Muri

Die Küchlers stellten lange die Kirchensigristen

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Die historische Jahresschrift «Unsere Heimat» berichtet über eine berühmte Familie und Bezirksamtmann Josef Leonz Weibel.

Über acht Generationen hinweg stellte die Familie Küchler in Muri die Kirchensigristen. Darüber berichtet der pensionierte Wohler Kaufmann und Familienforscher Alphons Wüest in der Jahresschrift «Unsere Heimat» der Historischen Gesellschaft. Wüest fand nach umfangreichen Recherchen den Küchler-Stammbaum, den ein unbekannter Autor um 1795 verfasst hatte.

Acht Generationen lang im Amt

Das Geschlecht der Küchler ist eines der ältesten im Amt Muri. Sie kommen schon im 14. Jahrhundert vor und liessen sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Muri Wey nieder. Erster Sigrist aus der Familie war ab 1616 Simon Küchler. Er beteiligte sich mit einer Gabe am Bau eines Steinkreuzes auf dem Friedhof und an der Vergoldung des Tabernakels. Als Mitglied der Barbara-Bruderschaft versprach er, solange er Sigrist bleibe, jährlich zwei Mass Öl für die Kirche zu entrichten. Seine Nachkommen hielten die Tradition aufrecht, das Sigristenamt auszuführen, als Letzter in der achten Generation Jakob Leonz Küchler, geboren 1827. Einer seiner Söhne war Briefträger in Muri und schrieb einen Bericht über die Fasnacht von Muri zwischen 1835 und 1910, der in der Jahresschrift «Unsere Heimat» ebenfalls abgedruckt ist. Die Kirchensigristen hätten ein grosses Ansehen genossen, schreibt Alphons Wüest. Sie durften sich während der Liturgie im Chorraum aufhalten und den Talar mit Chorrock tragen, also das Gewand des Klerikers.

Die Familie Küchler brachte auch einige Ofenbauer hervor. Kachelöfen von ihnen findet man noch heute in Freiämter Häusern. Der Hafner Jakob Küchler zog nach Luzern, wo seine Nachkommen die «Mury Hafner» genannt wurden. Auch mit den Küchler-Hafnern beschäftigte sich Wüest intensiv. Ein Beitrag über diesen Familienzweig soll in einer der nächsten Ausgaben von «Unsere Heimat» erscheinen.

Klosteraufhebung in Rückschau

In einer Rückschau stellt die Historikerin Annina Sandmeier-Walt (Winterthur), die an der Aufarbeitung der Murianer Klostergeschichte beteiligt ist, die Aufhebung des Klosters Muri vor 175 Jahren aus der Sicht des letzten Murianer Abtes Adalbert Regli dar. Der Abt habe in seinem Bericht, der erst 21 Jahre nach der Klosteraufhebung erschien, die Sache des Klosters durchaus verteidigt, aber auch das Verhalten einzelner Personen kritisiert und reflektiert, schreibt die Historikerin. Reglis Manuskript sei nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen.

Auch die Rolle, die der Murianer Bezirksamtmann Josef Leonz Weibel bei der Klosteraufhebung spielte, beleuchtet die Historikerin. Weibel sei ein Gegner der Klöster gewesen. Er sei durch alle Tumulte und Anfeindungen hindurch überzeugt gewesen, dass er für die richtige Seite kämpfe. Weibel habe mit Nachdruck und Härte für die Etablierung des liberalen Staates gefochten und habe geglaubt, dass das Freiamt nach einem Dezennium die Klosteraufhebung vergessen habe und «nach zehnjähriger Absenz der Mönche» so vernünftig und freisinnig aussehen werde wie andere Landesteile. Mit dieser Einschätzung habe Weibel aber übers Ziel hinausgeschossen. Als Bezirksamtmann habe Weibel von der Klosteraufhebung profitiert, zumal er eine private Apotheke führte und die Konkurrenz der Klosterapotheke nicht mehr fürchten musste, aber auch bei der Liquidation des Klostergutes. Weibel, so die Historikerin, habe 1845 gemeinsam mit anderen den Sentenhof aus dem ehemaligen Klosterbesitz ersteigert und diesen umgehend zu einem höheren Preis weiterverkauft. Darüber sei die katholisch-konservative Bevölkerung erzürnt gewesen.

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