Merenschwand
Die Meinungen zur Asylunterkunft im früheren «Hirschen» sind geteilt

Mitten im Dorfzentrum, im früheren «Hirschen», sollen 25 Asylbewerber untergebracht werden. Wenn möglich noch in diesem Jahr. Bei der Bevölkerung sind die Meinungen geteilt.

Lisa Stutz
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Umfrage: Was sagt die Bevölkerung zur geplanten Asylunterkunft?
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Freddy Keusch, 67, Rentner aus Merenschwand «Ich finde das eine gute Sache. Das Haus steht leer, weshalb sollten die Asylbewerber also nicht dort logieren? Ich habe keine Angst oder Bedenken gegenüber Asylsuchenden. Es ist für mich kein Argument, dass das Haus gleich neben der Schule steht. Klar gibt es auch Kriminelle, aber man darf nicht alle in den gleichen Topf werfen.»
Doric Merladin, 67, Rentner aus Merenschwand «Ich finde 25 Asylsuchende sind zu viel für ein Dorf wie Merenschwand. Für mich kommt es auch darauf an, woher diese Leute kommen. Viele sind nur Wirtschaftsflüchtlinge, das zählt für mich nicht. Ich bin aus Serbien und weiss, dass echte Flüchtlinge wirklich Hilfe benötigen. Solche sind willkommen. Die Schweizer können aber nicht immer nur geben.»
Nicole Adank, 37, Pflegemutter aus Merenschwand «Wir haben selbst zwei minderjährige Asylbewerber bei uns zu Hause aufgenommen. Ich habe viele gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Solange die Asylsuchenden in der Schweiz sind, müssen sie irgendwo leben. Weshalb nicht bei uns in Merenschwand? Wenn die Leute gut betreut werden, finde ich die Idee sehr gut.»
Heinrich Fischer, 84, Rentner aus Rickenbach «Das Haus ist noch gut beieinander. Es wäre schade, wenn niemand mehr dort wohnen würde. Aber langsam komme ich nicht mehr draus: Zuerst hiess es, das Haus werde abgerissen, und jetzt wird es Stätte für Asylsuchende. Aber mir soll’s recht sein. Wenn das anständige Leute sind, dann habe ich nichts gegen ihre Unterbringung.»
Drita Deva, 57, Hausfrau aus Merenschwand «Mich stört es nicht, wenn im ‹Hirschen› Asylbewerber unterkommen. Sie sind gleichwertige Menschen wie ich. Es ist doch schön, wenn die Asylsuchenden ein Dach über dem Kopf haben und nicht auf der Strasse schlafen müssen. Ich würde es gut finden, wenn diese Leute, die Hilfe benötigen, bei uns bleiben könnten.»
Esther Raich, 33, Kaufmännische Angestellte aus Merenschwand «Weil Familien in den ‹Hirschen› einziehen sollen, habe ich keine Angst. Bei Einzelpersonen wäre das vielleicht anders. Als ich jung war, gab es schon viele Asylbewerber. Die haben mich nie gestört. Ich mache mir auch keine Sorgen um mein Kind, ich sehe keine grossen Probleme in dieser Angelegenheit.»

Umfrage: Was sagt die Bevölkerung zur geplanten Asylunterkunft?

Susanne Balint

Der Gemeinderat Merenschwand ist gegenüber dieser Idee des kantonalen Sozialdienstes - anders als viele andere Gemeindebehörden - positiv eingestellt.
Unsicherheit im Dorf
Bei der Bevölkerung sind die Meinungen geteilt. Vor allem Leute, die fürs Asylheim sind, gaben eine kurze Stellungnahme gegenüber der Aargauer Zeitung ab. Andere Leute stellten zwar klar, dass sie gegen die Asylunterkunft sind, wollten ihre Meinung aber nicht öffentlich machen.
Hört man sich im Dorf um, spürt man Unsicherheit. Viele Einwohner wägen die Vor- und Nachteile ab. So sagte eine Passantin: «Aus Erfahrung gibt es immer Probleme mit Asylbewerbern. Auf der anderen Seite sollten wir nicht voreingenommen sein und ihnen eine Chance geben. Wir dürfen nicht alle in den gleichen Topf werfen.» Ähnlich wie ihr ergeht es anderen Dorfbewohnern. Sie wissen nicht so recht, was sie von dieser Sache halten sollen.
Lieber Familien als Einzelpersonen
Auch Verwirrung macht sich im Dorf breit. Viele Leute haben noch nichts von den Unterbringungsplänen gehört. Sie fragen sich, ob das Haus nun doch nicht abgerissen wird und somit kein neuer Kreisel im Dorfzentrum entsteht. Wenn sie dann erfahren, dass das Kreisel-Projekt noch läuft, jedoch erst 2016 realisiert wird, haben die meisten Leute nichts dagegen, dass vorübergehend Asylsuchende im «Hirschen» einquartiert werden.
Viele Leute sind zudem froh, dass nicht Einzelpersonen, sondern Familien und alleinstehende Mütter mit Kindern einziehen sollen. So äusserten einige Passanten Skepsis gegenüber jungen, männlichen Asylbewerbern. «Familien mit Kindern sind harmlos», finden die meisten.