Supermoto

Die lebende Legende fährt auch mit 50 Jahren noch vorne mit

«Bad Boy» Daniel Müller auf seinem Motorrad.

«Bad Boy» Daniel Müller auf seinem Motorrad.

Zehn Jahre nach dem letzten Gesamtsieg fuhr der 50-jährige Daniel Müller in der abgelaufenen Supermoto-Saison auf Rang zwei. Dabei waren die Vorzeichen zum Saisonstart alles andere als rosig.

Eigentlich ist der  – wie Daniel Müller in der Motorradsportszene genannt wird – ein ruhiger Zeitgenosse. Die Öffentlichkeit ist nicht sein Ding. Startet er aber seine Rennmaschine, lautet das Motto: «Wehe, wenn er losgelassen». Da wird aus dem Murianer tatsächlich ein «Bad Boy».

Bewiesen hat er es eindrücklich vor zwei Jahren beim Motocross Muri. Damals fuhr er bei brütender Hitze seine um Jahrzehnte jüngeren Gegner in Grund und Boden. Dies notabene ohne sich auf den einzigen Motocross-Auftritt der Saison vorzubereiten. Dazu der gelernte Automechaniker: «Wenn ich auf die Maschine sitze, bin ich voll auf das bevorstehende Rennen fokussiert. Da ist man in einer anderen Welt.» An einem perfekten Tag könne man ein Rennen richtgehend geniessen, fährt er fort. Andererseits gebe es Tage, wo man von der ersten bis zur letzten Minute zu kämpfen habe. Da sei beissen angesagt.

Legendenstatus beim Supermoto

Ansonsten ist der inzwischen 50-Jährige, nach einer erfolgreichen Motocross-Karriere, seit 1997 beim Supermoto zu Hause. In dieser Szene ist er eine lebende Legende. Zwischen 1999 und 2006 wurde er in der höchsten Klasse viermal Schweizer Meister.

Entgegen allen schlechten Vorzeichen startete er in der abgelaufenen Saison noch einmal so richtig durch. Schlechte Vorzeichen, weil sich Müller während der Saisonvorbereitung eine Schulterfraktur zugezogen hatte. Nichtsdestotrotz belegte er in der Gesamtwertung Rang zwei. Fünf der 27 Läufe gewann er. Gleich sieben Mal bretterte er als Zweiter über die Ziellinie. Dazu kamen drei weitere Podestplätze.

Bergsportler mit Höhenangst

Dass er trotz reduzierter Vorbereitung vom ersten Rennen an um den Meistertitel in der Klasse Prestige 450 mitfuhr und erstmals seit vier Jahren wieder Laufsiege feiern konnte, ist auch seiner neu hinzugekommenen Leidenschaft zu verdanken.

Denn seit rund zwei Jahren hat er sich dem Bergsport verschrieben – trotz Höhenangst, die er inzwischen selber erfolgreich therapierte. Es stellt sich nun die Frage, wie er zum Bergsteigen gekommen ist. «Irgendeinmal hatte ich vom normalen Training genug. Der Bergsport hat mir noch einmal einen Kick gegeben.»

Beim Klettern mache man über mehrere Stunden draussen in der Natur Ausdauertraining. Mit demselben Effekt wie bei den üblichen Einheiten, so Müller. «Da darf man sich keine Fehler erlauben», sieht er eine weitere Parallele zum Motorradsport. Dadurch sei er heute bei den Rennen noch fokussierter. Was sich in Extremsituationen bemerkbar mache.

Drei Wochen im Koma

Dass er mit seinen 50 Lenzen sportlich überhaupt noch Bäume ausreissen kann, hat er auch einem Schutzengel zu verdanken. Dieser sorgte dafür, dass er 1990 nach einem schweren Jetskiunfall wieder auf die Beine kam. Mit einer schweren Schädelverletzung lag er drei Wochen im Koma.

Ausser einigen Schrauben und Platten im Kopf hinterliess dieser Unfall bei ihm keine Spuren. Im Gegenteil: «Komischerweise lief es mir danach so gut wie noch nie», erinnert sich Müller. Er habe das Gefühl, dass er seit diesem Ereignis mental stärker sei. Er könne aber nicht genau sagen weshalb. Vielleicht habe es damit zu tun, dass er mit einem Bein schon im Jenseits war und sich aber wieder zurückgekämpft habe. Heute könne er sagen, dass sein Wille in jeder Beziehung stärker geworden sei und dass er grundsächlich alles ernster nehme.

Seine lebenslange Motorradrennsport-Leidenschaft ist kein Zufall. Denn der Name Müller steht für «Benzin im Blut». Auch seine Eltern sind begeisterte Motorradsport-Fans. Sein Onkel Karl Müller ist Gründungsmitglied des Motorradsport-Club Muri. Gleichzeitig amtete dieser 16 Jahre als OK-Präsident des Motocross Muri. Und da wäre noch sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Urs Müller. Der Murianer ist ebenfalls im Supermotozirkus, bei der Senioren Open-Klasse, anzutreffen.

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