Quizfrage: Was nutzt sich beim Blasmusikspielen am meisten ab? Richtig: die Hose. So ein Musikantenbeinkleid macht im Laufe eines Jahresprogramms aber auch jede Menge mit. Marschmusikeinsätze in brütender Hitze, bei Regen, Schnee, Wind und Wetter.

Dann die schweisstreibenden Konzertvorträge auf lackierten Holzstühlen oder, noch schlimmer, solchen aus Plastik. Nicht zu reden von den Einsätzen nach den Auftritten, wenn das Festzelt lockt, die Bar ruft oder im Kafistübli das Schümli vom Pflümli über die Finger auf die Hose tropft.

Nach 20 bis 25 Jahren hat auch eine gute Blasmusikuniform ihren Zenit überschritten. Da wird die Hose stellenweise dünn und generell zu eng. An der Jacke fehlt der eine oder andere Knopf. Die Krawatte zeigt zu viele Spuren unvergessener, wenn auch blass gewaschener Fleurie-Schlachten.

Liebe auf den ersten Blick

Dann kommt der grosse Moment, in dem eine «Kommission Neuuniformierung» ins Leben gerufen und der beschwerliche Weg zum neuen Corpsgewand in Angriff genommen wird. Die Musikgesellschaft Boswil (MGB) hat sich im Herbst 2016 zu diesem Schritt entschieden, und schnell war klar, bei wem man das neue Gewand in Auftrag geben wollte: «Wir haben die letzten drei Uniformen alle bei Schuler in Rothenthurm machen lassen», erinnert sich Alois Hildbrand (71, Euphonium, Musikkommission).

Und Hans Hildbrand (48, Tuba, Präsident, nicht direkt verwandt mit Alois) schwärmt: «Wir fuhren zum ersten Mal nach Rothenthurm, um uns die Modelle zeigen zu lassen. Da drehte ich mich um, sah diese Uniform und wusste, das ist sie! Es war Liebe auf den ersten Blick.»

Paula Schuler, Mitinhaberin der Schuler Manufaktur 6418, ist begeistert von ihrer Boswiler Kundschaft: «Die Kommission wusste genau, was sie wollte. So unkompliziert und reibungslos läuft eine Neuuniformierung sonst nicht ab. Ich werde nie vergessen, wie Hans Hildbrand mich zum ersten Mal angerufen hat. Ich wollte ihm unsere Möglichkeiten und Konditionen erklären, da hat er mich unterbrochen und gesagt: ‹Sie müssen sich keine Mühe geben, wir kommen sowieso zu Ihnen.› Seither ist er für mich nur noch der Kurz-und-bündig-Hildbrand.»

Präsentation am 24. März

Kurz darauf wurde bei allen 30 Musikanten Mass genommen, und die Produktion lief an. Am 15. März werden die neuen Uniformen nach Boswil ausgeliefert. Der Öffentlichkeit präsentiert werden sie aber erst am Jahreskonzert vom 24. März. Bis dahin sind Form und Farbe streng geheim.

Nur soviel sei verraten: Orange ist sie ganz sicher nicht. Dafür hat sie einen Hut. Und eine Krawatte. Aber kein Gilet. Ein Notenschlüsselpin ziert das rechte Revers. Unter der Brusttasche prangt ein weiterer Pin mit dem Dorfwappen.

Die neue Uniform kostet den Verein total 70 000 Franken. Einwohner-, Kirch- und Ortsbürgergemeinde beteiligen sich grosszügig an den Kosten. Die noch verbleibenden rund 20 000 Franken erwirtschaftet die MGB, indem sie Uniformteile «verkauft». Das geht von Knöpfen (30 Fr.) über die Hose (280 Fr.) bis zur kompletten Uniform (1800 Fr.). Als Gegenleistung für die Spende winken den Sponsoren zahlreiche MGB-Einsätze mit und ohne Musik.