Wohlen
Die Nacht vor Mariä Himmelfahrt 2015 wird eisig

Der Freiämter Kalender ist wieder da und es lohnt sich erneut, ihn zu lesen.

Toni Widmer
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Titelbild des Freiämter Kalenders 2015, der ab sofort an allen üblichen Verkaufsstellen für 15 Franken erhältlich ist.

Titelbild des Freiämter Kalenders 2015, der ab sofort an allen üblichen Verkaufsstellen für 15 Franken erhältlich ist.

Aargauer Zeitung

Die Welt verändert sich, das Freiamt verändert sich und seine Gemeinden auch. Eine Konstante aber gibt es. In schöner Regelmässigkeit erscheint im Herbst der Freiämter Kalender aus dem Hause Kasimir Meyer in Wohlen. Abgesehen vom Titelblatt, auf der die traditionelle Lithografie vor einiger Zeit durch «normale» Farbfotos abgelöst worden ist und ein paar leichten grafischen Retuschen, hat er sich über Jahrzehnte kaum verändert.

«S Johr dure» ist eine der traditionellen Rubriken, in der auch im aktuellen Freiämter Kalender Rückschau auf vergangene Veranstaltungen gehalten wird.

«S Johr dure» ist eine der traditionellen Rubriken, in der auch im aktuellen Freiämter Kalender Rückschau auf vergangene Veranstaltungen gehalten wird.

Aargauer Zeitung

So schrieb den Prolog auf Seite 3 erneut ein Mitglied der Freiämter CVP. Letztes Jahr war es der (ausgewanderte) Markus Zemp, jetzt ist es die (eingewanderte) ehemalige Grossrätin und amtierende Frau Gemeindeammann von Islisberg, Alexandra Abbt. Ein Schelm, wer Böses denkt. Aber mit der CVP war das Haus Kasimir Meyer seit je eng verbunden und ist es (bis zu einem gewissen Grad) geblieben.

Geschadet hat das dem Freiämter Kalender nicht. Er versucht gar nicht erst, modern zu wirken. Er gibt sich als Bewahrer der heilen Freiämter Welt und ist Fundgrube für schöne Geschichten geblieben. Die treue Anhängerschaft schätzt das. Der Freiämter Kalender gehört in vielen Familien zum Herbst wie Schnitz und Hördöpfel oder die Metzgete in der Dorfbeiz.

Auch Alexandra Abbt appelliert an die Beständigkeit. «Liebe Freiämterinnen und Freiämter, bleibt konservativ, also ‹bewahrend› im besten Sinne des Wortes; tragt Sorge, nicht nur zur wunderbaren Landschaft, sondern auch zu euren Werten und Traditionen, denn sie bilden das Fundament unseres Zusammenlebens», hält sie fest.

Abgebildet im Freiämter Kalender: Foto von den Überresten des Lancaster-Bombers, der im Zweiten Weltkrieg bei Hämikon abgestürzt ist.

Abgebildet im Freiämter Kalender: Foto von den Überresten des Lancaster-Bombers, der im Zweiten Weltkrieg bei Hämikon abgestürzt ist.

Aargauer Zeitung

Es folgen – wie immer – die Zeit- und Festrechnung für das Jahr Jesu Christi und der 100-jährige Kalender. Wenn stimmt, was dort steht, wird der Sommer 2015 besser als jener von 2014, aber kaum befriedigender. «Allzeit sehr kalt», soll es in der zweiten Junihälfte werden und auch vom 7. bis 17. Juli. Vor Mariä Himmelfahrt im August sind nachts gar Reif und Eis angesagt.

Der Abt von Muri-Gries

Auch aus ihrer Nähe zur Katholischen Kirche haben die Kalendermänner kaum je einen Hehl gemacht. So erstaunt kaum, dass für die aktuelle Ausgabe eine Geschichte ausgegraben worden ist, die vor 100 Jahren erstmals erschienen ist: jene von Prälat Ambrosius Steinegger, der von 1897 bis 1913 Abt von Muri-Gries gewesen ist. Nicht minder spannend die Reportage über Auw (mit Farbfotos von zwei Gotteshäusern), die Geschichte des Männerchors Beinwil, jene von Otto Wild, dem Murianer Fabrikanten mit innovativen Ideen und einem Faible für schnelle Autos oder jene vom Bomber, der im Zweiten Weltkrieg auf Hämikon fiel.

Die Porträts der fünf Toten von damals sind nicht im Freiämter Kalender erschienen. Den im vergangenen Jahr verstorbenen Menschen aus dem Freiamt kann man jedoch in der aktuellen Ausgabe noch einmal begegnen. Auch das eine schöne Tradition.

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