Freiämter Sage

Die Klosterfrau im Morenthal, ein grünes Männchen und die Stadt Brünis

Die Karte ist leider nicht datiert.

Hermetschwil auf einer alten Postkarte. Archiv

Die Karte ist leider nicht datiert.

Oft hört man, dass Klosterangehörige nach ihrem Tod als Geister umgehen mussten, weil sie im Leben ungerecht waren. Und man glaube es oder nicht: An der Brünishalde in Wohlen soll einst eine Stadt gewesen sein.

Morenthal heissen einige Höfe oberhalb dem Dorfe und Kloster Hermetschwil; sie sollen früher Mörderthal geheissen haben. Man zeigt an der dortigen Landstrasse Gruben, worin die Räuber schliefen und ein Seil oder einen Draht über den Weg gespannt hatten, woran eine Glocke schellte, so oft ein nächtlicher Wanderer an den verlegten Pass stiess. Nachmals soll dort eine Nonne häufig erschienen sein, die einen Bund Schlüssel trug. Das Volk schloss daraus, dass sie das Beschliesseramt im benachbarten Kloster Hermetschwil verwaltet habe, und nannte sie daher die Meisterin. Den Grund, warum sie hier wandeln müsse, schob man auf die ungerechten Prozesse, womit das Kloster den umliegenden Gemeinden die besten Grundstücke nach und nach abzustreiten wusste.

Die Erscheinung war nicht eben gefürchtet, doch benahm sie sich boshaft und schadenfroh; sie warf gewöhnlich Steine nach den Leuten; so begegnete es hier einem Knechte, als er zur Aerntezeit schnitt. Auf wiederholte Beschwerden des Landvolkes verpflichtete sich zuletzt das Frauenkloster, die Erscheinung zur Ruhe zu bringen; sie wurde in einen nahen Wasserfall gebannt, den man ihretwegen wohl noch jetzt gern vermeidet; jährlich aber liessen die Nonnen zur bestimmten Frist eine gewisse Anzahl Klosterbrode als Entgelt in die Nachbar-Gemeinden vertheilen.

Auch begegnete hier einem Manne einmal ein kleines grünes Männchen mit einem Spaten in der Hand, das sich anzuschicken schien, hier den Boden umzugraben. Allein bald lief’s ziemlich weit mit ihm des Weges und hatte sich unaufhörlich zu erniessen. Immer wünschte ihm der Mann einen Helfdirgott! wohl siebenmal so fort. Als er aber beim achten Niessen bloss mit einem Fluch herausfuhr, brach das Männchen in Wehklagen aus und bejammerte sein Loos, dass es nun wieder fort und fort drunten in den Wiesengründen Wassergräben stechen müsse.

Stadt Brünis bei Wohlen

Im Felde oberhalb Wohlen, an der Strasse von Aarau nach Muri, heissen einige Aecker Seewadel. Dort soll ein See und mitten in ihm ein Zwingherrenschloss gewesen sein. Jenseits dieser Strasse trifft man Ueberreste von Mauern im Boden, die sich gegen die Brünishalde hinziehen. Hier lag Stadt und Schloss Brünis. 

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