Mutschellen/Bremgarten
Die Luft wird dünn: Ingo Malm wird auf 1,2 Millionen betrieben

Ingo Malm muss seine Mutscheller Praxis Ende März verlegen, was mit einigen Schwierigkeiten verbunden ist. Ausserdem belegt der Betreibungsauszug des Arztes, dass er erhebliche finanzielle Probleme hat. Malm sieht sich mit Forderungen von rund 1,2 Millionen Franken konfrontiert.

Lukas Schumacher
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Neuer Standort Berikon: Ingo Malm will seine Arztpraxis ins Gewerbelokal (rechts) und ins Erdgeschoss des Wohngebäudes (hinten) verlegen. sl

Neuer Standort Berikon: Ingo Malm will seine Arztpraxis ins Gewerbelokal (rechts) und ins Erdgeschoss des Wohngebäudes (hinten) verlegen. sl

Wie lange kann der umstrittene Ingo Malm noch als selbstständiger Arzt arbeiten? Die Gesundheitsbehörden des Kantons Aargau haben dem in Bremgarten wohnenden, auf dem Mutschellen praktizierenden Deutschen die Bewilligung entzogen. Malm wehrt sich juristisch gegen das drohende Berufsverbot, das auch der Kanton Zürich ausgesprochen hat.

Zügig lösen will, ja muss der in mehrere rechtliche Verfahren und Händel verwickelte Arzt ein Zügelproblem. Wegen Mietschulden wurden Malms Mutscheller Praxisräume im Gebäude Bolleri 4 in Rudolfstetten auf Ende März gekündigt. Ab dem 1. April möchte er auf dem Mutschellen neue Praxisräume in Berikon beziehen. Ob das tatsächlich klappt, ist sehr ungewiss.

Wettrennen gegen die Zeit

Die neue Praxis will Malm im Gewerbeanbau und Wohngebäude Alte Bremgartenstrasse 2 in Berikon einrichten. Das entsprechende Bau- und Umnutzungsgesuch hat die Gemeinde Berikon soeben amtlich publiziert. Bis zum 26. März läuft die Frist, bis dann können beim Gemeinderat schriftlich Einwendungen gegen das Gesuch eingereicht werden. Selbst wenn keine Einwendung eintreffen sollte, wird es zeitlich sehr eng. Innert weniger Tage eine Arztpraxis zu zügeln und am neuen Ort zu eröffnen, ist kaum zu schaffen.

Einverständnis der Mieter nötig

Zudem dürfte das Umnutzungsgesuch kaum glatt durchkommen. Malm benötigt für den Zugang seiner Patienten im Erdgeschoss des Wohngebäudes das Einverständnis der dortigen Mieter. Nicht alle Mieter wollen ihm diese Bewilligung «einfach so» erteilen. Das könnte die Zügelpläne zumindest verzögern. Überdies ist unklar, ob die rudimentären Umnutzungspläne, die der Arzt und die Liegenschaftsbesitzerin Kristina Lüthi im Gemeindehaus Berikon ablieferten, auch ausreichen für eine Baubewilligung oder ob weitere Unterlagen nachzuliefern sind. Auch dies würde sich zeitlich negativ auf den Eröffnungstermin auswirken.

Mit 1,17 Mio. Franken in der Kreide

Der Arzt steckt in grösseren finanziellen Schwierigkeiten. Gegen ihn läuft ein Konkursverfahren, das er rechtlich mit einer Beschwerde zu entkräften versucht. Gemäss aktuellem Betreibungsauszug belaufen sich die finanziellen Forderungen an Ingo Malm auf 1,17 Millionen Franken. Ob es ihm gelingt, diese Verbindlichkeiten zu begleichen, wird sich weisen.

Im Betreibungsauszug sind Steuerschulden im Umfang von 136 000 Franken aufgelistet, welche die Stadt Bremgarten und der Kanton Aargau zugute haben. Malms ehemalige Anwältin betreibt ihren früheren Mandanten auf 44 000 Franken. 106 000 Franken schuldet der Arzt drei Vermietern und Liegenschaftsinhabern. 162 000 Franken fordern vier Arztkollegen, unter ihnen ehemalige Angestellte. Ebenfalls zu den Gläubigern gehören sein Informatiklieferant und ein Stellenvermittler.

Nicht weniger als nahezu 700 000 Franken und somit den grössten Teil der Verbindlichkeiten schuldet Malm der Ausgleichskasse medisuisse; dabei handelt es sich vorwiegend um AHV- und Sozialversicherungsbeiträge für die Angestellten des Arztes.