielsweise auf das umstrittene Betonwerk der Vanoli AG nehmen kann, weiss Baggenstos nicht. Sie kennt die entsprechenden Hintergründe noch nicht. «Ich verstehe jedoch, dass man dieses Werk und den damit verbundenen Lastwagenverkehr nicht gern hat.» Hinschauen müsse man schon heute im Zusammenhang mit der Aushubdeponie Babilon auf Dietwiler Gemeindegebiet und auf das damit verbundene Verkehrsaufkommen: «Das wird Oberrüti stark betreffen, immerhin haben wir einen gefährlichen Knotenpunkt mitten im Dorf.» Bei verschiedenen Problemen sieht sie die Notwendigkeit von regionalen Lösungen. «Aber der Föderalismus in der Schweiz, die kleine Grösse einer Gemeinde ist wertvoll und für die Lösung vieler Fragen eine gute Sache.»

«Frauen politisieren anders»

Baggenstos ist überzeugt, dass Frauen tendenziell anders politisieren als Männer, «ohne damit zu sagen, dass sie es besser oder schlechter tun», wie sie betont. «Es braucht beide in einer Behörde.» Selber hat sie als Frau in einer männerdominierten beruflichen Umgebung keine negativen Erfahrungen gemacht, «im Gegenteil.» Und sie geht davon aus, dass das auch in der Gemeindepolitik so sein wird.

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