2013 eroberte er mit seiner ergreifenden Stimme und seinem «Amazing Grace» die Herzen der Fernsehzuschauer im ganzen Land. Jetzt singt Michael Williams nicht mehr. Das Gesangstalent ist am vergangenen Freitag im Alter von 64 Jahren an einem Hirntumor gestorben. Auf seiner Website schreibt seine Familie: «Leider müssen wir die traurige Nachricht bekannt geben, dass Michael André Williams nach kurzer, schwerer Krankheit am 1. Dezember 2017 erlöst wurde und seine Stimme für immer verstummte.»

Singender Pöstler verstummt

Michael André Williams starb letzte Woche an einem Hirntumor. Er wurde duch "The voice of Switzerland" bekannt und beliebt.

Der sympathische Amerikaner mit indianischen Wurzeln, der in Zufikon gewohnt hat und ständig ein herzliches Lächeln im Gesicht trug, war nicht nur im Freiamt und auf dem Albis bestens bekannt. Mit seinem Auftritt bei «The Voice of Switzerland» vor fünf Jahren wurde er als singender Pöstler auf einen Schlag berühmt. Mit seiner Soulstimme überzeugte er die Jury. «Amazing Grace» war sein Lieblingslied, und als er das sang, erhielt er nicht nur spontane Standing Ovations, sondern wurde auch zum Liebling Tausender Zuschauer.

Er sang sein ganzes Leben lang

Williams kam 1993 der Liebe wegen in die Schweiz und lebte bis vor zwei Jahren in Zufikon, danach in Oberlunkhofen. Gesungen hat er sein ganzes Leben lang: erst im Kindergospelchor, mit seiner Schwester auf den Strassen von Florida, in der US-Army und später in der Schweiz an Hochzeiten und in zwei Bands. Er hat drei CDs herausgegeben.

Und auch mit damals 58 Jahren fühlte er sich 2013 keineswegs zu alt, um seinen musikalischen Durchbruch zu versuchen und sich bei der Castingshow «The Voice of Switzerland» mit meist jüngeren Kandidaten zu messen: «Mit meiner Teilnahme will ich andere motivieren, ihre Stimmen nicht zu verstecken, egal, ob sie jung oder alt sind», sagte er damals gegenüber der Aargauer Zeitung.

Sein Erfolg bei der Show hat ihn überrumpelt: «Ich war überrascht, aber auch zufrieden mit mir selbst.» Gleichzeitig wollte er bodenständig bleiben: «Die Leute kennen mich als ‹The Singing Postman›. Das will ich bleiben.» Er trug die Post in Affoltern am Albis aus und zauberte manches Lächeln auf die Gesichter seiner Kunden, indem er auf dem Posttöffli laut und deutlich sang. Die Musik war für ihn Inspiration, Lust und Liebe. «Ich hole Energie aus der Musik. Wenn es mir schlecht geht, ist sie meine Medizin», sagte er.

Pöstler: Mehr als nur ein Job

Für Michael Williams war seine Arbeit als Briefträger, die er seit 1999 machte, mehr als nur ein Job: Bei der Post hat er Fuss fassen können, nachdem er eine schwierige Zeit durchlebte. Er hatte Alkoholprobleme, entfremdete sich dadurch von seiner Familie. Nach einem Jahr in einer Klinik lebte er von der Sozialhilfe und Gelegenheitsjobs, bis er auf ein Inserat der Poststelle Affoltern stiess. Prompt erhielt er den Job und wenige Tage darauf durfte er von der Fremdenpolizei den C-Ausweis entgegennehmen. Er betonte stets, wie dankbar er für diese Chance war.

Dankbar war Michael Williams aber auch Jesus. Denn am Tag seiner Scheidung hat er zu ihm gefunden. An diesem Tiefpunkt habe Gott zu ihm gesprochen und ihm die Liebe zur Musik gegeben. So wurde er später Initiant und zugleich Solosänger des Bremgarter Gospelprojekts «Go to Spell», das alle zwei Jahre für einen guten Zweck sang. Und so war Michael Williams auch nicht traurig, dass er die Castingshow nicht gewann: «Mein Geschenk war es, ‹Amazing Grace› vor einem so grossen Publikum singen zu dürfen. Alles andere war Zugabe.»

Das letzte Wort hat seine Familie, die auf der Website schreibt: «Wir bedanken uns bei Michael für seine Liebe, das Vertrauen und seine wunderbare Stimme, wünschen ihm eine gute letzte Reise und hoffen, dass er mit den Engeln weitersingt.»