Studieren in Berlin
«Die Lebensfreude scheint mir in Berlin grösser»

Seit 2012 studiert Tamara Erbe in Berlin. An ihrer neuen Heimat schätzt die Mutschellerin die Freiheit und Lebensfreude.

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Tamara Erbe in ihrem Lieblingscafé. zvg

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Populäre Kulturen, Filmwissenschaften und Geschichte – die Studienfächer der 24-jährigen Tamara Erbe scheinen Berlin geradezu zu charakterisieren. So ist es kein Wunder, dass die Mutschellerin 2012 in die Stadt der Mauer zog, wo sie an verschiedenen Film- und Videoprojekten mitarbeitet. 2013 wurde sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie aufgenommen und wohnt seither in Kreuzberg.

Warum kamst du nach Berlin?

Tamara Erbe: Als ich 2009 erstmals als Touristin hier war, wusste ich, hier will ich leben. 2012 war ich etwas frustriert über mein Unileben in Zürich und besuchte David Aerni. Und da es unten im Haus eine Produktionsfirma gab, stellte ich mich spontan dort vor. Sie vermittelten mich sofort weiter und ich erhielt ein Praktikum bei einer ZDF-Co-Produktion. «Am Montag kannst du anfangen», hiess es. Ich rief meine Mutter an: «Mami, ich ziehe nächste Woche nach Berlin!» Und das tat ich.

Wie wohnst du dort?

Anfangs durfte ich bei Dave campieren. Jetzt wohne ich in einer Dreier-WG, aber meist wohnen da mehr Leute. Auch meine Mitbewohner arbeiten beim Film. Im grossen Gemeinschaftszimmer besprechen wir Projekte, Drehbücher oder essen einfach lecker.

Was gefällt dir besser an Berlin?

Mir gefällt die Freiheit. Jeder findet seinen Platz, weil die Stadt so vielfältig ist. Die ganze europäische Geschichte der letzten zwei Jahrhunderte spiegelt sich hier wieder, das trägt zur Toleranz bei. Der Lebensstandard ist wohl tiefer als in der Schweiz, aber die Lebensfreude scheint mir grösser. Man darf kreativ sein, ausprobieren, sich entfalten.

Und was an der Schweiz?

Manchmal vermisse ich Landschaft, Freunde und Familie. Ich bin ein Migros-Kind, da freut sich die ganze WG, wenn Pakete meiner Eltern mit Sirup und Schoggi ankommen. Am meisten fehlt mir aber das «Schwiizerdütsch».

Was sind deine Ziele?

Nach meinem Grundstudium will ich im Sommer einen Monat in die Schweizer Berge, um zu schreiben. Aber dann will ich in Berlin mein Studium weitermachen. Bis 2020 bin ich eingeschrieben, solange werde ich meine Wohnung sicher behalten. Ich glaube, ich werde hier jobbedingt immer eine Wohnung haben. Irgendwann will ich zurück in die Schweiz, um mehr Produktionen zu machen und Geschichten aus der Schweiz zu erzählen.

Welches waren deine tollsten Erlebnisse in Berlin?

Als ich damals Dave besuchte, fragte mich ein Strassenfegerverkäufer nach meinen Träumen. Er ermutigte mich, keine Angst vor der Zukunft zu haben. Eine Woche später zog ich tatsächlich nach Berlin. Oder einmal spazierte ich mit einem Freund aus Kreuzberg durch die winterliche Stadt. Er zeigte mir seine Lieblingsorte und erzählte Geschichten. Dann bat mich eine Frau um eine Zigarette und sang uns dafür ein Lied über die Rote Zora vor. Wir stapften bestimmt drei Stunden durch den Schnee, mit dem typischen Fusspils (Wegbier) in der Hand. Ich glaube, an dem Abend bin ich in Berlin angekommen, da wurde es mein Zuhause. (aw)