Wohlen
Die «Kunschti» – ein Stück Familiengeschichte

Bei der Recherche zu den Geschichten der Kunsteisbahn Wohlen merkte der AZ-Redaktor, dass es auch seine sind.

Christian Breitschmid
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Die offene Kunsteisbahn Wohlen geht in ihre letzte Saison.

Die offene Kunsteisbahn Wohlen geht in ihre letzte Saison.

Christian Breitschmid

Die Wohler Kunsteisbahn hiess in unserer Familie und in meinem Freundeskreis einfach «d Kunschti». Ich war zehn, als dieses Wunderwerk der Kältetechnik eröffnet wurde, und das nun in seine letzte Saison startet. Unser Vater hatte als Mitglied des Handwerker- und Gewerbevereins selbstverständlich seinen Beitrag an den kalten Vergnügungstempel geleistet. Er liess es sich nicht nehmen, seine vier Kinder höchstpersönlich in die Kunst des eleganten Gleitens einzuführen.

Meiner älteren Schwester gefielen ihre weissen Schlittschuhe und die flotten Jungs der Oberstufe, die so halsbrecherisch fahren und bremsen konnten. Mir taten nach kürzester Zeit die Füsse weh, und meine Kunst auf der Eisbahn bestand darin, die Balance zu halten, wenn ein Fuss zur Entspannung in der Luft hing, während der andere nur auf einer Kufe stand. Die beiden Jüngeren wurden bald quengelig. Es war für sie auch mühsam, denn Papi hatte ihnen die Doppelkufen an die Winterstiefelchen geschnallt, und da braucht es einfach jemanden, der einen zieht oder schiebt, sonst geht gar nichts. Meine kleine Schwester erinnerte also unseren Vater daran, dass er ihr im Restaurant eine Ovi versprochen hatte, während der Jüngste alles daran setzte, endlich Fahrt aufzunehmen, wie die grossen Buben, die er genau beobachtete.

Für mich war die Kunschti ein Wunderland. Draussen war es schon stockdunkel, aber wir fuhren über das schneeweisse Eis, das funkelte und glitzerte im hellen Licht der Scheinwerfer. Aus den Lautsprechern sangen Abba, Boney M. und Jürgen Drews. Hätten mit der Zeit nicht auch noch die Ohrläppchen unter der Strickmütze den Kuhnagel bekommen, ich wäre gerne die ganze Nacht geblieben. Aus mir ist nie ein eleganter Kunsteisläufer geworden, aber mich und meine Geschwister hat die Kunschti mit all den Menschen auf ihr ein Stück weit miterzogen.

Im Hintergrund steht der Kran. Da entsteht die neue, gedeckte Eisbahn von Wohlen.
17 Bilder
Eismeister Albert Locher hat Schlittschuhe von Grösse 25-48.
Albert "Bärti" Locher ist zufrieden, so wie die Vorbereitungen laufen.
Die offene Kunsteisbahn Wohlen geht in ihre letzte Saison.
Ein Blick aus dem Kassenhäuschen auf die Putzgerätschaften.
Ein einzelner Besen reicht da kaum, um alles auf Vordermann zu bringen.
Wer keine eigenen hat, darf hier welche ausleihen.
Noch ist es zu warm, um eine kompakte Eisschicht zu bilden.
Die Garderoben im zeitlosen Charme der 70er-Jahre.
Albert Locher, Stefan Meier und Sati (von links) müssen noch die Gummibahnen auslegen.
Michelle Manimanakis schreibt die neuen Menutafeln fürs Garderöbli-Beizli.
Wann genau ist das Restaurant nun geöffnet...?
Maya Saxer, Corinne Manimanakis und Gary Hufschmid (von links) begiessen das neue/alte Restaurant der Kunsteisbahn.
Letzte Saison waren hier noch Garderoben. Jetzt wird wieder gewirtet im Garderöbli-Beizli.
Das Wetter ist noch zu warm für gut hartes Eis, aber rundherum ist fast alles paletti.
Stefan Meier ist im Sommer Badmeister und im Winter Eismeister in Wohlen.
Sati (links) und Stefan Meier sorgen dafür, dass keine Kufen stumpf werden auf dem Gang ums Eisfeld.

Im Hintergrund steht der Kran. Da entsteht die neue, gedeckte Eisbahn von Wohlen.

Christian Breitschmid

«Zieht eure Strumpfhosen an», mahnte unsere Mutter, wenn wir auf die Kunschti wollten, «sonst holt ihr euch eine Blasenentzündung.» Nasse Wollhandschuhe, juckende Strumpfhosen, klamme Finger und schmerzende Füsse – schön wars und unvergesslich.

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